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München - Vor allem die Defensive der Bayern tankt in Liverpool Selbstvertrauen. Das gilt es, in die Bundesliga zu übertragen. Trainer Kovac stellt klare Forderungen.

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Das Umschaltspiel des FC Bayern in Richtung Defensive funktionierte an der Anfield Road. Jetzt gilt es für das Team von Trainer Niko Kovac, den Schalter umzulegen.

"Es ist alles eine Kopfgeschichte", betonte Kovac. "Der Kopf steuert alles, ob ich will oder eben nicht will. Aber wir müssen!"

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Damit stellte Kovac unmissverständlich klar: Die große Bühne Champions League ist bis zum Rückspiel gegen den FC Liverpool am 13. März zweitrangig. Ab jetzt zählt es wieder im Alltagsgeschäft Bundesliga. (Bundesliga: FC Bayern - Hertha BSC, Samstag, 15.30 Uhr im LIVETICKER)

Und ohne dem kommenden Gegner Hertha BSC zu nahe treten zu wollen, heißen die Gegenspieler eben nicht mehr Salah oder Mane, sondern Selke oder Mittelstädt.

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Kovac: "Können viel Positives mitnehmen"

Statt der Weltklasse des FC Liverpool wartet aber immerhin noch das gehobene Bundesliga-Niveau der Berliner, das in der Hinrunde für die erste Saisonniederlage der Bayern sorgte und zuletzt auch im Pokal gegen den Rekordmeister eine Verlängerung erzwang.

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"Wenn man international spielt, hat das noch mal ein ganz anderes Flair", sagte Kovac, schob aber hinterher: "Das, was vor zwei Tagen war, ist vorüber!" Das erste Zu-Null-Spiel dieses Jahres wirkt dennoch nach: "Wir können viel Positives für die Bundesliga und gerade auch für das Spiel gegen die Hertha mitnehmen."

Kovacs Wunsch richtete sich vor allem an die neu gewonnene defensive Stabilität, die in Liverpool vor allem durch die Hereinnahme des zweikampfstarken Abräumers Javi Martinez erreicht wurde.

Kovacs Zwiespalt bei Martinez

Doch ist der Baske damit auch gegen die Hertha die Lösung? "Man muss immer abwägen, wenn du einen defensivstarken Spieler rein nimmst, fehlt dir vielleicht nach vorne ein bisschen die Qualität", erklärte Kovac seinen Zwiespalt. Er war selbst Sechser und zu seiner aktiven Zeit war für ihn immer wichtig: "Die Mitte muss zu sein! Das fordere ich immer, egal wer die Position spielt."

Eine größere Fokussierung auf die Defensive forderte zuletzt auch Mats Hummels, der in Liverpool nach einigen Wacklern im Saisonverlauf selbst mit einer starken Leistung zum Gelingen dieses Vorhabens beitrug. "Wir haben nicht so große Räume gelassen, wie wir es in der Liga oft machen", analysierte Hummels.

Dass der 30-Jährige zuletzt in dieser Hinsicht öffentlich als Lautsprecher fungierte, nahm sein Cheftrainer ebenfalls zur Kenntnis. "Wenn Mats das so sieht wie alle, ist das gut. Aber er allein wird nicht reichen, wir brauchen noch zehn andere, die da mitmachen", sagte Kovac.

Möglicherweise benötigt der Bayern-Coach am Samstag sogar elf andere, Hummels fehlte im Training am Donnerstag wegen einer Erkältung.

Gegentorflut gestoppt - Kovac will Bestätigung

Unabhängig vom Personal, will Kovac auf der Defensivleistung vom Dienstag aufbauen, schließlich soll nach dem ersten Pflichtspiel ohne Gegentor in diesem Kalenderjahr möglichst das zweite folgen.

"Es ist von großer Bedeutung für mich, aber auch für die Mannschaft, dass wir gegen eine Weltklasse-Mannschaft zu null spielen konnten", betonte Kovac. "Das muss uns zeigen: Wenn wir das in der Bundesliga machen, sind wir eigentlich nicht zu stoppen." Er erwarte, "dass wir es dem Gegner nicht zu leicht machen, Chancen zu kreieren und dann auch Tore zu erzielen."

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Aufgrund individueller Aussetzer kassierten die Bayern in dieser Saison eine - gemessen an ihren Ansprüchen - zu hohe Anzahl an Gegentoren. Ligaweit stellt der Rekordmeister mit 26 Gegentoren nur die viertbeste Abwehr - in der Vorsaison kassierte Bayern 28 Gegentore, nach 34 Spieltagen wohlgemerkt.

Zwar gewannen die Bayern ihre vergangene vier Heimspiele, doch insgesamt mussten Manuel Neuer, sowie sein Stellvertreter Sven Ulreich in dieser Saison in der Allianz Arena schon zwölf Mal hinter sich greifen. Zum Vergleich: Schlusslicht Nürnberg kassierte zuhause auch nur drei Gegentore mehr.

Bayern kann mit Dortmund gleichziehen

"Ich erwarte Konzentration und absolute Disziplin im Verteidigen", richtete Kovac ein Appell an sein gesamtes Team. "Nicht laufen lassen, Mitlaufen bis zum Schluss", lautet Kovacs Devise, so wie es sein Team in Liverpool umgesetzt habe. "Das können und müssen wir in der Bundesliga auch tun. Der entscheidende Faktor ist immer der Spieler und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen."

Bei all der neu gewonnen Stabilität in der Defensive, darf natürlich das Spiel nach vorne nicht vernachlässigt werden. Schließlich sollte es Ansporn genug sein, im Fernduell mit dem schwächelnden Spitzenreiter Borussia Dortmund vorlegen zu können. "Wir können mit einem Sieg gleichziehen, sodass der BVB am nächsten Tag nachlegen muss", sagte Kovac.

Sein Team habe aus der Nullnummer der Dortmunder in Nürnberg am Montag zusätzliche Motivation für das Spiel in Liverpool gezogen. "Das erwarte ich auch für das Wochenende."

Eine Parallele zwischen dem Duell mit den Reds und der Hertha gibt es übrigens schon: Auch das Gastspiel der Berliner in der Vorsaison in der Allianz Arena endete 0:0. Zumindest in dieser Hinsicht sollten die Bayern die Partie an der Anfield Road schnellstmöglich abhaken.