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München - Der FC Bayern ist auf dem Winter-Transfermarkt verbal ungewohnt forsch unterwegs. Die Ergebnisse bleiben aber zu einem Großteil aus.

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Es gibt Sportdirektoren, bei denen am Deadline Day pausenlos das Handy klingelt.

Schalkes Christian Heidel beispielsweise. "Engländer rufen an, die uns ständig irgendwelche Spieler verleihen wollen", erklärte er am Donnerstag auf dem Sportbusiness-Kongress SPOBIS.

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Auch Hasan Salihamidzic wurde kontaktiert, über einen Anruf von der Insel hätte er sich aber womöglich weit mehr gefreut als sein Schalker Kollege. Schließlich hatte er den 18 Jahre alten Flügelspieler Callum Hudson-Odoi vom FC Chelsea zu seinem Wunschspieler auserkoren.

Bayern beteiligt sich nicht am Deadline Day 

Stattdessen war es Karl-Heinz Rummenigge, der sich nach dem aktuellen Stand der Dinge erkundigte. "Ich habe Hasan um 15.30 Uhr gefragt, ob es etwas Neues gibt. Er hat das verneint", berichtete der Bayern-Boss, der wie Heidel in Düsseldorf weilte.

Stimmte zwar nicht so ganz, da die Bayern am letzten Tag des Transferfensters zumindest den Wechsel von US-Talent Taylor Booth für die U19 unter Dach und Fach brachten. Angesichts der Namen, die gehandelt wurden, kommt die Liste der Zugänge dann allerdings doch recht schmal daher.

Bayern blitzt bei Hudson-Odoi ab

Nun muss man wissen, dass die Münchner nicht unbedingt bekannt dafür sind, im Winter auf große Einkaufstour zu gehen. In dieser Wechsel-Periode allerdings ging der Verein in Person von Hasan Salihamidzic durchaus offensiv mit potenziellen Neuzugängen um.

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In Sachen Hudson-Odoi beispielsweise ließ der 42-Jährige nichts unversucht - und hinterließ verbrannte Erde. "Das ist ein sehr interessanter Spieler, den wir unbedingt verpflichten wollen und schon lange beobachten", hatte er im Trainingslager in Katar verlauten lassen. Bei Chelsea wurde das nicht gerade mit Wohlwollen registriert.

"Ich würde jetzt nicht dementieren, dass das offensive Werben in London nicht gut angekommen ist", gab Rummenigge zu, verteidigte aber das Vorgehen seines Sportdirektors. "Man darf nicht vergessen, dass Hasan dem Spieler auch irgendwo ein Zeichen geben musste. Der Spieler musste ja auch ein Signal bekommen, ob Bayern München komplett hinter ihm steht."

So wollte der Spieler dann wohl auch unbedingt nach München, Chelsea allerdings blieb trotz einer angeblichen Offerte von rund 45 Millionen Euro hart, Bayern ging leer aus.

Lucas Hernandez bleibt bei Atletico

Wie auch bei Lucas Hernandez. Der 22 Jahre alte Verteidiger von Atletico Madrid, der sowohl zentral als auch links in der Viererkette agieren kann, stand in München zweifelsfrei auf dem Zettel. Die Verantwortlichen dementierten das Interesse nicht. "Er ist ein interessanter Spieler. Man muss schauen, was möglich ist", berichtete Salihamidzic.

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Offenbar war man sogar bereit, die Ausstiegsklausel in Höhe von 85 Millionen Euro zu ziehen - ohne Erfolg.

Kein Tauschgeschäft mit PSG wegen Rabiot

Inwieweit der deutsche Rekordmeister auch an Adrien Rabiot interessiert war, ist im Gegensatz zu den Personalien Hernandez und Hudson-Odoi nicht verbrieft. Allerdings berichteten sowohl RMC Sport aus Frankreich als auch die Sport Bild, dass Bayern in Person von Salihamidzic ein Angebot für den zentralen Mittelfeldspieler bei PSG hinterlegt habe.

Auch über einen Tausch mit Renato Sanches wurde zwischenzeitlich spekuliert. Bayern-Trainer Niko Kovac bestätigte das Interesse der Franzosen an seinem Mittelfeldspieler, betonte aber, sein Veto eingelegt zu haben.

Anders verhielt es sich bei Sandro Wagner. Kovac hatte anders als Jupp Heynckes zuvor keine Verwendung mehr für den sowohl sportlich als auch charakterlich kantigen Backup für Robert Lewandowski, Wagner wechselte nach China zu Tianjin Teda.

Einen Ersatz verpflichteten die Münchner nach Willen von Kovac nicht, ein Wagnis, wie auch Rummenigge einräumte. "Robert Lewandowski ist seit 2014 bei Bayern München und war, glaube ich, noch nie verletzt. Ich hoffe nicht, dass es in den nächsten Monaten der Fall sein wird", meinte der 63-Jährige.

Davies einziger Winter-Neuzugang

Derzeit nach wie vor verletzt sind derweil die beiden Altmeister Franck Ribery und Arjen Robben. Beide werden zwar bald zur Mannschaft zurückkehren, mit dem 18 Jahre alten Kanadier Alphonso Davies hat Bayern aber bereits im Juli für diese Position vorgesorgt.

Da der Flügelspieler erst seit dem 1. Januar offiziell unter Vertrag steht, haben die Bayern damit zumindest einen hochkarätigen Winter-Transfer auf der Habenseite. Dazu verkündete Salihamidzic im Trainingslager in Katar, dass Benjamin Pavard vom VfB Stuttgart an die Isar wechseln wird - allerdings erst im Sommer.

Jener Sommer dürfte ein entscheidender für den FC Bayern und Salihamidzic werden. Mit Robben und Ribery verlassen zwei Legenden den Klub, Jerome Boateng oder Mats Hummels könnten ihnen folgen. Der viel zitierte Umbruch muss vorangetrieben werden.

Ein Top-Talent holen und einen Bankdrücker abgeben wird dann nicht reichen. Gut möglich, dass Salihamidzic einen erneuten Anlauf bei Hudson-Odoi oder Hernandez nehmen wird.

Auf den unterkühlten Winter dürfte ein heißer Sommer folgen.