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Sinsheim - Ein starker Leon Goretzka führt den FC Bayern München zum Sieg bei der TSG Hoffenheim. Der Sieg steht bis kurz vor Schluss jedoch auf wackligen Füßen.

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Nach seinem Doppelpack, mit dem er den FC Bayern zum 3:1-(2:0) Sieg bei der TSG Hoffenheim geführt hatte, war Leon Goretzka vor den Mikrophonen bei weitem nicht so angriffslustig - im Gegensatz zu seinem Trainer. 

"Dortmund hatten wir nicht im Hinterkopf, wir wollten nur gut in die Rückrunde starten", sagte der frühere Schalker im ZDF und ließ sich keine verbalen Angriffe auf den Tabellenführer entlocken. Niko Kovac hatte diesbezüglich keine Vorbehalte: "Wir waren neun Punkte hinten, jetzt sind es drei. Wir wollen irgendwann vorbei, am Ende wollen wir oben sein."

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Nach Bayerns glänzendem Start in die Rückrunde hat Kovac allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken. "Die erste Halbzeit war sensationell, das ist unser Anspruch. Wir sind gut in die Rückserie gestartet und haben Druck aufgebaut. Die Bundesliga wird langsam wieder interessant."

In der Tat war das 3:1 ein echtes Statement des FC Bayern. der damit die Jagd auf Tabellenführer Borussia Dortmund eröffnete. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

Bayern steckt im Stau

Der streckenweise bärenstarke Rekordmeister verkürzte den Rückstand auf Borussia Dortmund erst einmal auf drei Punkte. Der BVB spielt am Samstag (ab 18.30 Uhr im LIVETICKER) im Spitzenspiel bei RB Leipzig. (Service: Die Tabelle der Bundesliga)

Goretzka (34. und 45.+1) und Torjäger Robert Lewandowski (87.) trafen für die Münchner, die erstmals seit 2011 nicht als Spitzenreiter in die zweite Saisonhälfte gingen. Für die Bayern war es der sechste Sieg in Folge, zuletzt hatten sie zweimal hintereinander ihre Gastspielen in Sinsheim verloren. Dagegen kassierten die Kraichgauer, die den erneuten Einzug in die Champions League anstreben, die erste Niederlage nach zehn Partien ohne Pleite. Daran änderte auch das Tor von Nationalspieler Nico Schulz (59.) nichts. (Service: Ergebnisse und Spielplan)

TSG-Torschütze Schulz war mit der ersten Hälfte alles andere als zufrieden: "Wir haben von der Mentalität her zwei verschieden Halbzeiten gehabt." (Die Stimmen zum Spiel)

Die Anreise der Bayern war zuvor nicht ohne Probleme verlaufen. Das Team und Trainer Niko Kovac, der vor der Partie noch nie als Trainer in Sinsheim gewonnen hatte, kamen wegen eines Staus erst rund eine Stunde vor dem Anpfiff am Stadion an.

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"Es ist schon wichtig, sich nicht vorher zu ergeben, wenn der rote Bus einfährt", hatte Hoffenheims scheidender Trainer Julian Nagelsmann, der zum 100. Mal in der Bundesliga an der Seitenlinie stand, passend dazu vor dem Spiel gesagt: "Wir sind in der Lage, auch Bayern München wehtun zu können."

Joachim Löw unter den Zuschauern

Vor 30.150 Zuschauern in der ausverkauften Sinsheimer Arena lief bei beiden Mannschaften zu Beginn nicht alles rund. Dennoch erspielten sich die Bayern, die ohne Franck Ribery, Arjen Robben und Corentin Tolisso auskommen mussten, unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw in der 10. Minute die erste Chance. Die Direktabnahme von Lewandowski verfehlte ihr Ziel nur knapp.

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Die Hoffenheimer waren zwar extrem offensiv aufgestellt, brachten nach vorne zunächst aber kaum etwas zustande. Die Mannschaft Nagelsmanns, der in der nächsten Saison Leipzig trainieren wird, wurde von den Gästen in die Defensive gedrängt. Auch Konter funktionierten nicht.

Thomas Müller hätte in seiner typischen "Wühler-Manier" aus kurzer Distanz fast die FCB-Führung erzielt (19.). Kurz darauf waren es Mats Hummels nach einer Ecke (28.) und erneut Müller (29.), die die längst fällige Führung auf dem Fuß hatten. Von der TSG kam so gut wie nichts. Goretzka brachte mit seinen beiden Toren die deutliche Überlegenheit dann doch noch vor der Pause auf die Anzeigetafel.

Nagelsmann stellt um

Zu Beginn der zweiten Hälfte stellte Nagelsmann um. Der wieder einmal schwache Abwehrchef Kevin Vogt rückte ins defensive Mittelfeld, aus der Dreier-Abwehrkette wurde eine Viererkette. Das führte dazu, dass die Hoffenheimer deutlich besser ins Spiel kamen. Der Brasilianer Joelinton und Kerem Demirbay konnten die Doppelchance zum Anschlusstreffer aber nicht nutzen (53.).

Drei Minuten später brachte Nagelsmann gleich zwei Neue, um den Druck noch weiter zu erhöhen. Für Dennis Geiger und Florian Grillitsch mussten Kapitän Vogt sowie Demirbay weichen. Die Maßnahme wurde sofort von Erfolg gekrönt. Schulz schloss einen Konter in Folge einer Bayern-Ecke stark ab. Das Ganze war fast eine Kopie des zweiten Goretzka-Treffers, der nach einem TSG-Eckball fiel.

Im Anschluss beruhigte sich das Spiel zunächst, die Bayern wollten den Dreier über die Zeit retten. In der 79. Minute kam James für Thiago bei den Bayern. Aufseiten der TSG ersetzte Adam Szalai seinen Sturmkollegen Joelinton. Lewandowski machte mit seinem elften Saisontreffer dann alles klar.