München - Die Bayern gewinnen derzeit glanzlos und stellen selbst spielerische Mängel fest. Daran muss Kovac jetzt arbeiten, denn der Dortmund-Knaller steht vor der Tür.

von Florian Plettenberg , Thorsten Siegmund

Die Gesichter der Bayern-Protagonisten nach Spielende in Mainz sprachen Bände: Die Spieler verließen allesamt erleichtert, aber keinesfalls himmelhoch jauchzend die Katakomben des Mainzer Stadions.

Trainer Niko Kovac wirkte sichtlich bewegt ob des hart erkämpften Dreiers. Und auch Sportdirektor Hasan Salihamidzic war nicht zum Lachen zu Mute. Einer jedoch verließ die Kabine des FC Bayern mit einem extrem signifikanten Grinsen: Uli Hoeneß. 

Es schien, als wolle der Bayern-Präsident neun Tage nach der Krawall-PK und darauffolgenden drei Siegen in Folge sagen: "Seht her, es läuft wieder!"

Dabei läuft bei den Münchnern - zumindest spielerisch - immer noch nicht viel. Lediglich die Ausbeute stimmte mit den Siegen gegen Wolfsburg (3:1), Athen (2:0) und Mainz (2:1).

"Ein ganz klarer Arbeitssieg. Es ist nicht so, dass wir ein spielerisches Feuerwerk abgeliefert haben. Aber wir haben verdient gewonnen", stellte Joshua Kimmich am Samstagabend fest.

Bayern hat schon Dortmund im Kopf

Die Bayern gewinnen derzeit glanzlos und dreckig. Gegen Teams, die der Rekordmeister mit seinen ambitionierten Ansprüchen schlichtweg bezwingen muss.

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Wirft man nun auch noch einen Blick auf die kommenden drei Gegner (Regionalligist Rödinghausen im Pokal, Freiburg und Athen), wird fast der Eindruck erweckt, als wäre der Zeitpunkt der präsidialen Medienschelte - einhergehend mit einem "Wir halten fester denn je zusammen" - geplant gewesen. So geplant, dass der Rekordmeister pünktlich zum November-Knaller gegen den Tabellenführer aus Dortmund (10. November) wieder in der Spur ist.

Fakt ist, dass eben jenes richtungsweisende Spiel bereits ein Thema in München ist. Aber fest steht auch: Dreckig und glanzlos könnte für den BVB nicht reichen.

"Es ist wichtig, dass wir bis dahin die Punkte holen und die Spiele gewinnen. Und dass wir uns dann auch irgendwann nicht mehr damit zufriedengeben, Spiele nicht mehr nur zu gewinnen, sondern auch die Art und Weise passen muss", fordert Kimmich. Nach dem Prinzip: Mehr Punkte gleich mehr Selbstvertrauen. Das allerdings ist schon jetzt wieder ausgeprägt bei den Bayern.

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Salihamidzic mit klarer Forderung

"Wir müssen unsere Spiele gewinnen, dann werden wir Deutscher Meister sein", sagt etwa Niklas Süle. Er erinnert auch daran, dass es sich die Bayern selbst zuzuschreiben haben, dass sie "von hinten angreifen müssen".

Bei ihrer Aufholjagd (Dortmund ist zwei Punkte entfernt) dürfen die Bayern aber nicht vergessen, an ihren Defiziten zu arbeiten. "Wir müssen uns spielerisch verbessern. Unsere Spitzen besser einsetzen und uns besser bewegen", fordert Salihamidzic.

Das Offensiv-Spiel der Münchner ist immer noch mehr geprägt von Ideenlosigkeit statt Kreativität. Das Aufbauspiel sieht meistens so aus: Ein Diagonalball aus der Viererkette auf die Flügel, dann wird hinterlaufen oder in die Mitte gezogen. Für den Gegner ist das auf Dauer sehr leicht auszurechnen.

Adler: "Respekt der Mannschaften ist nicht mehr da"

"Die Bayern strahlen nicht mehr die Dominanz aus, die sie mal hatten”, stellte auch Rene Adler im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1 fest und erinnerte dabei an die erfolgreiche Ära unter Pep Guardiola und Jupp Heynckes.

Auch ein Grund, warum für den derzeit verletzten Mainz-Torwart feststeht, dass "der Respekt der Mannschaften nicht mehr so da" sei. "Die Bayern haben einfachere Ballverluste, sind nicht mehr ballsicher. Das Spiel ist relativ durchschaubar und nicht mehr so facettenreich."

Die Bayern trafen in Mainz erneut auf eine sehr tiefstehende, die Räume sehr eng machende Mannschaft, kamen mit ihrem Diagonalspiel aber auch dort durch.

Der FCB: Dominant, aber ineffizient

Dennoch: Die Münchner müssen effizienter werden, vor allem im Torabschluss. Da hilft es oftmals wenig, dass der Rekordmeister in dieser Spielzeit durchschnittlich 64 Prozent Ballbesitz hat. Dortmund bringt es bislang mit 56 Prozent Spielanteilen im Schnitt auf 29 Tore. Die Bayern stehen erst bei 17 Saisontoren.

Dafür steht die Kovac-Elf hinten sicherer als der BVB. Beide Teams haben bislang zehn Gegentore, dafür ließen die Borussen bislang 94 Torschüsse zu, die Bayern nur 64.

"Der Gegner kämpft um jeden Quadratzentimeter und öffnet nicht Tür und Tor und sagt Bitteschön. Man muss sich jeden Sieg erarbeiten", erklärt Müller das Offensivproblem, mit dem sich der Rekordmeister oft konfrontiert sieht.

Kimmich fasst es so zusammen: "Vorne müssen wir die Dinger machen und hinten wieder zu null spielen. Dann tun wir uns einfacher."

Goretzka: "Es wird bald flüssiger laufen"

Um auch spielerisch zuzulegen, muss sich Kovac dieser Tage häufig ausschließlich mit der Videoanalyse begnügen. Seinen Spielern zeigt er dann etliche Sequenzen zu deren Verhalten in der Offensive und Defensive. Trainieren lassen kann er es nur selten, denn die Bayern sind seit Monaten im Rhythmus englischer Wochen. Da bleibt kaum Zeit für intensive Taktik-Einheiten, denn im Vordergrund steht oft die Regeneration.

"Wir werden jetzt an den Feinheiten schrauben. Dann wird es hoffentlich bald wieder flüssiger laufen", sagt Leon Goretzka, der in Mainz zur 1:0 Führung traf.

Keine Angst vor Dortmund

Ungeachtet dieser noch nicht abgestimmten Feinheiten verspürt man in München aktuell aber keine Furcht vor der besonders heimstarken Dortmunder Truppe, die durch das 2:2 gegen Hertha BSC einen Dämpfer erlitten hat.

"Ich würde mir gegen Dortmund auch keine Sorgen machen, wenn wir in drei Tagen gegen sie spielen würden", sagt Kimmich mit zurückgewonnener Mia-san-Mia-Mentalität.

Ansagen, die Hoeneß sicher noch mehr Freude bereiten – dreckige Arbeitssiege hin oder her.