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München - Beim FC Bayern ist die Ernüchterung zurückgekehrt. Ausgerechnet vor den entscheidenden Wochen schwächelt die Kovac-Elf wieder. Oder war es nur ein Ausrutscher?

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Mühsam hatte sich der FC Bayern aus seiner Herbstdepression gekämpft. Jeder Sieg war wie ein Tropfen Balsam auf die geschundene Seele des Rekordmeisters, der sich nach den trüben Tagen im Oktober in der ungewohnten Rolle des Verfolgers wiederfand. 

Dank sieben Siegen in Folge gewann man langsam den Eindruck, als stünden wieder die alten Bayern auf dem Platz. Die Bayern also, die zumindest in der Bundesliga keine echte Konkurrenz zu fürchten haben.

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Und dann? Holte Bayer Leverkusen die Münchner mit einem Schlag auf den Boden zurück und zeigte auf, dass es mit dem alten Selbstverständnis des FCB nicht weit her ist. Beim 3:1-Sieg der Werkself kamen die bösen Geister zurück, die Kovac vertrieben zu haben schien. "Wir waren zu fahrlässig und haben gedacht, 'das werden die Jungs hinten schon meistern'", gab der Coach zu.

Doch während Michael Ballack und Stefan Effenberg im CHECK24 Doppelpass vor allem die anfällige Defensive um Mats Hummels im Bayern-Ensemble kritisierten, wollte sich Kovac keinen einzelnen Spieler herauspicken. "Man kann das nicht nur auf die Abwehr abwälzen. Wir müssen das Zentrum verdichten, aber das ist uns in der zweiten Halbzeit nicht gelungen", sagte er. 

Ballack: "Bayern nicht auf Top-Niveau"

Die große Frage lautet nun, ob der Stimmungskiller aus der BayArena nur ein Ausrutscher war - oder ob mehr dahinter steckt. Geht es nach Ballack, dann werden die Bayern bis zum Saisonende nicht mehr in alte und erfolgreiche Verhaltensmuster zurückkehren. "Wie gestern zu sehen, hat Bayern München größere Probleme, die Motivation zu entwickeln, sich nach sechs Titeln in Folge wieder auf das erforderliche Niveau zu bringen." 

Für den früheren "Capitano" ist die Leistungsdelle seines Ex-Klubs ein ganz normaler Prozess. "Die Mannschaft ist im Umbruch, Leistungsträger werden kritisiert und hinterfragt. Da passiert etwas im Moment - und deshalb sind sie momentan nicht auf einem Top-Niveau."  

Dieses Top-Niveau wäre aber gerade jetzt wichtiger denn je, denn in den kommenden 16 Tagen könnten die Bayern ansonsten die gesamte Saison in den Sand setzen. 

Zunächst wartet im DFB-Pokal die unangenehme Aufgabe bei Hertha BSC, was bei den Bayern unangenehme Erinnerungen hervorrufen dürfte. In Berlin setzte es Ende September die erste Saisonpleite, rückblickend der Startschuss in die Krisenwochen.

Schwere Aufgabe in Berlin

Hertha-Coach Pal Dardai, nach dem 0:1 gegen Wolfsburg ebenfalls unter Druck, glaubt daran, den Rekordmeister ein zweites Mal zu ärgern. "Gegen Bayern haben wir es immer gut hingekriegt, dass wir ihre kreativen Spieler rausgenommen haben und ihnen keine großen Räume gegeben haben", sagte der Ungar. "Wir haben eine sehr gute Kondition. Ich erwarte gegen Bayern 120 Minuten und Elfmeterschießen."

Das jedoch wäre nicht nur für das Nervenkostüm des angeschlagenen Rekordmeisters Gift - auch um Kräfte zu sparen, wäre es Kovac recht, das Viertelfinale innerhalb der regulären Spielzeit einzutüten.  

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Spätestens am 19. Februar, das weiß auch der Bayern-Trainer, steht für sein Team die ultimative Nagelprobe an: das Hinspiel des Champions-League-Achtelfinales beim FC Liverpool. "Für den Prozess ist es interessant. Jetzt kommt die Champions League, dann wird man eine richtige Standortbestimmung sehen", sagt Ballack.

Im schlechtesten Fall haben die Bayern bis dahin schon zwei der drei Saisonziele verspielt - im Pokal und in der Meisterschaft, wo es in den beiden nächsten Partien gegen Schalke (9. Februar) und zum FC Augsburg (15. Februar) geht.

Bayerns Lazarett lichtet ich

Im Zweikampf mit Borussia Dortmund sieht nicht nur Ballack den Titelverteidiger im Nachteil. "Bei Bayern wird gearbeitet, bei Dortmund sieht es leichter aus. "Sie haben Spaß am Fußball", sagte Stefan Effenberg im CHECK24 Doppelpass

Ins Bild passt, dass Manuel Neuer wegen einer Handverletzung in Leverkusen aussetzen musste. Dass der Kapitän spätestens gegen Liverpool wieder im Bayern-Kasten steht, davon ist auszugehen. Allerdings ließen die Verantwortlichen Raum für Spekulationen und blieben bei der genauen Verletzung vage. "Ich weiß es, aber ich sag es nicht", verwunderte Sportdirektor Hasan Salihamidzic. 

Am Sonntag war Neuer dann immerhin schon wieder im Training dabei, wenn auch mit Bandage und ohne spezifisches Torwarttraining zu absolvieren. Auch die zuletzt angeschlagenen Thiago, Arjen Robben und Franck Ribery ließen sich wieder auf dem Trainingsplatz blicken. Zumindest als kleiner Lichtblick diente die Rückkehr des Quartetts allemal.