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München - Der VfB Stuttgart muss gegen den FC Bayern trotz ansprechender Leistung den nächsten Nackenschlag hinnehmen. Hoffnung macht das Debüt des 18-jährigen Ozan Kabak.

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70 Minuten lang hatte der VfB Stuttgart beim FC Bayern an der Sensation geschnuppert, 20 Minuten später stand dennoch eine bittere 1:4-Niederlage. "Es war ein gutes, engagiertes Spiel von uns. Wir waren mutig und haben die Bayern geärgert", sagte Torhüter Ron-Robert Zieler nach dem Spiel.

Klar ist aber auch: Den Start in die Rückrunde mit der 2:3-Pleite im Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 und der Klatsche in München hat man sich im Schwabenland definitiv anders vorgestellt. (Service: Spielplan der Bundesliga)

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Zwar liegt der VfB mit 14 Punkten im Schneckenrennen um den Kampf gegen den Abstieg noch auf dem Relegationsplatz. Die Chance, sich von der ebenfalls kriselnden Konkurrenz abzusetzen wurde jedoch verpasst. (Service: Tabelle der Bundesliga)

VfB vor "richtungsweisenden" Aufgaben

In den kommenden beiden Wochen hat der fünfmalige Deutsche Meister mit dem Heimspiel gegen den SC Freiburg und dem Auswärtsspiel bei Fortuna Düsseldorf zwei Spiele gegen Teams aus der unteren Tabellenregion vor sich.

"Natürlich sind wir uns der Wichtigkeit bewusst. Das sind zwei richtungsweisende Spiele, und das weiß die Mannschaft auch", erklärte Zieler, der aber auch anmerkte: "Die nächsten zwei Wochen kann man weder definitiv absteigen noch die Liga halten."

Mit den zweitmeisten Gegentoren (35) ging der VfB in die Winterpause, im neuen Jahr musste mit sieben Gegentoren sogar keine Mannschaft öfter zusehen, wie der Gegner jubelt. "Jedes Gegentor tut weh, und wir kriegen aktuell zu viele. Das ist ärgerlich", erklärte der sechsmalige Nationalkeeper.

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Kempf mit simplem Plan im Abstiegskampf

Innenverteidiger Marc-Oliver Kempf scheint bereits einen Plan zu haben, wie die Gegentorflut gestoppt und die Wende eingeleitet werden soll: "Wir müssen hinten kompakt stehen und einfach hoffen, dass wir vorne ein Tor mehr machen als der Gegner", so der 24-Jährige.

Helfen, dass der inhaltlich so simpel scheinende Plan auch auf dem Platz umgesetzt wird, soll auch Ozan Kabak, der gegen die Bayern in Abwesenheit der verletzten Benjamin Pavard und Timo Baumgartl sein mit Spannung erwartetes Debüt für die Schwaben gab.

"Er bringt für sein Alter schon eine ordentliche Robustheit mit und kann mit dem Ball auch ein bisschen was. Ich sehe da in der Zukunft gute Dinge für ihn", schwärmte Kempf von seinem neuen Partner in der Innenverteidigung.

Weinzierl mit Riesenkompliment für Kabak

Auch Trainer Markus Weinzierl sparte nicht mit Lob für den U18-Nationalspieler der Türkei: "Er hat ein gutes Spiel gemacht. Es ist nicht einfach, wenn du erst drei, vier Tage bei einer Mannschaft bist. Wahrscheinlich kennt er noch nicht einmal alle Namen, aber er hat es trotzdem sehr, sehr gut gemacht gegen Lewandowski. Hier in München auf diese Weise sein Debüt zu feiern, ist ein Riesenkompliment für einen 18-Jährigen wert."

Tatsächlich wirkte Kabak bei seinem ersten Auftritt im VfB-Trikot sehr ruhig und abgeklärt in seinen Aktionen. Zweimal klärte er in höchster Not gegen Robert Lewandowski und Kingsley Coman, bei den Gegentoren trifft ihn mit viel Missgunst maximal beim Treffer von Leon Goretzka zum 1:3 eine Teilschuld.

Die Daten unterstreichen die gute Leistung des Stuttgarter Rekordneuzugangs, der für elf Millionen Euro von Galatasaray Istanbul an den Neckar wechselte. Mit dem Bestwert von 62 Prozent gewonnener Zweikämpfen, ist er einer von nur drei VfB-Spielern, die eine positive Zweikampfquote aufweisen konnten – zum Vergleich: Kempf gewann gerade einmal 38 Prozent seiner Duelle um den Ball.

Zieler dämpft die Erwartungen

Auch wenn die ersten 90 Minuten von Kabak - laut Reschke "eines der vielversprechendsten Abwehr-Talente in Europa" - aufgezeigt haben, dass der große Hoffnungsträger der bröckeligen VfB-Defensive Stabilität verleihen kann, versuchte Zieler Druck von den Schultern des 18-Jährigen zu nehmen:

"Jetzt warten wir mal ein wenig ab. Dass er Qualitäten hat, haben wir gesehen. Aber um sich in der Bundesliga dann zu etablieren, braucht es ein bisschen mehr. Doch ich traue es ihm definitiv zu. Der Start war schon sehr ordentlich."

Der Beginn des Kapitels VfB Stuttgart ist für Kabak also durchaus gelungen. Inwieweit das Juwel mit Vertrag bis 2024 dem VfB "auch in der Rückrunde schon entscheidend weiterhelfen" kann, wie Reschke prophezeite, wird sich vielleicht schon in den kommenden beiden Schlüsselspielen zeigen.

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