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München - Schalke 04 steckt tief in der Krise. Jetzt fallen auch noch zwei Offensivkräfte langfristig aus. Bei SPORT1 sprechen zwei Klub-Ikonen über die aktuelle Situation.

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Der Blick auf die Tabelle verhagelt jedem Fan von Schalke 04 gerade ordentlich die Laune. 

Nach elf Spieltagen belegen die Königsblauen Platz 14. Das ist deutlich zu wenig für die Ansprüche eines Vereins, der am Ende der vergangenen Saison auf Platz zwei einlief und sich somit direkt für die Champions League qualifizierte.

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Die Situation heute: zu wenig Punkte, zu wenig Tore. Nur acht Mal trafen die Schalker ins gegnerische Tor - das ist nicht einmal ein Viertel der Dortmunder Ausbeute.

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"Für mich ist die aktuelle sportliche Situation nach der großen Erwartungshaltung im Sommer keine große Überraschung, weil die vergangene Saison einfach herausragend war", sagt der ehemalige S04-Angreifer Martin Max (33 Tore in 109 Spielen zwischen 1995 und 1999) im Gespräch mit SPORT1.

"Da hat alles gepasst und jetzt gibt es die Schwierigkeiten, mit denen man auch rechnen musste, weil man als Vizemeister ganz anders wahrgenommen wird." 

In so eine Situation würden viele Faktoren mit hineinspielen, meinte der 50-Jährige. "Die Hürde ist jetzt höher und die Mannschaft wird sich auch selbst unter Druck setzen, weil man immer mehr will. Darüber hinaus gibt es einige Neuzugänge, die integriert werden mussten. Im vergangenen Jahr hat sich jedes Rädchen perfekt gedreht."

Schalker Modell nicht mehr gefragt

Der Unterschied zur vergangenen Saison besteht aber vor allem darin, dass das Schalker Erfolgsmodell mit starker Defensive und schnellem Umschaltspiel in dieser Saison schon wieder überholt ist. 

Aktuell haben die Mannschaften Erfolg, die großen Wert auf die Offensive legen. Tore schießen, statt Tore zu verhindern, ist wieder in Mode gekommen. Statistischer Beleg: Nach elf Spieltagen sind schon fast 50 Tore mehr gefallen als zum gleichen Zeitpunkt der vergangenen Saison.

Eintracht Frankfurt, Borussia Mönchengladbach und natürlich Borussia Dortmund, der große Lokalrivale von S04, sind in dieser Wertung den Königsblauen weit voraus. Mit acht Toren - kein Verein hat weniger auf dem Konto - reicht es für die Schalker momentan eben nur zu Platz 14, auch wenn man vergleichsweise wenige Gegentore (15) kassiert hat. 

In der Bild hatte der Schalker Coach auf die "Klub-DNA" verwiesen. Was er damit genau meinte? Wohl das Eingeständnis, eher gegen als mit dem Ball zu arbeiten, wie es auf Neudeutsch heißt. "Auf Schalke haben wir wuchtige Spieler wie Embolo und Burgstaller, deren Qualitäten weniger im Ballbesitz-Fußball liegen."

Embolo und Uth fallen lange aus

Da trifft es die Gelsenkirchener doppelt hart, dass gleich zwei Spieler langfristig ausfallen, die für die Tore sorgen sollen. 

Breel Embolo (Bruch des linken Fußes) und Mark Uth (Muskelfaserriss und Sehnenverletzung im linken Oberschenkel) verletzten sich bei der 0:3-Niederlage am Sonntag gegen Eintracht Frankfurt und fallen für mehrere Wochen aus.

Für Neuzugang Uth könnte es für ein Comeback in der laufenden Saison sogar eng werden. 

Damit wartet auf Tedesco in den nächsten Spielen eine noch kniffligere Aufgabe: Woher sollen die Tore kommen, wenn jetzt auch noch die beiden besten Stürmer ausfallen? 

Trotz der Sturmflaute hat Max eine hohe Meinung von Tedesco: "Der Trainer macht sich Tag und Nacht Gedanken, wie es besser laufen könnte. Durch die Ausfälle von Uth und Embolo wird es natürlich nicht einfacher. Aber da müssen wir durch. Jetzt erst recht arbeiten. Es fehlen nur die Ergebnisse, aber keiner will Abstiegskampf haben."

Max: "Der Trainer macht sich Tag und Nacht Gedanken"

Dass die Knappen sogar um den Klassenerhalt zittern müssen, glaubt eine andere Schalke-Legende indes nicht. 

"Wir haben schon noch Qualität im Kader, auch offensiv mit Burgstaller, Di Santo und Konoplyanka", sagte der Schalker Rekordtorschütze Klaus Fischer zu SPORT1. "Die zwei Verletzten im Sturm tun uns natürlich weh. Die nächsten Wochen werden nicht einfach, aber ich denke nicht an Abstiegskampf."

Fischer, der in seiner Schalker Zeit 200 Bundesligatore erzielte, verweist stattdessen auf fehlendes Spielglück. "In der vergangene Saison haben wir Spiele gewonnen, die wir auch hätten verlieren können, in diesem Jahr ist es genau umgekehrt. Das Spielglück hat uns verlassen." Jetzt sei es ganz wichtig, Zusammenhalt zu zeigen. 

Mut mache, dass es trotz der aktuellen Krise keine Unruhe im Verein gebe. "Heidel und Tedesco schätzen sich und deswegen gibt es überhaupt keine Trainerdiskussion. Ich glaube nicht, dass er nervös wird, weil er die Krise annimmt und ganz offen darüber spricht. Früher war das ganz anders auf Schalke."

Druck, das weiß aber auch Fischer, gibt es trotzdem zur Genüge: "Gegen Nürnberg muss ein Sieg her." Die nächsten Gegner sind dann Hoffenheim und Dortmund. Und die wissen, wie das mit dem Toreschießeen geht.

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