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München - Vor dem Spiel von Borussia Dortmund beim 1. FC Nürnberg spricht Ex-Profi Mike Hanke bei SPORT1 über BVB-Coach Lucien Favre und die schwarz-gelbe Krise.

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Keine Frage, Borussia Dortmund steckt in der ersten kleinen Krise der Saison

Seit vier Spielen sind die Schwarzgelben sieglos: 1:1 bei Eintracht Frankfurt, das Pokal-Aus gegen Werder Bremen, das 3:3 gegen die TSG Hoffenheim und nun das bittere 0:3 im Champions League-Achtelfinal-Hinspiel bei Tottenham Hotspur.

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Innerhalb weniger Tage droht die so erfolgreiche Hinrunde mit nur einer Niederlage in Vergessenheit zu geraten. Souveränität und Spielwitz? Fehlanzeige!  

In der Liga beträgt der Vorsprung auf den FC Bayern nach 21 Spielen nur noch fünf Punkte. Heißt: BVB-Trainer Lucien Favre muss schleunigst den Hebel umlegen, um sein Team wieder in die Spur zu bekommen.

Ex-Profi Mike Hanke macht sich auch so seine Gedanken um das Dortmunder Leistungsloch und den Schweizer, unter dem er von 2011 bis 2013 bei Borussia Mönchengladbach spielte. "Unter Favre hatte ich die beste Zeit in meiner Karriere", sagt der 35-Jährige zu SPORT1.   

Vor dem Spiel des BVB beim 1. FC Nürnberg (Bundesliga: 1. FC Nürnberg - Borussia Dortmund ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) spricht Hanke im Exklusiv-Interview über seinen Lieblingstrainer - und glaubt an die Wende. 

SPORT1: Herr Hanke, der BVB-Motor im neuen Jahr stottert gewaltig. Wie sehen Sie die aktuelle Lage in Dortmund?

Mike Hanke: Das sehe ich nicht so kritisch. Lucien hat die Mannschaft im Griff. Bis jetzt spielt Dortmund eine überragende Saison. Das ist nur ein kleines Tief, das Bayern diese Saison auch schon hatte. In der Champions League allerdings werden sie ausscheiden. 

SPORT1: Es gab viele Gegentore in den zurückliegenden drei Spielen. Die Abwehr ist plötzlich das Problem. Warum?

Hanke: Das mag den Anschein erwecken, aber ich weiß, wie Lucien jetzt arbeitet. Er wird fokussiert Defensiv-Arbeit trainieren, so dass sie in den nächsten Spielen wieder weniger Gegentore bekommen. Nach vorne geht bei Dortmund immer was. Das ist einstudiert und der Fokus wird im Training darauf liegen, taktisch defensiv gut zu stehen.

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SPORT1: Dennoch ist erkennbar, dass die Spielfreude weg ist. Wie wird Favre jetzt reagieren?

Hanke: Die Spielfreude ist nicht weg. Ich finde, dass gegen Tottenham mit Mario Götze vorne im Sturm nicht die richtige Wahl getroffen wurde. Ich hätte es mit Jacob Bruun Larsen probiert und Götze dahinter. Die Läufe in die Tiefe haben gefehlt. Wenn Marco Reus und Paco Alcacer zurück kommen, sieht das Ganze schon wieder anders aus. 

SPORT1: Beginnt er in solchen Momenten schnell zu zweifeln? Damals in Gladbach war irgendwann auch ein Punkt erreicht, wo es nicht mehr rund lief, auch jetzt scheint Favre ein Problem zu haben. Wie sehen Sie es?

Hanke: Solange er die Mannschaft erreicht, und das tut er, findet Lucien Lösungen. In Gladbach oder zuvor bei Hertha BSC war dies anscheinend nicht mehr so. 

SPORT1: Damals in Gladbach hat er seine Sachen einfach gepackt, das wird beim BVB noch nicht passieren, dennoch muss irgendwas vorgefallen sein in Dortmund.

Hanke: Wie schon gesagt, es ist für mich nur eine Phase. Dortmund wird die Kurve kriegen. Ich glaube nicht, dass etwas Gravierendes in der Mannschaft passiert ist. Die Profis sind keine Maschinen. Aber selbst Maschinen sind mal defekt. Sie werden repariert und dann funktionieren sie wieder. So wird es auch in Dortmund passieren.

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SPORT1: Wie ist Favre in so einer Negativ-Phase drauf?

Hanke: Noch akribischer als sonst. Ich weiß gar nicht, ob das geht. Der Schlaf wird auf das Minimum reduziert. Er analysiert und schaut wo in den vergangenen Spielen Fehler passiert sind. Diese spricht er an und korrigiert sie im Training.

SPORT1: Wie wirkt er auf das Team ein? Können Sie ihn mit Ihrer Erfahrung erklären?

Hanke: Am meisten spricht er auf dem Trainingsplatz und bei der Videoanalyse. Auf dem Platz stellt er die Spieler so hin, wie er sich das vorstellt. Er zeigt ihnen Laufwege und erklärt ihnen, warum das wichtig ist. Favre nimmt sich dann den einen oder anderen Spieler zur Seite und erklärt ihm detailliert, was er zu tun hat.

SPORT1: Wie kommt Favre da wieder raus, wie ist er als Motivator? 

Hanke: In der Mannschaftsansprache ist er nicht wirklich der Motivator. Er macht das lieber im Einzelgespräch mit den Spielern. Aber mal ganz ehrlich: Dortmund hat die Chance Deutscher Meister zu werden. Wer da nicht motiviert ist, sollte aufhören Fußball zu spielen.

SPORT1: Glauben Sie, dass der BVB die Kurve kriegt und noch Meister wird? 

Hanke: Ich glaube, dass sie die Kurve bekommen, aber ich hoffe, dass Gladbach Deutscher Meister wird. Ich hoffe immer noch darauf, dass es am letzten Spieltag zum Endspiel zwischen Dortmund und Gladbach kommt. Nur bitte nicht die Bayern...

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