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München und Dortmund - Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspielerabteilung in Dortmund, gibt bei SPORT1 Einblicke in die Arbeit mit Coach Lucien Favre. Er schwärmt, auch wenn es mal anstrengend sein kann.

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Was haben sie bei Borussia Dortmund im Sommer an den Stellschrauben gedreht: Im Kader gab's den großen Umbruch, Ex-Kapitän Sebastian Kehl wurde als Leiter der Lizenzspielerabteilung geholt. Dazu kam auch noch Matthias Sammer als externer Berater, um das langjährige Führungsteam aus Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc zu unterstützen.

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Die wohl wichtigste Klub-Personalie allerdings war die Verpflichtung von Lucien Favre als neuem Trainer. Jenem Fußballlehrer, dem der Erfolg wie bei seinen vorherigen Trainerstationen nachzulaufen scheint - wie auch der aktuelle Höhenflug beim BVB belegt, der sich am Wochenende mit dem beeindruckenden 5:1 gegen Hannover 96 fortsetzte.

Jenem Favre aber auch, der als kompliziert und eigenwillig gilt, eigenbrötlerisch und kauzig, der als Typ schwer in ein Schema zu pressen und im Umgang bisweilen schwierig ist. 

Kehl: Diskutieren jeden Tag mit Favre

"Na klar, wir diskutieren jeden Tag. Aber er versteht mich, und ich verstehe ihn. Wir haben ein großes Vertrauensverhältnis zueinander aufgebaut", erklärte Kehl im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1. "Und es ist ja auch nicht seine erste Trainerstation in Deutschland. Deswegen wussten wir ja auch, wen wir da holen und welche Stärken er hat."

Seine Stärken, die Mannschaft nahezu überall besser zu machen und mit ihr der ersehnten Meisterschaft immer näher zu kommen, hat der Trainer seit seinem Amtsantritt im Juli 2018 eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Nach wie vor beträgt der Vorsprung auf Verfolger FC Bayern komfortable sechs Punkte. (Service: Tabelle der Bundesliga)

Das Zusammenspiel der Achse Favre-Watzke-Zorc-Kehl funktioniert in der Außenwahrnehmung bestens.

"Dass er akribisch und detailversessen ist, nehme ich bisher nur positiv wahr", verriet Kehl. "Aber das verlangen wir auch von ihm, weil er von diesem Standpunkt aus die Mannschaft weiterentwickelt. Vielleicht hat uns in diesem Bereich im letzten Jahr so ein bisschen der Plan gefehlt, vielleicht auch die richtige Ansprache." Diese Fachkompetenz gebe Favre nun vor, "das ist sein Merkmal".

Kehl: Manchmal auch anstrengend mit Favre 

Dass Favre im Umgang durchaus schwierig sein könne, wie es aus Gladbach und Nizza zu vernehmen war, schlägt beim BVB bislang jedenfalls nicht durch: "Ich weiß nicht, wie das in der Vergangenheit konkret war. Natürlich diskutiert man, und ein Trainer hat seine persönliche Vorstellung in Sachen Kaderplanung. Aber ich glaube, wir haben die Dinge ganz gut geregelt", meinte Kehl.

Favres Eigenheiten, manchmal sprunghaft und von Selbstzweifeln geplagt zu agieren, dürften den BVB-Bossen trotzdem nicht verborgen geblieben sein - doch im gegenwärtigen Höhenflug können sie sehr gut damit leben.  

"Das mag auch manchmal anstrengend sein", gab Kehl zu. "Aber das muss ein Trainer auch sein. Weil ein Trainer eine ganz wichtige Position ist. Er hat eine sehr exponierte Stellung und muss deshalb auch ein spezieller Typ sein. Wir haben ihm unser Herz geschenkt, es herrscht komplette Offenheit. Er erhält jede Unterstützung. Das hat er wohlwollend aufgenommen, und diese Atmosphäre im Klub braucht er auch."

Diese Unterstützung spürt Favre insbesondere durch die Position Kehls. "Ich versuche, ihm jeden Tag einen Mehrwert zu liefern, indem ich mir das Training anschaue und ein Gefühl für ihn bekomme", beschrieb der Vize-Weltmeister von 2002. "Er ist fokussiert auf den Fußballplatz. Ich wiederum versuche, ihm drumherum ein paar Dinge abzunehmen, ihn zu sensibilisieren und ihm Hilfestellung zu geben."

Kehl: Favre stellte sich mit Taktiktafel vor

Und das noch möglichst lange, wenn es nach den Dortmundern geht - das war Kehl bereits nach der ersten Begegnung mit Favre (Vertrag bis 2020, Anm. d. Red.) klar: "Wir haben zum ersten Mal im Sommer geredet und uns ausgetauscht. Er hat uns eine Philosophie präsentiert und damit ziemlich beeindruckt. Die Taktiktafel hatte er übrigens auch dabei - es war ihm wichtig aufzuzeigen, wie er unseren Kader sieht und spielen lässt."

Favre ist nun sieben Monate in Dortmund. Beeindruckt sind die Borussen von ihm immer noch.

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