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Doha - Die Steak-Affäre um Franck Ribery ist im Trainingslager der Bayern Thema Nummer 1. Wie folgenschwer ist der Skandal? SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Eigentlich wollte der FC Bayern sich im Trainingslager in Doha in Ruhe auf die Meister-Aufholjagd vorbereiten. Stattdessen sind nun ein goldenes Steak und seine Folgen das Gesprächsthema Nummer 1.

Nach einer obszönen Entgleisung von Franck Ribery gegen seine Kritiker hat der FC Bayern eine "sehr hohe" Geldstrafe für den Franzosen angekündigt.

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Ribery selbst richtete am Sonntagabend den Blick nach vorne, doch ist der kuriose Skandal damit auch abgehakt? SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen:

- Wie hoch ist die Geldstrafe?

Philipp Lahm bekam 2009 eine Strafe in Höhe von schätzungsweise 50.000 Euro aufgebrummt, weil er der Süddeutschen Zeitung ein kritisches Interview gab und dieses nicht beim Verein anmeldete. Bis heute gilt sie als Rekordstrafe.

Zur Höhe der Ribery-Strafe machte Bayern keine Angaben, auch aufgrund der jüngsten Vorkommnisse rund um seine Handgreiflichkeiten gegen einen französischen TV-Journalisten Anfang November, wird er nicht viel milder abgestraft werden.

Verkraften wird er es dennoch: Sein leistungsbezogener Vertrag soll dem 35-Jährigen pro Jahr noch immer einen zweistelligen Millionenbetrag einbringen.

- Drohen Ribery weitere Konsequenzen? 

Vorerst nicht. Der Franzose trainierte bereits am Sonntag wie angekündigt mit der Mannschaft, wird dies auch weiterhin tun. Da die Bosse um Präsident Uli Hoeneß und Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge zuletzt klarmachten, Salihamidzic zu stärken, ist davon auszugehen, dass dessen Mitteilung vom Sonntagmittag zählt.

Heißt: Ribery droht auch nach der Rückkehr nach München keine Suspendierung, es bleibt bei der Geldstrafe. Zudem steht Ribery unter dem besonderen Schutz von "Ziehvater" Hoeneß. 

- Warum rastete Ribery derart aus?

Riberys Kritik richtet sich vor allem an französische Medien und Journalisten, mit welchen er im Dauerclinch liegt. Seit Jahren berichten sie detailliert über seine Eskapaden.

In seinem Heimatland empfängt er generell nicht annähernd die Wertschätzung, die er aus München gewohnt ist. In Frankreich hängt ihm vor allem nach, dass er bei der WM 2010 an einem Trainingsboykott beteiligt war, für schlechte Stimmung sorgte.

Häme und Beleidigungen, die in den sozialen Medien gegen ihn und sein privates Umfeld gerichtet wurden, taten ihr Übriges. Salihamidzic strich heraus, dass auch Riberys hochschwangere Frau Wahiba öffentlich attackiert wurde.

Völlig schlüssig sind die Ausbrüche der Riberys jedoch nicht: Wahiba Ribery beklagte, "dass ihr uns bis in die Küche verfolgt" - dabei hatte ihr Mann selbst das Bildmaterial über seine Accounts verbreitet.

- Belastet die Mannschaft der Ribery-Ärger?

Thomas Müller beteuerte am Sonntag, dass das Thema für die Mannschaft "nicht wirklich relevant" sei. Wobei er im selben Atemzug zugab, dass "es im Trainingslager nicht so einfach ist, das Thema so zu verdrängen".

Fakt ist: Die Steak-Affäre ist zum Topthema des Wintertrainingslagers in Doha geworden und beschäftigt natürlich auch die Teamkollegen. Unmittelbare Auswirkungen auf dem Platz waren aber nicht zu beobachten: Die Trainingsintensität beeinflusste das Ribery-Theater am Sonntag jedenfalls nicht. Sie war genauso hoch wie am Vortag.

Ribery selbst war der Trubel um seine Person beim Vormittagstraining am Sonntag nicht anzumerken.

- Hat Ribery in der Mannschaft an Ansehen verloren?

Auch gegen diesen Eindruck steuerte Müller an. "Wir wissen, dass Franck ein absoluter Mannschaftsspieler ist", sagte er - und führte aus: "Wenn er sich angegriffen fühlt, ist es natürlich schon des Öfteren vorgekommen, dass er sich um alles auf der Welt verteidigt - auch mit Mitteln, die vielleicht für andere durchaus überzogen sind. Er selbst sieht das vielleicht anders, weil er das auch anders fühlt."

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Manuel Neuer meinte, man solle aus den Posts des Franzosen "keine Debatte machen. Für uns Spieler ist die Frage, wie er trainiert und spielt und sich auf dem Platz gibt. Wenn ich sehe, wie er hier arbeitet und wie er gegen Frankfurt gespielt hat, gibt es keine Zweifel. Für mich ist das Entscheidende, was er für die Mannschaft macht."

Die Mitspieler nehmen "ihren" Franck anscheinend so, wie er ist. Handzahm, lustig, aufbrausend - der Franzose ist vieles und hat innerhalb des Vereins einen Sonderstatus, auch bei den Kollegen.

Selbst Arjen Robben verzieh ihm, dass er von Ribery 2012 in der Kabine einen Schlag bekam, von dem der Holländer sogar ein Veilchen davontrug. Heute sind sie gut befreundet, geben sich bei Ein- und Auswechslungen sogar Küsschen auf die Wange.

Am Sonntag gab es auch keine Anzeichen einer Irritation innerhalb der Mannschaft: Ribery witzelte mit Renato Sanches und Javi Martinez, ließ sich von Robert Lewandowski einen Trick zeigen, umarmte Rafinha, neckte Neuer. Am Sonntagabend twitterte er die Schnappschüsse seiner Späßchen mit den Kollegen.

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Auch Trainer Niko Kovac hält viel von Ribery, lobt dessen Einstellung auch stets in den höchsten Tönen. Ribery in Topform ist zudem immer noch zu wichtig, um ihn dauerhaft auf die Bank oder gar auf die Tribüne zu verbannen. Er wird auch in der Rückrunde ein wichtiger Bestandteil im Kader der Münchner sein.

- Hat die Steak-Affäre Einfluss auf Riberys Zukunft?

Zugeben wird es niemand, aber es ist sehr wahrscheinlich. Sein Vertrag läuft im Sommer bekanntermaßen aus, die Bayern planen zudem den Umbruch.

Zwar haben sich die Bayern noch nicht konkret zu Riberys Zukunft geäußert. Seine jüngsten Eskapaden dürften für eine weitere Vertragsverlängerung, trotz zuletzt starker, sportlicher Leistungen, aber nicht förderlich gewesen sein.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass Ribery seine letzte Rückrunde im Dress des FC Bayern bestreitet.

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