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München - Die Pleite des FC Bayern München gegen Bayer Leverkusen verheißt für die Partie gegen Jürgen Klopps Liverpool Unheil. Findet Kovac die strategische Antwort?

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Niko Kovac ist erklärtermaßen ein gläubiger Mensch, das aus der Mode kommende Wort "Menetekel" wird ihm also geläufig sein.

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Der biblische Ausdruck - der wörtlich so viel heißt wie "Gezählt, gewogen" - steht für ein warnendes Zeichen, das ein nahendes Verhängnis verkündet.

In der Originalgeschichte ist es ein von Geisterhand gezeichneter Schriftzug an der Wand, der dem babylonischen Herrscher Belsazar den Untergang seines Reichs verkündet. Im Lauf der Jahrhunderte wurde die Geschichte zur beliebten Metapher für sich ankündigendes Unheil, auch wenn es um kleinere Dimensionen als untergehende Weltreiche ging.

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Unter Anhängern des FC Bayern, ob bibelfest oder nicht, gibt es seit diesem Wochenende eine Diskussion, ob sie an diesem Wochenende ein solches Menetekel gesehen haben. Die drängende Frage lautet: War die 1:3-Niederlage am Samstag gegen Bayer Leverkusen ein Vorbote für das nahende Aus in der Champions League gegen Jürgen Klopp und seinen FC Liverpool?

Bosz presst - FC Bayern findet keine Antwort

Es geht bei dieser Frage weniger um die nackte Tatsache, dass Kovacs Bayern nach zuletzt sieben Siegen in Serien wieder eine Pleite kassiert haben. Es geht darum, wie sie sie kassiert haben und gegen was für eine Mannschaft.

Sind doch die Stärken, die Peter Bosz den Leverkusenern erfolgreich eingeimpft hat, genau die, für die Klopps Mannschaften seit jeher berühmt und berüchtigt sind (auch wenn Liverpool sich in der Premier League gerade selbst wieder einen Patzer erlaubt hat).

Die Werkself glänzte gegen Bayern durch hohes Pressing, durch überfallartige Rudel-Attacken auf die Münchener Verteidigung. Viele Ballgewinne waren die Folge, stetige Unruhe in der Bayern-Defensive, die Leverkusens schnelle Offensivspieler nicht dauerhaft unter Kontrolle bekam.

Kovac weiß genau: Gegen Liverpool wäre eine solche Darbietung wie in Leverkusen der sichere K.o. Klopps Team hat dieselben Stärken und Anlagen wie Bosz' Bayer, nur eben mit Kalibern wie Sadio Mane, Roberto Firmino und Mohamed Salah in der Offensive.

Hertha BSC horcht auf

Und auch die nationale Konkurrenz hat Bayerns Niederlage aufmerksam registriert. Herthas Vedad Ibisevic gab in der Pressekonferenz vor dem Pokal-Achtelfinale gegen Bayern eine naheliegende Antwort auf die Frage, was sein Team tun müsse, um die Münchener zu knacken: "Wir müssen schnell sein."

Zwar ist davon auszugehen, dass die Bayern in den "Big Matches" gegen Liverpool fokussierter sein werden als im Ligaalltag. Ob das reicht, ist die andere Frage. Zu deutlich warf das Leverkusen-Spiel die Frage nach den Grenzen des Machbaren mit dem aktuellen Bayern-Kader auf.

Fehler leisteten sich darin sowohl die Jungstars als auch die Routiniers, die verschiedenen Generationen ergänzten sich in ihren jeweiligen Schwächen statt in ihren Stärken.

Passt Kovac seine Taktik gegen Klopp an?

Muss auch Kovac taktische Lehren aus der Niederlage ziehen? In Leverkusen schien er Bosz' Strategie spiegeln zu wollen, platzierte sein Mittelfeld selbst recht weit nach vorn, die Bayern versuchten Gefahr vor allem über Steilpässe und Konter zu entwickeln.

Der riskante Ansatz funktionierte nicht - und Kovac steht nun vor der Wahl, ob er ihn beibehält und zu verbessern versucht oder ob er ihn aufgibt und auf mehr Kontrolle hinarbeitet. Seine Äußerungen nach dem Spiel ("Wir müssen das Zentrum verdichten") klangen nach Option 2.

Noch hat Kovac Zeit und Gelegenheit, die erhoffte Sicherheit zu gewinnen: Vor dem Hinspiel in Liverpool stehen neben dem Hertha-Spiel auch noch zwei Ligapartien gegen Schalke und in Augsburg an.

Am 19. Februar und am 13. März geht es dann in der Champions League ums Ganze, es wird gezählt und gewogen - und es wird sich zeigen, ob Kovacs Bayern für zu leicht befunden werden.