Tim Wiese nimmt Jerome Boateng nach der Pleite des FC Bayern in Schutz
Tim Wiese nimmt Jerome Boateng nach der Pleite des FC Bayern in Schutz © Credit: SPORT1-Grafik: Getty Images/Imago
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München - Borussia Dortmund ist Tabellenführer der Bundesliga. In seiner SPORT1-Kolumne schwärmt Tim Wiese vom BVB und Marco Reus - und nimmt Jerome Boateng in Schutz.

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Hallo Fußball-Freunde,

Respekt vor Borussia Dortmund! Das heißt schon etwas, wenn man 0:2 bei Bayer Leverkusen zurückliegt und dann auswärts noch vier Tore erzielt. Das zeigt die Stärke dieser Truppe. Eine Top-Mannschaft. Der neue BVB-Coach Lucien Favre ist für mich ein hervorragender Trainer, der über Jahre sehr gute Arbeit geleistet hat. Und er passt perfekt zu den Schwarz-Gelben. So einen Trainer, hätte ich mir früher gewünscht. 

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Die Dortmunder werden am Saisonende auf jeden Fall einen Champions League-Platz erreichen. Aber sie sind die zweite Kraft hinter den Bayern, die noch konstanter sind. 

Marco Reus ist in meinen Augen ein exzellenter Spieler. Leider hatte er in der Vergangenheit viele Verletzungen, die ihn in seiner Entwicklung zurückgeworfen haben. Jetzt spielt Reus befreit auf - wie aus einem Guss. Ich habe selbst schon mit ihm zusammen gespielt, kenne seine Fähigkeiten auf dem Platz und weiß, was er kann. Ich hoffe nur, dass er jetzt eine Saison verletzungsfrei übersteht. Dann werden wir noch viel Freude an ihm haben.

Favre und Reus wie Schaaf und Ailton

Natürlich profitiert Reus davon, dass Favre wie damals bei Borussia Mönchengladbach nun erneut sein Trainer ist. Manche Spieler haben einfach Trainer, mit denen es läuft. Mir fällt da Ailton zu seiner Zeit unter Thomas Schaaf bei Werder Bremen ein. Der hatte einfach ein Händchen für ihn. Nach seinem Wechsel damals zu Schalke ging bei Ailton nichts mehr. Wahrscheinlich passen Favre und Reus einfach perfekt zusammen. Psychologie spielt im Fußball eine große Rolle: wie man miteinander spricht, wie man behandelt wird, wie man unter der Woche miteinander arbeitet. Man muss als Trainer einfach auch Spieler bei Laune halten. So blüht Reus nun auf. Es macht einfach Freude ihm zuzuschauen. 

Die junge Bubi-Truppe des BVB hat die Leverkusener in der zweiten Halbzeit schwindelig gespielt. Ich sehe Leverkusen aber auch nicht als so stark an. Der Saisonverlauf dort ist bisher nicht gut. Trainer Heiko Herrlich muss etwas aufpassen. Er sitzt nicht ganz fest im Sattel. Wenn Leverkusen weitere Spiele verlieren sollte, wird es zu einem Trainerwechsel kommen. Die Qualität von Dortmund ist noch mal eine ganz andere. Die Truppe hat über Jahre hin weg immer gute Spiele abgeliefert. Das schafft eigentlich nur Bayern München. Sie haben es auch immer bewiesen und oben mitgespielt. Chapeau! 

Bayern: Ausrutscher, keine Krise

Die Niederlage der Bayern bei Hertha BSC ist ein kleiner Ausrutscher, mehr nicht. Sie kam überraschend, aber irgendwann musste sie kommen. Jede Spitzenmannschaft darf auch mal eine kleine Schwächephase haben. So wie die Münchner mit ihren Spielen gegen den FC Augsburg und jetzt in Berlin. Auch dem FC Barcelona oder Real Madrid passiert so etwas. Bayern und Krise? Ich sage dazu nur: Alles im grünen Bereich beim FC Bayern. Man kann nicht immer gewinnen. Jetzt ist wieder Champions League und da werden die Münchner zu Hause gegen Ajax Amsterdam (Di., ab 21 Uhr im LIVETICKER) ein anderes Gesicht zeigen. Das ist völlig normal.

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Die schwache Chancenverwertung bei den Bayern ist dagegen ungewöhnlich. Wenn ich mir Arjen Robben anschaue, dann macht er normalerweise dieses Tor und schießt nicht drüber. Bei Bayern gibt es zwar nur Top-Spieler, doch das ist gerade eine Phase, in der es nicht so rund läuft. Dennoch, Nico Kovac macht bisher einen überragenden Job. Für mich gibt es keine Krise. Der FC Bayern wird ganz klar Deutscher Meister. Das habe ich schon oft gesagt.

Jerome Boateng hat sich gegen die Hertha bei zwei Toren nicht gut verhalten. Aber auch einem Weltklasse-Spieler wie ihm unterlaufen Fehler. Ich glaube nicht, dass das Wechsel-Theater mit Paris Saint-Germain mit seiner aktuellen Leistungsschwäche zu tun hat. Genau wie ein Verein darf auch ein Profi mal ein schwächeres Spiel abliefern. Boateng hat über viele Jahre konstante Leistungen gebracht und sehr gut gespielt. Warum wird er jetzt infrage gestellt? Wenn zum Beispiel ein Stürmer vor dem Tor fünf oder sechs hochkarätige Chancen vergibt, dann wird er gleich als Pflaume beschimpft. Das passiert eben manchmal, auch jetzt bei Boateng. Er ist nur ein Mensch, keine Maschine.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Tim Wiese

Tim Wiese gewann 2009 mit Werder den DFB-Pokal und absolvierte in seiner Karriere für Bremen, den 1. FC Kaiserslautern und die TSG Hoffenheim 269 Bundesliga-Spiele. Für den SVW stand der 36-Jährige zwischen 2005 und 2011 zudem 20 Mal in der Champions League auf dem Platz. Nach seiner Fußballer-Karriere sorgte der frühere Nationaltorwart, der 2010 bei der Fußball-WM in Südafrika mit dem DFB-Team den dritten Platz erreichte, als Wrestler für Aufsehen und stieg 2016 siegreich bei WWE (World Wrestling Entertainment) aus dem Ring. Fortan ist er für SPORT1 im Fantalk und beim CHECK24 Doppelpass als Experte und auf SPORT1.de als Kolumnist im Einsatz.