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Düsseldorf - Der VfB Stuttgart enttäuscht auch in Düsseldorf und wandelt am Abgrund. Trainer Markus Weinzierl bekommt aber zumindest noch eine Bewährungschance.

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Der angezählte Markus Weinzierl verfolgte die Schlussminuten des Spiels regungslos an der Seitenlinie, nach dem Schlusspfiff schlich er mit hängendem Kopf über den Rasen.

Nach einer desaströsen Vorstellung und einer 0:3 (0:1)-Pleite des VfB Stuttgart bei Fortuna Düsseldorf schweben die Schwaben auf dem Relegationsplatz in höchster Abstiegsgefahr. Ein weiterer Trainerwechsel ist daher nicht ausgeschlossen.

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In der laufenden Woche wird es ihn aber laut VfB-Sportchef Michael Reschke nicht geben. "Markus Weinzierl wird auch gegen Leipzig bei uns auf der Bank sitzen", sagte er am Montag am Rande des Trainings. 

Weinzierl holte als Nachfolger von Tayfun Korkut nur drei Siege in 14 Spielen, der VfB wartet seit sechs Begegnungen (fünf Niederlagen) auf ein Erfolgserlebnis. Die blutleere Vorstellung bei Aufsteiger Düsseldorf war ein Offenbarungseid. In Markus Gisdol, Jürgen Klinsmann und Felix Magath (zuletzt in China bei Shandong Luneng) werden am Cannstatter Wasen bereits prominente Trainernamen gehandelt.

Gisdol käme für den Job durchaus infrage, kommt aus der Stuttgarter Umgebung, trainierte von 2005 bis 2007 die U17 des VfB. 

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Mit der TSG Hoffenheim (2013) und mit dem Hamburger SV (2017) hatte Gisdol zudem in fast aussichtslosen Situationen den Klassenerhalt geschafft. Übergangsweise könnten laut kicker aber auch Co-Trainer Andreas Hinkel und/oder U-19-Coach Nico Willig übernehmen.

Weinzierl: Eigene Zukunft uninteressant

Noch aber ist Weinzierl im Amt. "Wir wollten an die letzte Woche anknüpfen, haben aber die Zweikämpfe nicht so wie der Gegner bestritten", meinte der enttäuschte Coach bei Sky. "Wir konnten uns nicht wehren. Die Mannschaft strotzt aktuell nicht vor Selbstvertrauen. Wir stecken in einer schwierigen Situation und wollen so schnell wie möglich eine Reaktion zeigen."

Die eigene Zukunft "interessiert mich jetzt nicht", erklärte er weiter. Er habe mit Reschke in der Kabine lediglich über das Spiel gesprochen, nicht über das weitere Vorgehen.

"Das war heute der Tiefpunkt. Gegen einen direkten Konkurrenten muss man sich mehr wehren", meinte auch Torhüter Ron-Robert Zieler. Bei den Gästen sah Nicolas Gonzalez wegen einer Tätlichkeit in der Nachspielzeit zu allem Überfluss noch die Rote Karte und wird seinem Team in den kommenden Wochen fehlen. Der Stürmer hatte abseits der Kameras den ihn haltenden Kaan Ayhan mit einem Faustschlag in Boxermanier niedergeschlagen, nach Einsatz des Videobeweises zeigt Schiedsrichter Christian Dingert Rot. (Das Spiel im Ticker zum Nachlesen)

Didavi: "So wird es nicht reichen"

"Wir haben hochverdient verloren. Wir müssen uns bei den Fans entschuldigen, die hierher gekommen sind. Eigentlich müssten wir denen das Geld zurückzahlen, so kannst du nicht auftreten", meinte Daniel Didavi nach der Partie. Der Mittelfeldspieler war dabei den Tränen nahe.

"Wir nehmen uns viel vor. Wir trainieren gut, aber wir bringen es nicht auf den Platz. Wir haben eine mentale Blockade. Wenn wir auf dem Platz so auftreten, haben wir keine Argumente und müssen das schleunigst ändern. Wir müssen uns den Erfolg hart erarbeiten. So wird es nicht reichen, dem müssen wir uns bewusst sein. Wir haben zurecht das Vertrauen verloren", erklärte Didavi. (Service: Der Bundesliga-Spielplan)

Kenan Karaman (33.) mit seinem ersten Saisontreffer, Kapitän Oliver Fink (49.) mit einem Traumtor und der eingewechselte Benito Raman (85.) machten den siebten Saisonsieg des Aufsteigers perfekt, der als Tabellenzwölfter schon zehn Punkte Vorsprung auf die Schwaben hat.

"Das war noch kein entscheidender Schritt, mit 25 Punkten kann man absteigen. Aber der Sieg gibt natürlich Selbstvertrauen", meinte Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel. "Der Klassenerhalt hätte allergrößten Stellenwert, weil uns das keiner zugetraut hatte."

Karaman scheitert am Pfosten

Der Coach, der als Profi und Trainer zusammengerechnet sein 800. Bundesligaspiel bestritt, hatte im Vergleich zum 1:4 im DFB-Pokal auf Schalke gleich auf acht Positionen sein Personal gewechselt. In Marcin Kaminski, Matthias Zimmermann, Jean Zimmer und Kevin Stöger hatte er gleich vier ehemalige Stuttgarter in seiner Startelf aufgeboten.

Karaman, der bei Fortuna als einzige Spitze agierte, hatte bereits in der vierten Minute mit einem Pfostenschuss, allerdings aus Abseitsposition, auf sich aufmerksam gemacht. Fortuna blieb auch in der Folge gefährlich, stand sich aber zunächst im gegnerischen Strafraum einige Male selbst im Weg.

Pavard sieht mehrfach schlecht aus

In der 20. Minute prüfte Zimmermann den beim 0:0 im Hinspiel überragenden VfB-Schlussmann Zieler. Anschließend vergab Dodi Lukebakio vor 40.211 Zuschauern dreimal die mögliche Führung, wobei er in der 31. Minute beinah per Hacke getroffen hätte. (Service: Die Tabelle der Bundesliga)

Der herausragende Lukebakio, der Weltmeister Benjamin Pavard ein ums andere Mal düpierte, war dann aber maßgeblich an der Führung beteiligt, als er Karaman mit einer Maßflanke in Szene setzte und dieser per Kopf vollendete. Der ansonsten starke Zieler war machtlos und der viel zu passive VfB mit dem Resultat zur Pause gut bedient.

Fink gelingt Traumtor

Die Gäste, bei denen Ex-Nationalspieler Mario Gomez aufgrund seiner Gelb-Rot-Sperre fehlte, kamen vor der Pause lediglich durch Gonzalez und Steven Zuber zweimal halbwegs gefährlich vor das Düsseldorfer Tor. In der Offensive fiel den Gästen unter dem Strich aber viel zu wenig ein, um die Fortuna-Defensive ernsthaft in Gefahr zu bringen.

Direkt nach der Pause traten die Gäste zwar etwas engagierter auf, wurden dann aber durch Fink geschockt, dem auf Vorlage von Zimmer ein traumhafter Schlenzer in den Winkel glückte.

Fortuna hatte anschließend die Begegnung wie schon vor der Pause jederzeit im Griff. Lediglich die mangelhafte Chancenverwertung dürfte Funkel ein Dorn im Auge gewesen sein, denn ein deutlich höherer Sieg war angesichts weiterer Hochkaräter von Lukebakio und Zimmermann im Bereich des Möglichen.