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München - Präsident Uli Hoeneß werkelt an einem weitgehend runderneuerten FC Bayern. SPORT1 beleuchtet, was sich bei Transfers, Abgängen, im Vorstand und Hoeneß selbst tun könnte.

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Es war der erwartete Klartext-Auftritt von Uli Hoeneß im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1. Und der Präsident des FC Bayern ließ dabei mehr als nur durchschimmern, wohin die Reise beim Rekordmeister gehen soll.

Ob personeller Umbruch, Transfermarkt-Ausrichtung, Neuaufstellung der Führungsetage, Trainer- oder Sportdirektor-Position: Hoeneß will den FCB fit machen für die Zukunft. Zur kommenden Saison dürfte bei den Münchnern ein neues Zeitalter anbrechen.

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Die Bayern und vor allem Hoeneß haben viel vor und wollen dafür auch reichlich Geld in die Hand nehmen. SPORT1 skizziert, was auf welchen Feldern passieren könnte - persönliche Härtefälle wie bei Franck Ribery inklusive.  

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- Abgänge von Robben und Ribery:

Der anstehende und vielleicht umfassendste Umbruch der jüngsten Klub-Dekade macht vor den Arrivierten nicht Halt: Arjen Robben und Franck Ribery werden ab Sommer Geschichte sein.

"Wir planen, ihnen ein gemeinsames Abschiedsspiel zu geben", sagt Hoeneß. Ribery werde das zwar "nicht akzeptieren, denn er will bei Bayern spielen, bis er nicht mehr laufen kann." Aber: "Er wird sicher später in München wohnen, und wir werden eine Beschäftigung für ihn finden, die seinem Verdienst gerecht wird."

Für den Angriff auf Europas Spitze braucht es jedenfalls frisches Blut. Wenngleich Hoeneß auch meint: "Einen soften Umbruch hinzulegen, das ist die Kunst. Wir wollen denen (Ribery, Robben, Rafinha, Anm. d. Red.) nicht noch zwei Leute vor den Kopf knallen. Um denen einen würdigen Abgang zu bereiten, sind wir bereit, in einem Jahr mal die Meisterschaft zu opfern."

Was für die erfolgshungrigen Bayern aber auch bedeutet: Spätestens im zweiten, folgenden Jahr muss wieder Zählbares her. Noch unklar ist dabei die Situation von James Rodriguez. "Wenn wir die Option bis Mitte Mai ziehen, muss er bleiben", sagt Hoeneß. "Das hängt davon ab, ob Niko Kovac sagt: 'Den will ich behalten.' Wenn der Trainer sagt, er wird nicht regelmäßig spielen, dann kann man die 40 Millionen nicht ausgeben."

- Transfers:

Apropos ausgeben. Die Zeiten des Festgeldkontos sind offenbar trotzdem vorbei - die Bayern sind plötzlich gewillt, für neue Kräfte richtig viel Geld in die Hand zu nehmen. 

"Die Transfers können teurer werden. Wir haben nichts ausgegeben, und deshalb sind wir gut darauf vorbereitet, was im Sommer kommen wird", schildert Hoeneß. "Wir haben Pavard, wir werden in der Innenverteidigung noch etwas machen. Wir sind gut präpariert, unser Sportdirektor hat alles im Griff. Wenn wir Lucas Hernandez (Atletico Madrid, Anm. d. Red.) kriegen könnten, könnte ich mir vorstellen, 80 Millionen zu bezahlen." 

Mehr noch: "Es gibt für mich keine Schmerzgrenze", sagt der 67-Jährige. Die Causa Hernandez nannte er immerhin ein "lauwarmes" Gerücht.

Ein Paradigmenwechsel, der kürzlich noch Utopie war, nun aber unabwendbar scheint. "Ich glaube, dass man irgendwann ehrlich wird sagen müssen: Geld schießt doch Tore! Bayern München wird jedenfalls nicht nur mit Talenten die Champions League gewinnen", sagt SPORT1-Experte Marcel Reif dazu.

Und die Großinvestitionen sind offenbar weit gediehen: "Wenn Sie wüssten, wen wir zur neuen Saison schon haben…", sagt Hoeneß. Allen voran im Sturm müssen die Bayern nach dem China-Abgang von Sandro Wagner nachlegen, um Robert Lewandowski zu entlasten. Vielleicht mit einem Leipziger? Hoeneß Statement dazu klingt ein bisschen nach Nebelkerze: "Timo Werner? Ist das ein Fußballspieler? Einen Transfer zu nennen, für nächste oder übernächste Saison – er hat ja noch Vertrag bis 2020 – darüber machen wir keine Angaben."

