München - Der BVB kann den FC Bayern im Top-Spiel dank zweier Duos weiter abhängen. Für die Bayern spricht die Erfahrung. Pro und Contra der SPORT1-Redaktion.

von Holger Luhmann , Florian Plettenberg

Giganten-Duell, Bundesliga-Kracher - oder einfach nur BVB gegen Bayern.

Das Duell der beiden deutschen Topklubs elektrisiert die Massen. Das erste Aufeinandertreffen der laufenden Saison liefert zudem eine interessante Konstellation: Rekordmeister FC Bayern München weist aktuell nicht die Dominanz der vergangenen Jahre auf und ist "nur" Tabellendritter. Borussia Dortmund führt die Liga dagegen ungeschlagen an. Für Präsident Uli Hoeneß sind seine Bayern sogar der "Außenseiter". (BVB vs. FC Bayern am Samstag ab 18.30 im LIVETICKER)

Wer ist also der Favorit und wie geht der Bundesliga-Kracher aus? SPORT1-BVB-Reporter Holger Luhmann und SPORT1-FCB-Reporter Florian Plettenberg liefern Argumente für beide Seiten.

Luhmann: Darum gewinnt der BVB

Gut zwei Wochen ist die 4:0-Gala in der Champions League gegen Atletico Madrid her. Seitdem bietet Borussia Dortmund eher nüchterne Hausmannkost statt schillernden Champagner-Fußball. 2:2 gegen Hertha, 3:2 nach Verlängerung im DFB-Pokal gegen Union Berlin, ein 1:0-Arbeitssieg in Wolfsburg und am Dienstag die erste - zu verkraftende - Saisonpleite beim 0:2 im Rückspiel in Madrid. Das sind eigentlich keine guten Voraussetzungen für das große deutsche Duell.

Doch die jüngsten Darbietungen des BVB haben Gründe. Ein bisschen Müdigkeit (gegen Hertha), Rotation (gegen Union), kluge Effizienz (in Wolfsburg) sowie ein paar fehlende Prozent auf der Mentalitätsskala mit den Bayern im Hinterkopf (in Madrid). Das Hauptaugenmerk lag darauf, sich weitgehend kraftschonend und unfallfrei durch die Dreifachbelastung zu manövrieren.

Und die Voraussetzungen könnten bei vier Punkten Vorsprung besser nicht sein. Selbst bei einer Niederlage bleibt der BVB Tabellenführer. Im Falle eines Sieges aber kann die Borussia die Münchner sogar so richtig abhängen.

Die Qualität dazu hat diese Dortmunder Mannschaft. Vor allem zwei Duos beim BVB können den Ausschlag geben: Kapitän Marco Reus und Jadon Sancho in der Offensive sowie Axel Witsel und Thomas Delaney als Prellböcke im defensiven Mittelfeld.

Auch wenn es im Sturmzentrum derzeit hakt - Knipser Paco Alcacer ist nach einer Muskelverletzung noch nicht wieder im Torerausch, Mario Götze ist kein echter Stürmer und Maximilian Philipp fällt etwas ab - können Reus und Sancho die zuletzt ein wenig hüftsteif daherkommende Abwehr um Jerome Boateng, Mats Hummels und Niklas Süle durcheinanderwirbeln. Sechs Treffer und fünf Torvorlagen (Reus) sowie vier Treffer und sechs Torvorlagen (Sancho) sind ein Pfund.

Die Achillesferse des BVB bleibt das Toreverhindern. Deshalb wird es darauf ankommen, dass Witsel und Delaney gefährliche Situationen bereits im Keim ersticken. Witsel wirkte zuletzt zwar nicht mehr ganz so frisch, der belgische WM-Dritte hat aber die Ruhe und Erfahrung, um diese Aufgabe zu meistern. Daneben überzeugt Delaney als Abräumer mit Pferdelunge.

Trainer Lucien Favre hat der Mannschaft einen klaren Rahmen gezimmert, der dem Team weitgehend Stabilität und offensiv alle Freiräume gibt. Diese Mixtur kann auch für den FC Bayern ein Gift-Cocktail werden.

Plettenberg: Darum gewinnt Bayern

"Dortmund kommt zum richtigen Zeitpunkt." Dieser Satz von Uli Hoeneß war der glaubwürdigste und überzeugendste, den der Bayern-Präsident am Mittwochabend nach dem Athen-Sieg und einen Tag nach der Dortmund-Pleite bei Atletico Madrid aussprach. Denn da war es wieder rauszuhören, dieses selbstbewusste, unterschwellige Piesacken in Richtung des Tabellenführers. Bayern-like war das.

Die "Abteilung Zurückhaltung" mimte Hoeneß zuvor nur, indem er taktierend behauptete, dass die Meisterschaft keine Pflicht sei und man als Außenseiter nach Dortmund fahre.

Die Bayern wissen ganz genau, dass sie mit einem Sieg viel vergessen machen können: Rumpel-Fußball, Maulwurf-Plage und Frust-Stars.

Da sind zwar die jungen Wilden aus Dortmund. Aufseiten der Bayern jedoch stehen immer noch vorhandene, wenn auch zuletzt selten abgerufene Extraklasse, Titelhunger und jede Menge Erfahrung - vor allem mit Alles-oder-Nichts-Spielen.

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Für die Münchner ist es das bereits am 11. Spieltag. Verlieren die Roten, sind es schon sieben Punkte Rückstand auf Schwarz-Gelb. Das Frust-Potenzial würde in diesem Fall unaufhaltbar ansteigen, denn der Rekordmeister wirkt in dieser Saison viel zu ungefestigt, um einen solchen Nackenschlag zu überstehen.

Ich traue Niko Kovac dennoch zu, dass er die zuletzt lethargisch und kreativlos spielende Bayern-Mannschaft gegen die flinken Borussen zu einer Top-Leistung und zum Sieg pushen kann.

Zwingend notwendig wird aber sein, dass sich Kovac etwas Überraschendes einfallen lässt - taktisch und personell. Möglichkeiten sind vorhanden: Eine Doppelsechs mit Javi Martinez und Leon Goretzka hinter Spielmacher James etwa. Oder ein Dreier-Hünen-Riegel mit Jerome Boateng, Mats Hummels und Niklas Süle.

Wichtig wird auch sein, dass BVB-Schreck Arjen Robben nach seiner Knieblockade wieder dabei ist - wenn auch nur als Joker. Ein Bayern-Sieg in Dortmund käme jedenfalls zum richtigen Zeitpunkt.

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