München - Jadon Sancho überragt beim BVB und gilt bereits als Englands Neymar. Seine früheren Trainer trauen dem 18-Jährigen eine Menge zu - sogar den Weltfußballer-Titel.

von Filip Knopp

Es ist eine simple SMS, die die rasante Entwicklung von Jadon Sancho hervorragend widerspiegelt.

Bei einer Pressekonferenz von Borussia Dortmund hatte Michael Zorc mitgeteilt, der 18-Jährige werde für Englands U21 nominiert. Von einem beachtlichen Schritt sprach der Sportdirektor angesichts des jungen Alters. Schließlich war Sancho bis dato nur für die U19 aufgelaufen.

Nur wenige Stunden später erhielt Sancho dann aber eine Nachricht, die selbst den BVB erstaunte, denn: Nationaltrainer Gareth Southgate teilte dem Youngster mit, er gehöre für die Nations-League-Spiele in Kroatien (Nations League: Kroatien - England am Freitag ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) und Spanien (Nations League: Spanien - England am Montag ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) erstmals zum Aufgebot der "Three Lions".

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Southgate traut Sancho viel zu

"Das bedeutet mir sehr viel", sagte der Flügelflitzer nun dazu im englischen Trainingslager. "Als ich klein war, habe ich natürlich immer davon geträumt, für mein Land zu spielen. Das ist das Größte, was einem Jugendlichen wie mir passieren kann."

Den Schritt, den BVB-Coach Lucien Favre an der Seite von Zorc als "zu früh" bezeichnet hatte, traut Southgate dem Offensiv-Juwel bereits bedenkenlos zu. 

Nicht grundlos. Sancho glänzt in der bisherigen Saison. Zwar nicht als Torjäger, dafür aber als Vorlagengeber.

Sancho als Assistkönig der Bundesliga

Unter Favre stand der pfeilschnelle Offensivmann in nur drei von zehn Pflichtspielen in der Startelf. Trotzdem bringt er es neben einem eigenen Treffer auf stolze acht Assists. Sechs davon resultieren aus der Bundesliga. Keiner hat mehr.

Die Leistung des Edeljokers explodiert bei den Westfalen regelrecht. Ehemalige Weggefährten überrascht das nicht. Seine Trainer erkannten früh das Talent, das in Sancho schlummert.

"Jadon war auf dem Platz furchtlos, er hat andere alt aussehen lassen. Diese Beinschüsse, diese Tricks. Einige waren unverschämt", sagte dem Daily Mirror etwa Sayce Holmes-Lewis, der Sancho als Coach bei dessen ersten fußballerischen Schritten begleitet hatte. 

"Macht er so weiter, wird er Weltfußballer"

Rückblende: Im Alter von sieben Jahren hatte es das Offensiv-Juwel zum FC Watford gezogen. Offerten von Arsenal und Chelsea konnte er damals widerstehen.

Jugendtrainer Louis Lancaster erinnert sich noch daran, als Sancho ihm mit leuchtenden Augen von seinen großen Zielen erzählte.

"Ich fragte ihn: 'Was ist dein Traum?' Und er sagte: 'Ich will in Europa für einen Top-Klub und für die englische Nationalmannschaft spielen, um meine Familie stolz zu machen'", schildert Lancaster.

Mit seinen 18 Jahren begeistert Sancho sein Umfeld schon - auch wenn er sein Debüt für die englische Auswahl erst noch feiern muss und Borussia Dortmund sich gerade langsam wieder an die europäische Spitze herantastet.

Im Ruhrgebiet dürfte man es deshalb schwer haben, Sancho dauerhaft zu halten. Erst recht, wenn er seine aktuellen Leistungen bestätigt. 

Holmes-Lewis ist sich sicher: "Wenn er so weitermacht, wird er Europas Fußballer des Jahres oder Weltfußballer."

Neymar und Ronaldinho als Vorbilder

Wer über Sancho spricht, denkt derzeit schon ganz groß. 

Kein Wunder, dass er auf der Insel neuerdings als englischer Neymar bezeichnet wird. Wegen seines Alters wären Vergleiche mit dem 19-jährigen Kylian Mbappe vermutlich angebrachter. Die mit seinem brasilianischen Vorbild werden Sancho aber sicherlich mehr schmeicheln. 

"Am Computer sah er sich Tricks von Neymar an", weiß Lancaster noch: "Danach die von Ronaldinho. Das war etwas, was ihn motiviert hat."

Der Rechtsfuß liebt schließlich guten, ansehnlichen Fußball. Das Spiel für die Galerie, ohne dabei das Ziel aus den Augen zu verlieren. 

Probleme allerdings unter Guardiola

Bei Manchester City, wo Sancho von 2015 bis zu seinem 7,8 Millionen Euro teuren BVB-Wechsel im August 2017 unter Vertrag stand, können sie das bestätigen.  

"Er saß nach Spielen immer mit den Analysten zusammen und sah sich an, was er verbessern kann. Aber er genoss auch seine guten Szenen. Er liebt es, die Leute zu beeindrucken, zu unterhalten", so Nachwuchskoordinator und Jugendcoach Mark Burton.

Unter Pep Guardiola sollte es mit dem Durchbruch auf Profi-Ebene jedoch nicht klappen. 

"Wir haben wahrscheinlich Dinge von ihm in seinem Spiel und abseits des Platzes verlangt, die er nicht umsetzen wollte", glaubt Burton den Grund zu kennen.

Sancho weckt Begehrlichkeiten

Gänzlich abgehakt ist das Kapitel City aber offenbar noch nicht. Für den Fall, dass in Dortmund ein Transfer-Angebot eintrudelt, soll sich der englische Meister ein Vorkaufsrecht gesichert haben.

Arsenal, Chelsea, Tottenham Hotspur, Manchester United und der FC Liverpool zeigen Medienberichten zufolge bereits reges Interesse.

Diese Nachricht dürfte bei der Borussia wiederum niemanden verwundern.