Lesedauer: 8 Minuten

Mönchengladbach - Gladbach steht in der Liga auf Rang zwei. Großen Anteil am Aufschwung hat Jonas Hofmann. Bei SPORT1 spricht er über Hecking, Plea und das Nationalteam.

Anzeige

Den FC Bayern in München eindrucksvoll besiegt, Borussia Dortmund auf den Fersen - die Fohlen galoppieren derzeit ansehnlich und erfolgreich durch die Bundesliga. (Service: Bundesliga-Tabelle)

Großen Anteil am Aufschwung von Borussia Mönchengladbach hat Jonas Hofmann. Der 26-Jährige brilliert in dieser Saison im zentralen Mittelfeld und verbucht bereits acht Scorer-Punkte (fünf Tore, drei Vorlagen).

Anzeige

Im SPORT1-Interview spricht der Senkrechtstarter über den erfolgreich vollzogenen Systemwechsel unter Trainer Dieter Hecking, Top-Neuzugang Alassane Plea, seine Ambitionen in Sachen Nationalmannschaft und die Gladbacher Rolle als BVB-Jäger Nummer eins.

ANZEIGE: Jetzt das neue Trikot von Mönchengladbach kaufen - hier geht es zum Shop!

SPORT1: Herr Hofmann, warum läuft es in Gladbach gerade so gut?

Jonas Hofmann: Da kommen viele Aspekte zusammen. Generell haben wir in der Mannschaft ein super Klima. Das trägt immer dazu bei, dass man erfolgreich ist. Natürlich wird oft über das System gesprochen, das wir verändert haben - vom 4-4-2 auf 4-3-3. Das ist ein Punkt, den man mit einbeziehen muss. Dann haben wir kaum Verletzte, dadurch sind wir immer wieder in jedem Training gefordert, an unsere Höchstleistung anzuknüpfen. Da kann sich keiner ausruhen. Letztes Jahr war es schon so, dass sich die Aufstellung von selbst ergeben hat. Jetzt ist es ganz anders. Alles sind fit, alle müssen im Training hundert Prozent geben. Dadurch haben wir ein gutes Trainingsniveau - und das spiegelt sich samstags auf dem Platz wider.

SPORT1: Wie kann man sich den Ablauf eines solchen Systemwechsels vorstellen?

Hofmann: Am Anfang der Saison gibt es generell ein Gespräch mit der ganzen Mannschaft. Da präsentiert der Trainer seine Vorstellungen. Danach geht es an die Einzelgespräche, bei denen der Trainer dem einen oder anderen Spieler sagt, wo er ihn sieht. Bei mir war es im Laufe der Vorbereitung, dass es sich herauskristallisiert hat, dass der Wechsel von der Außenposition ins Mittelfeldzentrum passt. Ich war in der Vorbereitung größtenteils auf der Acht unterwegs, da bin ich in diese Rolle hineingewachsen. Der Trainer und ich haben gemerkt, dass es läuft - und warum sollen wir es dann ändern?

Jonas Hofmann: "Habe nicht mit Absicht immer vorbei geschossen"

SPORT1: Im Gegensatz zur vergangenen Saison erzielen Sie jetzt auch öfter mal ein Tor, ebenso wie Thorgan Hazard. Wieso klappt es jetzt?

Hofmann: Schwierig, da manchmal Erklärungen zu finden. Da gehört auch ein bisschen Glück dazu, aber natürlich muss man es sich auch erarbeiten. In der letzten Saison wurde mir schon nachgesagt, ich sei ein Chancentod. Umso schöner ist es, wie es sich jetzt entwickelt hat. Beim ersten Tor, dem Elfmeter (zum 2:0 beim 2:1 gegen Schalke, Anm.d.Red.), muss man auch den Mut haben - auch wenn man vorher kritisiert wurde. Ich habe lange daran geglaubt, dass es läuft, wenn einmal der Dosenöffner kommt. Zum Glück ist es so gekommen.

SPORT1: Hat Sie die aufkommende Kritik in der Vergangenheit mitgenommen?

Hofmann: Man wünscht sich natürlich, dass so etwas nicht vorkommt, man liest es ja auch alles. Im Endeffekt versucht man trotzdem, es entspannt zu sehen. Wie gesagt, ich habe den Ball nicht mit Absicht immer vorbei geschossen. Es kommt einfach irgendwann - jetzt ist es gekommen. Und ich bin froh, dass es so läuft.

SPORT1: Viele sagen, dass Dieter Hecking ein Schlüssel zum Erfolg ist. Was hat er im Gegensatz zum letzten Jahr geändert?

Hofmann: Wir hatten ja nicht viele Transfers im Sommer, haben drei, vier gute Jungs dazu bekommen, die wir schnell und gut integriert haben. Sie haben unser Spiel sehr schnell verstanden. Es ist nicht immer selbstverständlich, dass es so schnell geht. Den Systemwechsel muss man in diesem Zusammenhang ebenfalls ansprechen. Das hat den größten Anteil, dass wir einen neuen, anderen und guten Fußball spielen. Der Trainer spricht auch viel mit den Spielern. Es ist immer wichtig, dass jeder weiß, woran er ist, wenn man so einen breiten Kader hat. Das harmoniert momentan ganz gut, und in der Kombination wird man dann erfolgreich.