Gleichzeitig machte der Präsident Hoffnung, dass es bald auch wieder Stars aus dem eigenen Stall geben wird: "Wir haben zwei, drei Jugendliche, die sich gut machen. Ich bin überzeugt, dass wir in den nächsten Jahren zwei, drei Spieler haben werden, die aus dem Leistungszentrum zu uns in den Kader kommen."

- Oliver Kahn in den Vorstand: 

Die Bayern haben Oliver Kahn als Nachfolger für Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge auserkoren. "Für 2021", sagt Hoeneß zwar - das Jahr, in dem Rummenigge abzutreten vorsieht. Es sei "kein Geheimnis", dass Kahn Kandidat für die Erbfolge ist. "Wir sind in Gesprächen. Ich glaube, er könnte sich das vorstellen."

Es würde jedoch sehr verwundern, ließen die Münchner die wichtige Personalie nun tatsächlich zu einer zwei Jahre lang währenden Hängepartie geraten.

Zumal Hoeneß einräumt: "Oliver Kahn würde (zunächst, Anm. d. Red.) ein Jahr lang normales Vorstandsmitglied sein, man hätte die Möglichkeit, sich zu beschnuppern." So ginge der 49-Jährige vor seiner Inthronisierung zum Chef bei Rummenigge quasi noch eine Weile in die Lehre.   

So oder so: Kahn ist Bayerns Wunschlösung. "Wir verhandeln auf einer Position nur mit einer Person. Bei uns gibt es nur 1A-Lösungen." Das erklärt auch, warum Philipp Lahm, einst ebenso für den Posten gehandelt, für Hoeneß kein Thema mehr ist: "Oliver Kahn ist zehn Jahre älter als Philipp Lahm, hat Firmen geführt, ein Studium abgeschlossen - das ist ein großer Unterschied." Gleiches gelte für Max Eberl, zu dem Hoeneß allerdings eindeutig erklärte: "Max Eberl spielt in unseren Überlegungen derzeit überhaupt keine Rolle."

- Rückzug von Hoeneß:

Ein FC Bayern ohne seine große Vaterfigur erscheint gegenwärtig unvorstellbar - und doch wird der Tag kommen. 

"Ich bin bis November gewählt", sagt Hoeneß, spätestens Ende Juni werde er entscheiden, "ob ich weitermache oder nicht. Es ist meine wichtigste Aufgabe, dann aufzuhören, wenn ich das Gefühl habe, es ist alles so, wie ich es mir vorstelle. Dann ziehe ich mich zurück und werde das in Ruhe von der Tribüne aus betrachten."

Sind die Weichen für die Zukunft also gestellt, könnte dieser Zeitpunkt früher kommen, als es Bayern-Fans für möglich halten.

Zunächst sieht es so aus: Hoeneß ist als Aufsichtsratschef bis Ende 2022 gewählt, bei der JHV im November steht dann die Wiederwahl als Präsident an - für drei weitere Jahre. Damit würden beide Amtszeiten (Präsident und Aufsichtsratschef) im Jahr 2022 enden. Dem wahrscheinlichen Zeitpunkt für Hoeneß' Abschied von der Vereinsspitze. 

- Rolle von Kovac und Salihamidzic:

Sowohl Trainer als auch Sportdirektor wirken inzwischen fest im Sattel.

"Du hast einen neuen, jungen Trainer, einen neuen, jungen Sportdirektor. In einem solchen Umfeld so eine Krise, wie wir sie im Herbst hatten, so überzeugend gemeistert zu haben, mit 18 Siegen und einem Unentschieden, da kann ich nur sagen: Hut ab!", meint Hoeneß.

Lob gibt es vor allem für die Leistung, die Kovac von seiner Mannschaft in Liverpool abgerufen hat: "Das war Rasenschach auf allerhöchstem Niveau. (...) Er hat sich fantastisch hineingearbeitet, was bei einem Klub wie dem FC Bayern nicht einfach ist."

Hoeneß sieht Trainer und Sportdirektor als klar gesetztes Erfolgstandem: "Intern hat Salihamidzic Kovac unheimlich gestützt, auch wenn das nach außen nicht so gewirkt hat. Und dass wir aus der Krise wieder rausgekommen sind, hat auch damit zu tun, dass Hasan intern - nicht für die Medien - einen super Job gemacht hat."

Entsprechend stellte der Präsident dem Sportdirektor sogar eine Beförderung in Aussicht: "Ich bin ziemlich sicher, dass Hasan Salihamidzic bei uns über kurz oder lang Vorstand wird."

Hoeneß' Umbau zu Bayerns Zukunft, er hat längst begonnen.