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Augsburg - Trotz des Sieges in Augsburg hat sich Bayerns Laune nicht gebessert - zu anfällig war erneut die Defensive. Die bange Frage: Wird in Liverpool alles besser?

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Vor genau zwei Wochen rügte Niko Kovac seine Elf nach der 1:3-Pleite in Leverkusen und erinnerte sie daran, dass "Meisterschaften in der Defensive entschieden werden".

Gemäß dieses fußballerischen Credos können die Bayern in dieser Saison eigentlich nicht Meister werden, denn beim 3:2-Erfolg in Augsburg offenbarten die Münchner erneut eklatante Abwehrschwächen. Bereits 26 Gegentore fing sich die Kovac-Elf in dieser Saison ein. Zum Vergleich: Nach 34 Spieltagen in der Vorsaison waren es 28, in der Spielzeit 2016/17 sogar nur 22 Gegentreffer.

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Beim 1:0 nach 13 Sekunden (Eigentor durch Leon Goretzka und zugleich das schnellste Eigentor der Bundesliga-Geschichte) ließ Joshua Kimmich Augsburgs Philipp Max im Rücken laufen und entscheidend flanken. Auch das 2:1 durch Dong-won Ji (23.) wurde über die rechte Seite eingeleitet. In der Mitte stand Niklas Süle zudem schlecht.

Es war bereits das sechste Pflichtspiel in diesem Jahr mit Gegentoren - und am Dienstag wartet ausgerechnet die Super-Offensive des FC Liverpool im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League. (FC Liverpool - FC Bayern am Di. ab 21 Uhr im LIVETICKER)

Salihamidzic prangert Fehler an 

"Das war keine gute Leistung von uns. Klar, wenn man so Spiele vor der Brust hat wie wir in der Champions League, dann hat man das ein bisschen im Hinterkopf. Dann will sich auch keiner verletzen", sagte Hasan Salihamidzic. "Wir müssen uns gegen Liverpool um ein paar hundert Prozent steigern."

Auch dem Sportdirektor ist nicht entgangen, dass der Tabellenzweite erneut ein mangelhaftes Defensiv-Verhalten zeigte. Salihamidzic räumte sogar ein, "ratlos" über die Darbietung gewesen zu sein - und dennoch ist er für die Partien an der Anfield Road optimistisch: "Es ist ein komplett anderes Spiel."

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Das sei aber "keine Entschuldigung dafür, dass wir in vielen Situationen unkonzentriert und nicht richtig von Anfang an dabei waren. Das hat sich durch das ganze Spiel gezogen. Wenn ich ein Spieler wäre, würde ich das Spiel ganz schnell vergessen und mich auf das Spiel am Dienstag konzentrieren."

Süle: "Müssen deutlich kompakter stehen" 

Das ist auch das Motto von Niklas Süle. "Wir haben schon oft bewiesen, auch letztes Jahr gegen Real Madrid, wie gut wir gegen gute Mannschaften spielen und verteidigen können." Aber auch der 24-Jährige fordert, dass den Bayern die Fehler aus dem Augsburg-Spiel und den Vorwochen am Dienstag "gegen diese pfeilschnellen Spieler" nicht passieren dürfen: "Da müssen wir deutlich kompakter stehen. Das fängt vorne an."

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Damit allein wird es jedoch nicht getan sein.

Die Defensiv-Sorgen bekommen die Bayern in dieser Saison einfach nicht konstant in den Griff. Gegen Liverpool muss der Rekordmeister vor allem im Umschaltspiel zulegen. Viel zu oft lassen sich die Bayern auskontern, selbst von vermeintlich schwächeren Gegnern. Zum einen, weil die Viererkette oft zu hoch steht, zum anderen lässt sich das Mittelfeld zu häufig und zu einfach überspielen.

Gut möglich, dass die Bayern im Hinspiel an der Anfield Road daher deutlich tiefer stehen werden als in der Bundesliga. Zudem könnte Kovac auf Abräumer Javi Martinez im defensiven Mittelfeld setzen und damit seine zuletzt favorisierte Offensiv-Variante Thiago/Leon Goretzka sprengen. "Wir haben auch auf der Bank gute Leute. Das wird der Trainer entscheiden", sagte Salihamidzic im Hinblick auf mögliche Änderungen. "Wir müssen aber alle zusammen verteidigen. Da darf sich keiner rausnehmen."

Hummels einer der Lichtblicke

Und im Abwehrzentrum? Da ist Mats Hummels derzeit der einzig echte Lichtblick. Auch gegen Augsburg wirkte er sattelfester als Nebenmann Süle.

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"Ich sage das schon immer: Ich lebe von meinem Rhythmus. Ich bin am besten, wenn ich viel spiele", erklärte Hummels auf SPORT1-Nachfrage. "Das haben auch meine Trainer mit der Zeit immer erkannt. Jupp Heynckes hat zu mir immer gesagt: 'Ich schone dich nicht mehr vor irgendwelchen wichtigen Spielen, weil es für dich wichtiger ist, auf dem Platz zu stehen. Auch wenn es drei Tage vorher ist.' Das tut dann einfach gut. Es ergeben sich Automatismen. Man hat eine größere Sicherheit", erklärte der 30-Jährige.

Jerome Boateng scheint dagegen unter Niko Kovac derzeit keine Rolle zu spielen und schiebt Mega-Frust. In Augsburg lief er sich nicht eine Bahn lang warm, dehnte sich vorrangig im Stehen und Sitzen. 

In Liverpool dürfte es also erneut auf das Duo Hummels/Süle ankommen. Aus Bayern-Sicht ist zu hoffen, dass die Sicherheit in der Defensive im entscheidenden Moment zurückkommt - sonst dürfte der Traum vom ersten Titel schnell ausgeträumt sein.