Leipzig - Yussuf Poulsen spricht bei SPORT1 über die Umstellung von Ralph Hasenhüttl auf Ralf Rangnick, den Titelkampf und seine Zukunft. Hier das Interview.

von Niclas Löwendorf

Als 19-Jähriger ging er zu RB Leipzig in die Dritte Liga statt zu einem etablierten Klub. Seitdem lief der Aufstieg von Yussuf Poulsen ähnlich wie der seines Arbeitgebers: steil nach oben.

Der dänische Stürmer ist auch in dieser Saison wieder Leistungsträger beim Tabellen-Dritten der Bundesliga: Sechs Tore nach 13 Spielen stehen für den heute 24-Jährigen zu Buche.

Im SPORT1-Interview spricht Poulsen über die Schwierigkeiten zum Saisonstart, den Meisterkampf und die Schwierigkeiten in der Europa League (Yussuf Poulsen ist am Sonntag, ab 11 Uhr zu Gast im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1).

SPORT1: Herr Poulsen, diese Saison läuft es richtig rund für Sie. 13 Spiele, sechs Tore - was ist Ihr Erfolgsrezept?

Yussuf Poulsen: Ich glaube es gibt kein Erfolgsrezept. Ich habe mich in den letzten Jahren einfach weiterentwickelt. Jetzt bin ich auf ein Niveau gekommen, auf dem ich mich in der Bundesliga richtig zeigen und Erfolg haben kann. Wir spielen momentan einen guten Fußball mit der Mannschaft, das macht es für mich auch leichter.

RB Leipzig v FC Augsburg - DFB Cup
Yussuf Poulsen wechselte von Lyngby BK zu RB Leipzig © Getty Images

Yussuf Poulsen: Das macht Rangnick anders

SPORT1: Wie schwer fiel die Umstellung von der Spielphilosophie von Ralph Hasenhüttl auf die von Ralf Rangnick?

Poulsen: Schwer war das nicht, es gibt viele Ähnlichkeiten zwischen beiden. Beide Trainer haben eine ähnliche Spielidee, kleine Details haben sich aber geändert. Wir haben diese Saison häufig mit Raute gespielt, das haben wir im letzten Jahr nicht getan. In dieses Spielsystem muss man erstmal zurückfinden. Ich habe diese Formation bei RB Leipzig früher in der 2. Bundesliga schon oft gespielt, aber es gibt ein paar Spieler, die sich daran erst gewöhnen mussten, wie wir aufbauen, wie wir pressen. Das war eine Umstellung, aber wir haben das gut umgesetzt.

SPORT1: Wie würden Sie Ihre Rolle im Team beschreiben?

Poulsen: Ich bin einer der Führungsspieler geworden. Ich bin mittlerweile fast fünfeinhalb Jahre im Verein und inzwischen auch als Mensch gewachsen. Es war notwendig, dass mehr Spieler die Führung übernehmen, denn eine Zeit lang hatten wir nicht viele, die Verantwortung übernommen haben. Jetzt bin ich einer der Spieler, dem die anderen zuhören, wenn er was sagt.

Meister-Chancen? "BVB hat schon sehr viele Punkte geholt"

SPORT1: Nach einem holprigen Saisonstart läuft es bei Leipzig in der Liga jetzt rund. Ist es dieses Jahr so einfach wie nie zuvor, Deutscher Meister zu werden?

Poulsen: (Lacht) Dortmund hat diese Saison schon sehr viele Punkte geholt, deshalb glaube ich nicht, dass es einfacher ist. Letztes Jahr hatte Bayern weniger Punkte zu diesem Zeitpunkt, als Dortmund jetzt hat.

SPORT1: Schielt man in Leipzig trotzdem ein bisschen auf die Tabellenspitze? Es sind aktuell nur acht Punkte Rückstand auf Dortmund.

Poulsen: Soweit denken wir gar nicht - ich auf jeden Fall nicht. Wir müssten erst einmal näher heranrücken, um überhaupt auf diesen Gedanken zu kommen. Acht Punkte sind schon viel, vor allem wenn man sieht, in welcher Form Dortmund gerade ist. Bayern wird auch irgendwann kommen, deshalb haben wir das gerade nicht vor Augen. Wir möchten so viele Punkte wie möglich holen und die Liga richtig spannend machen.

