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Doha - Alphonso Davies macht in Doha seine ersten Schritte beim FC Bayern. Die Mitspieler schwärmen, auch Deutsch lernt er schon. Noch liegt aber viel Arbeit vor dem 18-Jährigen.

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Mit einem freundlichen "Hey Guys" und einem strahlend weißen Lächeln betrat Alphonso Davies am Dienstagmittag den Raum des Mannschaftshotels, in welchem er wenig später seine erste Interviewrunde als Profi des FC Bayern abhielt.

Seine Zahnspange, die der 18-jährige Winterneuzugang aus Vancouver noch im vergangenen Sommer trug, ist mittlerweile Geschichte. Davies, der 19-Millionen-Einkauf, soll für eine glänzende Zukunft der Münchner stehen.

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Die persönlichen Ziele des Flügelstürmers (Spitzname "Phonzie") klingen aber erstmal bescheiden.

"Ich möchte so viel wie möglich von den anderen, erfahrenen Spielern lernen und hoffentlich kann ich jedes Spiel so angehen, als wäre es mein letztes", erklärte er: "Wenn ich auf den Platz gehe, dann möchte ich nicht zögern, sondern abliefern", erklärte Davies. Am liebsten schon zum Rückrundenstart gegen die TSG Hoffenheim am 18. Januar (Bundesliga: TSG Hoffenheim - FC Bayern, 20.30 Uhr im LIVETICKER).

So schlägt sich Davies in Doha

Abliefern konnte er im Wintertrainingslager in Doha bisher noch nicht in Gänze. Dem kanadischen Nationalspieler ist anzumerken, dass er beim Rekordmeister Zeit brauchen wird.

Auf dem Platz der Aspire Academy wirkte er bislang ruhig, fast schüchtern. Eins-gegen-Eins-Situationen, seine große Stärke, suchte er noch nicht regelmäßig. Dafür zeigte er bereits, dass er einen guten Torabschluss hat.

Noch versuchte es Davies dieser Tage aber bevorzugt mit klareren, unauffälligeren Aktionen. Sicherheit statt Risiko. Zudem war ihm anzumerken, dass er sich auch an die neue Zweikampfhärte gewöhnen muss - und an den Umstand, dass er mit dem Ball am Fuß fortan weniger Zeit haben wird, als er es aus der MLS gewöhnt ist.

"Das Spieltempo hier ist natürlich viel höher. Kein Spieler kann so schnell laufen, wie hier der Ball rollt. Man muss deshalb im Kopf viel schneller sein", erklärte Davies. Auch das Training sei "komplett anders", betonte er. Er spiele jetzt aber mit vielen "Top-Spielern" zusammen. Das von ihnen Erlernte wolle er dann "im Spiel umsetzen".

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Müller: "Sein linker Fuß ist sehr gut"

Zuhören. Lernen. Demütig sein. Eigenschaften, die seine Mitspieler an ihm schätzen. Denn egal, mit wem man sich über Davies unterhält, sie alle kommen ins Schwärmen.

Auch Niko Kovac, der Davies im Training Kommandos auf Englisch gibt. "Er ist ein sehr talentierter Spieler und hat ein Riesen-Potenzial. Er muss jetzt versuchen, so schnell wie möglich die Sprache zu lernen. Er hat sich aber gut integriert und ist ein netter, junger Mann", sagte der Trainer.

Auffällig ist bei Davies vor allem seine Physis. Im Vergleich zu den ebenfalls mitgereisten 19-jährigen Nachwuchskräften Woo-yeong Jeong, Meritan Shabani und Jonathan Meier ist Davies körperlich viel weiter. Vor allem in puncto Beinmuskulatur.  

"Er ist jetzt kein Panzerknacker, aber er ist schon mit einer guten Bauchmuskulatur gesegnet", scherzte Thomas Müller. Der Bayern-Routinier analysierte: "Sein linker Fuß ist auch sehr gut. Man wird sehen, wie er sich im Spielbetrieb auf höherem Niveau und im taktischen und im mentalen Bereich zurechtfindet. Bisher ist er auf jeden Fall ein überdurchschnittlich talentierter 18-Jähriger. Überdurchschnittlich explosiv, antrittsstark und kräftig."

