München - Vom gefeierten Weltmeister zum normalsterblichen Abwehrspieler des Abstiegskandidaten VfB Stuttgart. Inwiefern ist die Leistung von Benjamin Pavard schwächer als im Vorjahr? SPORT1 macht den Check.

von Filip Knopp , Maximilian Miguletz

Stammspieler im französischen Starensemble. Weltmeister. Und dann ein Angebot nach dem anderen aus dem europäischen Spitzenfußball. Es lief alles so gut für Benjamin Pavard.

Nachdem der Profi des VfB Stuttgart bei der Weltmeisterschaft als Rechtsverteidiger brilliert und gegen Argentinien das schönste Tor des Turniers erzielt hatte, signalisierten diverse Top-Vereine Interesse an dem 22-Jährigen.

"Kommende Saison wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem der ganz großen europäischen Spitzenklub wechseln", kündigte VfB-Sportvorstand Michael Reschke in der tz an. "Dies ist für uns völlig okay."

Entscheidung für ein weiteres Jahr Stuttgart

Der FC Bayern gilt als potenzieller Abnehmer. Auch Real Madrid und Juventus Turin wurden bereits in diesem Sommer als mögliche neue Arbeitgeber des Franzosen heiß gehandelt.

2019 darf Pavard für die festgeschriebene Ablöse von 35 Millionen Euro gehen.

Für diese Saison entschied sich der Abwehrmann letztlich aber für einen Verbleib in Stuttgart - und mag das inzwischen bereits bereuen. Der VfB lässt derzeit lediglich Fortuna Düsseldorf in der Tabelle hinter sich.

Nach einer starken Rückrunde (zweitbestes Team der Liga) kommen die Schwaben in der laufenden Saison auch unter dem neuen Trainer Markus Weinzierl noch nicht in Tritt. (Service: Bundesliga-Tabelle).

Als gefeierter Weltmeister besitzt Pavard die größte Fallhöhe. Kein Wunder also, dass die Szenen, in denen er in dieser Spielzeit nicht gut aussah, besonders intensiv diskutiert werden.

Pavard mit haarsträubendem Fehler gegen BVB

Einen schwarzen Tag erwischte Pavard am Samstag, als Stuttgart beim Debüt Weinzierls gegen Borussia Dortmund mit 0:4 unter die Räder kam.

Beim frühen 0:1 durch Jadon Sancho gab der Franzose eine unglückliche Figur und schaffte es nicht, den Ball aus dem Gefahrenbereich zu klären.

Haarsträubend war sein Fehler vor dem dritten Tor des BVB, als Pavard einen Freistoß in der eigenen Hälfte vollkommen unnötig direkt in die Füße von Marco Reus und Paco Alcacer spielte. Sieben Sekunden später zappelte der Ball im Netz.

"Das passiert ihm sonst nie", meinte Reschke anschließend. "Er ist sonst die Zuverlässigkeit in Person."

Dennoch vermitteln auch Szenen wie jüngst sein körperloser Begleitschutz für Freiburgs Luca Waldschmidt bei dessen Treffer zum 3:3 den Eindruck, dass Pavard in dieser Saison weniger überzeugend auftritt als in der Vorsaison. 

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Daten besagen: Pavard spielt stabil

Mit Blick auf die statistischen Werte zeigt sich allerdings, dass Pavard keinen krassen Formabfall erlebt, sondern auf dem Niveau der Vorsaison agiert, teilweise sogar darüber.

Laut dem Daten-Dienstleister Deltatre unterlaufen dem Franzosen in dieser Saison weniger Fehlpässe (nur noch 11,9 statt 13 Prozent in der Saison 2017/2018).

Dazu verzeichnet er mehr Ballkontakte pro 90 Minuten (79 statt 70), zieht mehr Sprints pro Spiel an (18,6 statt 17,2) und, als Verteidiger besonders wichtig, gewinnt mehr Zweikämpfe (65,5 statt 59,7 Prozent).

Außerdem hat er mit fünf Torschüssen bereits vergleichsweise oft den Abschluss gesucht. In der gesamten letzten Spielzeit waren es nur zehn Schüsse (1 Tor).

Die Werte dürften Stuttgart Hoffnung machen, dass Pavards Schwächemomente die Ausnahme bleiben. Um aus dem Keller wieder herauszukommen, wäre ein stabiler Abwehrchef unabdingbare Voraussetzung.