SPORT1: Leipzig liegt aktuell vor den Bayern. Wie nehmen Sie die Situation in München wahr?

Poulsen: Jede Mannschaft hat Phasen, in denen es nicht so richtig läuft. Bei den großen Mannschaften passiert das seltener. Bei den Bayern ist es dieses Jahr bisher aber so. Ähnlich wie wir haben sie vor der Saison auch ihren Trainer gewechselt und neue Spieler verpflichtet, dann gibt es eben Phasen, in denen es nicht so rund läuft. Bayern wird kommen und wieder vorne mit dabei sein. Ich glaube die Medien machen sich da mehr Sorgen als alle anderen.

Ralph Hasenhüttl zu Southampton: "Das passt"

SPORT1: In der Bundesliga läuft es richtig rund, in der Europa League ist man auf Schützenhilfe angewiesen, um noch weiterzukommen. Wie erklären Sie diese Schwankungen?

Poulsen: Auf die Mannschaften in der Bundesliga sind wir bereits letztes und vorletztes Jahr getroffen. Wir wissen, wie die spielen und wo die Schwachpunkte sind. Wenn du international zum ersten Mal auf einen Gegner wie Celtic Glasgow triffst, gibt es neue Herausforderungen, die wir erstmal bestehen müssen. Dann kommt es vor, dass es ab und zu nicht so rund läuft. Und bei ein paar Europa-League-Spielen hatten wir leider auch nicht unsere besten Tage. Wir müssen aber Top-Niveau abrufen, wenn wir dort Punkte holen wollen.

SPORT1: Kann man sagen, dass der Fokus in diesem Jahr eher auf der Bundesliga liegt?

Poulsen: Das glaube ich nicht. Jeder Spieler will jedes Spiel gewinnen. Je mehr Spiele wir haben, desto mehr Spiele bekommt jeder einzelne Spieler. Wir haben einen breiten Kader in dem Sinne, dass jeder Stammspieler ist. Es gibt keinen Spieler, der nur in höchster Not eingesetzt wird. Wir haben 18 Feldspieler, die alle zusammen auf dem Platz stehen können - egal in welcher Aufstellung. Deshalb ist es für die ganze Mannschaft wichtig, dass wir weiterkommen, damit wir auch nach der Winterpause weiterhin viele Spiele haben.

Ralph Hasenhüttl war von 2016 bis 2018 Yussuf Poulsens Trainer bei RB Leipzig
Ralph Hasenhüttl war von 2016 bis 2018 Yussuf Poulsens Trainer bei RB Leipzig © Getty Images

SPORT1: Ihr ehemaliger Trainer Ralph Hasenhüttl hat am Mittwoch bei Southampton in Englands Premier League unterschrieben.

Poulsen: Ich glaube Southampton passt gut zu ihm - als Trainer und als Mensch. Ich war in meiner Jugend zum Probetraining dort und kenne den Verein ein bisschen. Ich denke, er passt da gut rein. Dass er seinen Job sehr gut macht, das hat er auch in den zwei Jahren hier gezeigt.

Transfer-Wunsch? Vorerst keiner

SPORT1: Apropos England: Würde Sie die Premier League auch eines Tages reizen?

Poulsen: Eines Tages ist das richtige Wort (lacht). Momentan nicht, aber irgendwann vielleicht. Ich habe in Leipzig noch viel vor.

SPORT1: Julian Nagelsmann wird in der kommenden Saison Ihr Trainer. Haben Sie bereits Gespräche geführt?

Poulsen: Noch haben wir nicht gesprochen. Das wäre auch nicht gut, denn er ist noch Trainer in Hoffenheim und muss sich darauf konzentrieren. Er macht seinen Job auch in dieser Saison wieder richtig gut. Seine Situation, dass er hier bereits unterschrieben hat, aber in Hoffenheim Leistung bringen muss, ist schwierig. Er handhabt das aber sehr gut. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit, das wird spannend. Aber noch ist er mein Gegenspieler.

SPORT1: Am Wochenende treffen Sie auf Freiburg, immer wenn Sie trafen, gewann Leipzig. Das kann so weitergehen, oder?

Poulsen: Ich hoffe ja (lacht).