Für Hannovers Sportdirektor Horst Heldt und Präsident Martin Kind gibt es Widerstand in den eigenen Reihen © imago

Aufregung bei Hannover 96: Gegner von Klubchef Kind stören sich an den Machenschaften der Bosse. Sie sehen die Lizenz in Gefahr. Es geht um eine Satzungsänderung.

von SPORT1

Eine umstrittene Satzungsänderung bei Hannover 96 hat einen klubinternen Streit ausgelöst. Teile des Aufsichtsrates sehen die weitere Bundesliga-Zugehörigkeit des Klubs gefährdet.

Gremiums-Mitglied Ralf Nestler sagte in einem Interview bei fussball.news"Wenn der Mutterverein nicht mehr uneingeschränkt das Bestimmungsrecht ausüben kann, liegt ein (...) Lizenzverstoß bei der DFL vor."

Hintergrund sind geänderte Machtverhältnisse bei den Niedersachsen. Die ausgegliederte Profigesellschaft (Hannover 96 GmbH & Co. KGaA) hatte im September eine Satzungsänderung im Handelsregister eintragen lassen, die den Gesellschaftern um Klubboss Martin Kind und dem mächtigen Unternehmer Dirk Rossmann mehr Einfluss bescheren soll. 

96-Lizenz in Gefahr? "Schwerwiegende Verfehlung"

Nestler und andere Kritiker, die sich zu der Initiative "Pro Verein 1896" zusammengeschlossen haben, sehen darin den heimlichen Versuch, die 50+1-Regel zu umgehen.

Sie stören sich daran, dass künftig "sämtliche Entscheidungen der Zustimmung des Aufsichtsrats der KGaA" bedürfen. Den Vorsitz dieses Gremiums hat der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder innen. Ein 96-Fan und enger Vertrauter Kinds. 

Nestler und Co. werfen den Machern des Klubs vor, die neuen Machtverhältnisse im Sinne von §10 der Lizenzordnung nicht rechtzeitig öffentlich gemacht zu haben und geltende Regeln umgangen zu haben. 

Kind weist die Vorwürfe zurück. "Wir riskieren nicht die Lizenz", sagte er. Ausführlicher wollte er sich nicht zum Sachverhalt äußern.

Kontrahent Nestler wertete das Vorgehen der Verantwortlichen bei fussball.de derweil "als eine schwerwiegende Verfehlung", bei der der Lizenzentzug drohe. "Der DFL wird gar nichts anderes übrigbleiben, als zu handeln", sagte er. 

Der Ligaverband hat sich inzwischen in die Sache eingeschaltet und lässt den Sachverhalt prüfen.

Nestler rechnet zudem damit, dass andere Klubs eine Strafe für 96 fordern wären. "Wäre ich Mitwettbewerber, dann würde ich doch gegebenenfalls als 16. oder 17. die Relegation oder den Abstieg noch verhindern können, wenn ein anderer Klub eine Lizenzverfehlung begangen hat und an meiner Stelle zwangsabsteigen würde", sagte er.