Auch Niklas Süle ist von Davies' Qualitäten überzeugt. "Dass er aber noch ein bisschen Zeit braucht, um sich einzugewöhnen, ist klar", betonte der Innenverteidiger. "Ich denke aber, dass er durchaus die Qualität hat, uns kurz- und langfristig zu helfen."

Davies erklärt: Darum ging ich zu Bayern

Einen großen Anteil am Davies-Transfer hatte bekanntermaßen Hasan Salihamidzic. Höchstpersönlich reiste der Sportdirektor im vergangenen Jahr nach Vancouver und überzeugte den damals 17-jährigen von dem Wechsel nach München."„Ich war aufgeregt. Er hat auf mich bei unserem ersten Treffen einen guten Eindruck gemacht, war sehr zuvorkommend und hat eine positive Energie ausgestrahlt, hat viel gelacht", erinnerte sich Davies.

Warum er sich trotz zahlreicher anderer Angebote für die Münchner entschied und einen Vertrag bis 2023 abschloss? "Bayern ist ein großes Team, außerdem gefällt mir die Spielweise. Bayern lässt den Ball gerne laufen und spielt attraktiven Fußball. Ich konnte mir vorstellen, dass ich gut in dieses Team passe", so Davies.

Im Flüchtlingscamp in Ghana geboren

Mit dem Wechsel sei für ihn "ein Traum wahr geworden". Davies erzählte mit leiser Stimme: "Meine Eltern stammen aus sehr schwierigen Verhältnissen und heute spiele ich für einen der besten Klubs der Welt. Das ist überragend und treibt mir Tränen in die Augen."

2000 wurde er in einem Flüchtlingscamp in Ghana geboren wurde, zuvor flohen seine Eltern vor dem Bürgerkrieg in Liberia. 2005 emigrierte er mit seinen Eltern nach Kanada. Kurz darauf zog die Familie von Toronto nach Edmonton.

Davies lernt schon Deutsch

Damit Davies die Eingewöhnung in die neue Kultur in einem völlig fremden Land leichter fällt, bemüht sich Bayern sehr um seine schnelle Integration. Davies nimmt bereits Deutschunterricht.

Die Sprache sei zwar noch ein bisschen schwer, aber er ist stolz, dass er mit der Aussprache der bayrischen Klassiker "Servus", "Mia san mia" und "Wie geht's?" bereits vertraut ist. Zudem stellen ihm die Münchner in Johannes Mösmang einen jungen Mitarbeiter zur Seite, der Davies auch im Privatleben unterstützt.

Salihamidzic betonte dieser Tage, dass man mit seinem Wunschtransfer Geduld aufbringen müsse. Davies, so scheint es, ist aktuell kein Spieler der Marke "Soforthilfe", sondern eher ein Transfer mit erhoffter Langzeitwirkung.

Davies spricht über sein Bayern-Idol

Auch der Youngster selbst will sich nicht gleich unter Druck setzen lassen. Er verspüre auch keinen, beteuerte Davies: "Ich bin mir nicht sicher, wie lange es dauert, bis ich angekommen bin. Jetzt will ich erst einmal in den Trainingseinheiten alles geben."

Und sich dabei viel von seinem Vorbild abschauen: Thiago. Auch von seinen Konkurrenten Franck Ribery und Arjen Robben ("Sie sind hervorragend") schwärmte er. Der spanische Edeltechniker im Münchner Mittelfeld hat es ihm aber besonders angetan.

"Er ist ein Top-Athlet und ein Top-Profi. Er ist sehr inspirierend für mich. Als ich ihn zum ersten Mal habe spielen sehen, war er noch bei Barcelona. Thiago hat technisch außergewöhnliche Fähigkeiten, er kontrolliert den Ball. Er lässt alles ganz leicht aussehen."

Leicht wird es für Davies beim FC Bayern auch aufgrund seiner hochkarätigen Konkurrenz gewiss nicht. Kaum jemand zweifelt aber daran, dass er den Durchbruch bei den Bayern schafft. Die Frage ist nur, wann.