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München - Der FC Bayern hat offenbar Aaron Ramsey vom FC Arsenal als ersten Neuzugang für nächste Saison an der Angel. Aber passt das? Was steckt hinter dem Transfer?

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Besondere Momente in einem rot-weißen Trikot hat er drauf, so viel steht fest. Aaron Ramsey hat für den FC Arsenal wichtige Tore erzielt, und besonders sehenswerte.

Nun könnte der 27 Jahre alte Waliser offenbar bald in der Münchner Allianz Arena für besondere Momente sorgen. Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, steht der FC Bayern kurz vor einer Verpflichtung des Mittelfeldspielers für die kommende Saison. (Der SPORT1-Transferticker)

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Von einem "Durchbruch" in den Verhandlungen ist die Rede. Und davon, dass der deutsche Rekordmeister damit unter anderem dem FC Liverpool und dem FC Chelsea eins auswische. Am Freitagabend, so die Daily Mail, werden Scouts der Münchner Ramsey erneut unter die Lupe nehmen, wenn Wales Dänemark zum Freundschaftsspiel empfängt.

Aber wie viel Sinn ergibt der kolportierte Transfer des Mittelfeldspielers wirklich? SPORT1 analysiert, was ein Wechsels Ramseys an die Säbener Straße bedeuten würde.

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Internationale Erfahrung zum Nulltarif

Der Blick auf die blanken Zahlen verrät: Finanziell würde sich der FC Bayern bei einer Verpflichtung des Arsenal-Profis nicht übernehmen - angesichts einer fälligen Ablösesumme von null Euro.

Nach zehn Jahren in den Diensten der "Gunners" bietet der Verein Ramsey nach zähen Verhandlungen keinen neuen Vertrag an, sein aktueller Kontrakt in London läuft zum Saisonende aus. Entsprechend ist er ablösefrei zu haben. Angesichts dessen würde man dem FC Bayern wohl zurufen: Greift ruhig zu!

Zumal Ramsey kein Frischling ist. Er kommt auf stolze 246 Premier-League-Partien. Dabei erzielte er 37 Tore und bereitete 49 Treffer vor. Im FA Cup lief er 30-mal auf (7 Tore/1 Vorlage). Hinzukommen 58 Europacup-Einsätze (15/8).

Im besten Alter - aber Weltklasse?

Somit käme mit Ramsey ein gestandener Spieler, der mit seiner internationalen Erfahrung dem Team auch vor und nach dem Spiel hilfreiche Impulse geben könnte. Seine Einstellung scheint tadellos. "Ich werde in dieser Saison mein Bestes geben, um etwas Besonderes zu erreichen", sagte der Waliser trotz des designierten Abschieds von Arsenal.

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Doch die Wahrheit liegt auf dem Platz - und hier stellt sich die Frage, ob Ramsey die nötige Klasse mitbringt, die der FC Bayern sucht. Den Status eines europäischen Spitzenspielers hat er jedenfalls nicht erreicht. Bei den Gunners kam er in jedem der zwölf Saisonspiele zum Einsatz, stand allerdings nur sechs Mal in der Startelf. In den letzten fünf Partien durfte er nie länger als 23 Minuten ran.

"Wir haben eine sehr gute Mannschaft, aber sie ist ein bisschen in die Jahre gekommen", sagte kürzlich Bayerns rekonvaleszenter Flügelflitzer Kingsley Coman (Syndesmoseriss). Ramsey, der im Sommer 2019 28 Jahre alt sein wird, würde nun nicht unbedingt eine Frischzellenkur verkörpern.

Konkurrenz bei Bayern ist groß

Auf dem Rasen kommt Ramsey meist im zentralen Mittelfeld zum Einsatz. Dort wo der FC Bayern derzeit ausreichend Spieler zur Verfügung hat.

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Thiago, James Rodriguez, Javi Martinez, Corentin Tolisso, Renato Sanches, Leon Goretzka, Thomas Müller oder Joshua Kimmich - acht Akteure für meist drei Planstellen. Wenig Platz für Ramsey, sofern die Münchner auch kommende Saison im derzeitigen System antreten werden.

Oder baut der FCB bereits Abgängen im Sommer vor? Dann stellt sich die Frage, ob Ramsey ein adäquater Ersatz für herausragende Techniker und Strippenzieher wie Thiago und James ist.

Box-to-Box-Spieler - wenn der Oberschenkel hält

Zwar brächte er als Box-to-Box-Player, der mit vertikalen Läufen viel Raum abdecken und für Torgefahr sorgen kann, durchaus einen gefragten Spielstil mit. Wenn er dann aber den ähnlich veranlagten Nachwuchskräften Sanches und Goretzka Spielzeit wegnehmen würde, wäre der Teamentwicklung mehr geschadet als geholfen.

Es bleibt der Eindruck, Ramsey würde den Bayern-Kader eher in der Breite optimieren als in der Spitze verbessern. Wenn er denn in den entscheidenden Momenten überhaupt einsatzbereit wäre. Der Südwaliser verpasste in den letzten fünf Jahren durch Verletzungen im Schnitt 16 Spiele pro Saison. Immer wieder machten ihm vor allem Oberschenkelprobleme zu schaffen.

Angesichts der derzeitigen Verletzungsmisere der Bayern wurden bereits Unkenrufe laut, Ramsey würde sich also mit regelmäßigen Lazarett-Meldungen gut einfügen. Sicher nicht die besonderen Momente, die man sich von ihm erhoffen würde.

© iM Football

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