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München - Unter Trainer Ralf Rangnick ist RB Leipzig wieder auf dem Erfolgsweg. Bei SPORT1 spricht Marvin Compper über das neue Hoch bei den Sachsen und dessen Coach.

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Marvin Compper kennt Ralf Rangnick bestens. 

Unter dem jetzigen Coach und Sportchef von RB Leipzig spielte der Innenverteidiger von 2008 bis 2011 bei der TSG Hoffenheim und stieg mit dem Verein in die Bundesliga auf.

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In der Saison 2015/2016 traf er erneut auf Rangnick, als dieser in Leipzig Cheftrainer war und parallel den Posten des Sportdirektors innehatte. 

Im SPORT1-Interview spricht Compper, der aktuell bei Celtic Glasgow unter Vertrag steht, über den Höhenflug der Leipziger, Rangnick und seine Zukunft.

SPORT1: Herr Compper, wie geht es Ihnen? 

Marvin Compper: Mir und meiner Familie geht es gut. Leider spiele ich bei unserem Trainer keine große Rolle mehr und deshalb will ich mich in der Winterpause umschauen. Ob es die Bundesliga wird, weiß ich nicht. Da bin ich ziemlich offen. Ich werde zwar im Sommer 34, habe aber noch einiges im Tank. Ich kann es leider bei Celtic nicht zeigen. Momentan geht es darum zu schauen, wo ich meine Karriere fortsetzen kann. Zwei Jahre kann ich auf jeden Fall noch spielen.

SPORT1: Sie haben nach wie vor RB Leipzig im Blick. Die Roten Bullen belegen nach schwachem Saisonstart in der Bundesliga Platz drei. Wie sehen Sie Ihren Ex-Klub?

Compper: Man merkt, dass Sie seit September eine klare Achse haben, vor allem in der Bundesliga. Da wurde nicht mehr viel rotiert. Seitdem die Automatismen wieder auf dem Platz greifen, herrscht ein sehr hohes Niveau in der ganzen Truppe.

SPORT1: Ralf Rangnick ist bis zum Sommer 2019 Trainer bei den Sachsen. Sind sie überrascht, wie er alles im Griff hat?

Compper: Nein. Dafür kenne ich ihn zu gut, da ich über sechs Jahre mit ihm zusammengearbeitet habe. Er war im vergangenen Jahr nicht am Steuer, jetzt ist er wieder Entscheidungsträger, wenn es um die Aufstellung und die taktische Ausrichtung geht. In den letzten Spielen und Monaten hat er die Spieler auf den Platz gestellt, die einfach schon länger im Verein sind und die wissen, was sie zu tun haben. Ralf Rangnick legt sehr viel Wert auf Details und die Arbeit daran. Er arbeitet da nicht schlampig. Wenn man konzentriert und taktisch sauber als Team agiert, ist das erfolgreich. Wenn man so viele Spiele zu Null spielt, muss man defensiv sehr stabil sein, das hat Rangnick hinbekommen. Der Kader hatte natürlich auch letzte Saison Qualität, aber die Disziplin und die Konzentration mit der momentan die Taktik umgesetzt wird, ist einfach konsequenter. Er fordert von der Mannschaft mehr ein. Man sieht da ganz klar seine Handschrift.

SPORT1: Auch die Offensive überzeugt, oder? 

Compper: Stimmt. Die Philosophie des RB Leipzig war immer schon eine stabile und gute Defensive in Kombination mit schnellem Umschaltspiel. Momentan funktioniert auch die Offensive top.

SPORT1: Naby Keita hat den Verein vor der Saison verlassen. Doch sein Abgang scheint kein Verlust zu sein.

Compper: Zu Beginn einer Saison ist so ein Weggang stärker zu spüren. Jetzt bei dieser taktischen Stabilität merkt man das nicht mehr so sehr. Es ist immer so, dass einzelne Spieler wegen ihres Talents herausgehoben werden. Aber der Schlüssel liegt in der mannschaftlichen Geschlossenheit, man muss als Team funktionieren. Und momentan läuft es richtig gut, das Team ist eine Einheit - offensiv sind sie stark und defensiv sehr stabil. Man kann nicht nur mit individuellen Talenten defensiv stabil sein, das funktioniert nicht.

SPORT1: Hat RB Leipzig das Potenzial, um Meister zu werden?

Compper: Das oberste Ziel des Vereins ist es, wieder in die Champions League zu kommen. Da war man und man hat einen Kader, der in dieser Liga mitspielen kann. Die aktuelle Entwicklung möchte man natürlich weitersehen. Auch das will man weiter vorantreiben. Die Meisterschaft wäre ein großer Sprung für den Verein. Die Möglichkeit ist in der momentanen Situation mit den schwächelnden Bayern dennoch da, aber die Saison ist noch lang.

SPORT1: Im Sommer wird Julian Nagelsmann neuer RB-Coach. Ist er die perfekte Lösung?

Compper: Auf jeden Fall. Ich halte ihn für einen sehr fähigen Trainer. Ich habe ihn ja auch kurz kennenlernen dürfen, als er Assistenztrainer in Hoffenheim war. Man hört aus dem Verein nur Gutes über ihn. Ich bin überzeugt davon, dass die Ehe mit RB Leipzig sehr erfolgreich sein kann.

SPORT1: Kann er sich dem starken Ralf Rangnick unterordnen?

Compper: Ich glaube nicht, dass er sich unterordnen muss. Rangnick hat ihn nicht umsonst für die kommende Saison nach Leipzig gelotst. Im Idealfall möchte er einen Trainer, der die Philosophie von RB einfach umsetzt. Wir alle wissen, dass Julian Nagelsmann von Hoffenheim kommt und dort sein Handwerk gelernt hat. In Hoffenheim hat auch Ralf die Philosophie damals installiert, diese hat auch immer noch Bestand. Ich glaube deshalb, dass er den idealen Trainer gefunden hat, der seine Arbeit fortführen kann.

SPORT1: Mit Timo Werner spielt nur ein Nationalspieler in Leipzig. Warum?

Compper: Das ist nur eine Frage der Zeit. Marcel Halstenberg war schon im Kader, war aber jetzt ein halbes Jahr verletzt. Ihm wurde jetzt auch in Aussicht gestellt, im nächsten Jahr wieder eingeladen zu werden. Somit sind es schon zwei RB-Profis. Lukas Klostermann ist nach wie vor ein Spieler, der in der U21 spielen kann. Wenn seine Entwicklung so weitergeht, dauert es nicht mehr lange, bis er in die A-Nationalmannschaft eingeladen wird. Diego Demme ist dieses Jahr auch wieder in Topform, in der er jederzeit eingeladen werden könnte. Ich glaube, dass mehrere Leipziger Spieler noch das Zeug dazu hätten. Und in der Nationalelf gibt es momentan einen Umbruch. Das ist nicht so einfach.

SPORT1: Letzte Frage: Ist eigentlich eine Rückkehr zu einem Ihrer Ex-Kubs für Sie denkbar?

Compper: Die Philosophie vieler Vereine ist momentan eher zu verjüngen, also auf junge Spieler zu setzen. Was legitim und in Ordnung ist. Ich denke, die Mischung macht es aus. Hoffenheim hat eine gute Mischung, auch Gladbach. Sie spielen erfolgreichen Fußball. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie mich noch auf Ihren Scouting-Listen haben. Ich möchte einfach weiter Fußball spielen.