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München - 2013 war Javi Martinez ein Erfolgsgarant beim Triple-Gewinn. Aktuell durchlebt der Baske unter Niko Kovac seine sportlich schwierigste Zeit beim FC Bayern.

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Zum Jahreswechsel bedankte sich Javi Martinez bei seinen Fans für die tolle Unterstützung.

Versehen war die Grußbotschaft auf Instagram mit einem Bild. Es ist schon ein etwas älteres Foto, schließlich trägt Martinez darauf noch das Bayern-Trikot der Vorsaison.

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Die Aufnahme zeigt einen nachdenklich klatschenden Martinez, sein Blick strahlt eine gewisse Wehmut aus. Fast wirkt es so, als sehne sich der Baske nach den für ihn erfolgreicheren Zeiten im alten Trikot der Münchner.

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Allzu viele Bilder jüngeren Datums von Martinez in Aktion gab es schließlich auch nicht.

Immerhin: Beim Hinrundenfinale, dem 3:0-Erfolg bei Eintracht Frankfurt, war Martinez mal wieder mittendrin, stand 90 Minuten auf dem Platz. Es war sein erster Startelf-Einsatz seit dem 24. November. Das 3:3 gegen Fortuna Düsseldorf gilt rückblickend als Tiefpunkt der Bayern-Krise - und als Wendepunkt.

Auch für Martinez. Aber während die Bayern anschließend eine Siegesserie starteten, war der 30-Jährige plötzlich außen vor.

Martinez: Opfer der neuen Taktik

Mit dem Champions-League-Spiel gegen Benfica Lissabon setzte Trainer Niko Kovac auf eine veränderte taktische Grundordnung: 4-2-3-1 statt 4-1-4-1. Doppelsechs statt alleiniger Abräumer im defensiven Mittelfeld. Personell hieß das aber auch: Joshua Kimmich und Leon Goretzka statt Javi Martinez.

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"Es war schon ein sehr wichtiger Punkt, dass wir uns entschieden haben, dass wir die Mitte unbedingt schließen müssen. Die Gegner erwarten uns meist tief und versuchen, bei Ballgewinn schnell in die Tiefe zu spielen", sagte Kovac unlängst im Interview auf der Klub-Webseite.

Kovac nennt Martinez nicht namentlich, schließlich lässt sich die defensive Anfälligkeit während der Münchner Schwächeperiode in der Hinrunde nicht allein am 18-maligen spanischen Nationalspieler festmachen. Zumal er bei zwei der drei Niederlagen in der ersten Saisonhälfte gar nicht auf dem Platz stand.

Doch die von Kovac angesprochenen Probleme im Umschaltspiel von Offensive auf Defensive betreffen eben auch Martinez' Defizite. Vor allem in puncto Schnelligkeit hatte er im Vergleich mit seinen Gegnern zunehmend das Nachsehen.

Zwar kann Martinez nach wie vor mit Zweikampfstärke punkten, aber in Sachen Spieleröffnung hat das Duo Kimmich/Goretzka ihm inzwischen den Rang abgelaufen. "Die Umstellung hatte zudem den Effekt, dass wir unsere starken Außenspieler besser ins Spiel gebracht haben", sagt Kovac.

Rotationsstopp schwächt Martinez' Position

Der zu Beginn der Siegesserie ausgerufene Rotationsstopp schwächte Martinez' Status zusätzlich. Im letzten Spiel vor der Winterpause rutschte er nur aufgrund des verletzungsbedingten Ausfalls von Goretzka in die Anfangsformation. In den sechs Pflichtspielen davor kam Martinez auf magere zwei Einsatzminuten.

Der Triple-Gewinner von 2013, der damals als Chef im zentralen defensiven Mittelfeld unter Jupp Heynckes zu einem Garanten des Erfolgs wurde, ist mittlerweile beim Rekordmeister nicht mehr unersetzlich.

Und das ausgerechnet nachdem Martinez in der Vorsaison nach Heynckes' Rückkehr und der damit verbundenen Rückversetzung auf seine Lieblingsposition vor der Abwehr eine Renaissance erlebte. Nach dem Abgang von Arturo Vidal zum FC Barcelona im Sommer galt Martinez eigentlich als gesetzt auf der Sechs.

Aber auch zu Saisonbeginn saß der Weltmeister von 2010 in der Bundesliga häufiger nur auf der Bank. Zunächst erhielt Thiago vermehrt den Vorzug als Sechser, dann kam mit der Versetzung von Kimmich auch noch unerwartete Konkurrenz auf seiner Position hinzu.

Da Kovac zuletzt in der Innenverteidigung auf das eingespielte Duo Jerome Boateng und Niklas Süle setzte, ist auch eine erneute Versetzung Martinez' ins Abwehrzentrum aktuell keine Option.

Neues Jahr, neue Chance?

Der Baske kam 2012 für die damalige Rekordsumme von 40 Millionen Euro von Athletic Bilbao und spielt aktuell seine siebte Saison bei den Bayern, für zwei weitere Spielzeiten besitzt er noch einen Vertrag. Er und seine Familie fühlen sich in München "dahoam", sagte Martinez im Sommer im SPORT1-Gespräch und fügte frohen Mutes an: "Hoffentlich können wir hier länger bleiben."

Doch der für Sommer angekündigte große Umbruch an der Säbener Straße könnte auch Martinez treffen. Schließlich wird die Konkurrenz im zentralen Mittelfeld kaum kleiner werden. Der einstige Rekordtransfer könnte zu den Verkaufskandidaten gehören.

Zumindest ist der leidgeprüfte Defensiv-Allrounder in der kompletten Hinrunde verletzungsfrei geblieben. Beste Voraussetzungen, um in der Vorbereitung auf die Rückrunde im internen Konkurrenzkampf noch mal anzugreifen.

Ansonsten bleibt Martinez wohl nur noch der wehmütige Blick auf erfolgreichere Zeiten.