---
Lesen Sie auch:
BVB-Jäger im Check Wer kann Dortmund stoppen?
Favre, Hecking und Rangnick: Die älteren Trainer mischen die Liga auf
---

Hofmann über Torjäger Plea: "Er ist eiskalt"

SPORT1: Hecking ist eher einer der älteren Trainer – und hat wie Lucien Favre momentan Erfolg. Was zeichnet ihn aus?

Hofmann: Wenn man lange im Fußball dabei ist, dann weiß man, wie man mit gewissen Situationen umzugehen hat. Man kennt sich aus und hat schon viele Dinge erlebt. Man hat die Erfahrung, um zu wissen, was man in bestimmten Momenten braucht. 

SPORT1: Einer der in Gladbach extrem gut eingeschlagen hat, ist Alassane Plea. Was zeichnet ihn als Spieler und Typen aus?

Hofmann: Alassane ist sehr demütig, ein ganz ruhiger Typ. Aber wenn er auf dem Platz ist, weiß er einfach, wo das Tor steht. Das haben wir zuletzt in Bremen gesehen, aber auch davor schon. Er ist eiskalt und macht die Dinger einfach. Einer Mannschaft tut so ein Spieler unheimlich gut. Wenn der Gegner weiß, dass man so einen Spieler in den eigenen Reihen hat, durch den auch Tore fallen können, obwohl die Chance gar nicht so groß scheint - dann ist das Gold wert. Da hat der Verein einen sehr guten Transfer getätigt.

SPORT1: Sie wurden zuletzt mit der Nationalmannschaft in Verbindung gebracht. Gab es schon einen Kontakt zu Joachim Löw?

Hofmann: Nein, ich sitze ja hier (lacht). Vielleicht wird es irgendwann mal belohnt, wenn ich über eine lange Distanz konstant spiele. Das versuche ich gerade: über mehrere Monate dieses Niveau zu halten. Natürlich ist es ein Traum für jeden Fußballer, aber ich beschäftige mich damit jetzt nicht großartig. Der Fokus bleibt auf der Borussia, und wenn wir weiter erfolgreich sind, dann färbt das auch auf jeden Einzelnen ab.

SPORT1: Ihr Vertrag läuft noch bis 2020. Wie ist der Stand bezüglich einer eventuellen Verlängerung?

Hofmann: Wir haben noch nicht darüber gesprochen. Ich denke, dass beide Seiten gewillt sind, irgendwann Gespräche zu führen. 

SPORT1: Welche Träume und Ziele haben Sie noch als Fußballer?

Hofmann: Ich habe ja hoffentlich noch ein paar Jahre, um einiges zu erleben. Jeder, der schon einmal im Europapokal unterwegs war, weiß, wie schön das ist. Das wäre ein Traum, das irgendwann wieder zu erleben. Wir wollen aber weiter von Spiel zu Spiel denken, weil wir damit so gut fahren. Ich fände es einen Fehler, wenn wir umdenken würden.

SPORT1: Also ist es noch zu früh, vom Ziel Champions League zu sprechen?

Hofmann: Ja, eindeutig zu früh. Wir haben erst ein Drittel der Saison gespielt, da kann noch so viel passieren. Es kann genau so schnell wieder runtergehen. Wir sehen es ja in der Bundesliga, wie die Duelle ausgehen. Leverkusen gewinnt bei uns 5:0 und verliert anschließend zuhause gegen Hoffenheim 1:4. Das ist so eine Achterbahnfahrt in der Bundesliga teilweise. Aber das ist auch gut, dann bleibt es spannend.

Lob von BVB-Coach Favre "nehmen wir mit einem Lächeln hin"

SPORT1: BVB-Coach Lucien Favre hat Ihre Mannschaft neulich zum Favoriten gemacht. Was sagen Sie dazu?

Hofmann: Das nehmen wir mit einem Lächeln hin. Das ist natürlich schön für uns. Der Trainer hat es ja neulich mit dem Wort "Momentaufnahme" gesagt. Wir sind froh, dass wir da stehen, und schauen uns die Tabelle gerne an. Das ist die Belohnung für die Arbeit in der Vorbereitung.

SPORT1: Was sagen Sie zu ihrem Ex-Team BVB mit dem früheren Gladbacher Trainer Favre?

Hofmann: Ich hatte Favre ja nie als Trainer, aber die anderen Spieler hier in Gladbach schwärmen von ihm. Es war vielleicht nicht unbedingt zu erwarten, dass Dortmund so vorneweg marschiert und so souverän auftritt. Aber das Potenzial und die Qualität hat der Verein auf jeden Fall, um langfristig da vorne zu bleiben. Ich denke auch, dass das, was Lucien Favre gerade in den Verein integriert hat, Früchte trägt. 

SPORT1: Ihr Mannschaftskamerad Matthias Ginter hat gesagt, Sie seien "fußballschlau". Was meint er damit?

Hofmann: Ich denke, er meint damit, Pressingmomente zu erkennen und solche Dinge, die man auf dem Fußballplatz lesen muss. Darin sehe ich auch eine eigene Stärke und versuche immer wieder, diese in der Mannschaft einzubringen.

©