München - Der FC Bayern lässt gegen den FC Augsburg erstmals Punkte liegen. SPORT1 zeigt, wie sich der Underdog der Bayern-Dominanz entzog.

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Die Bundesliga atmet auf, denn der scheinbar unbezwingbare FC Bayern lässt doch einmal Federn. So geschehen am Dienstagabend beim 1:1 gegen den FC Augsburg, als Felix Götze kurz vor dem Ende mit dem Ausgleich sein persönliches Märchen schrieb.

Wie aber schaffte es der Underdog, die übermächtigen Münchner zu entzaubern?

SPORT1 zeigt, wie die Bayern entschlüsselt wurden.

Augsburg attackiert Innenverteidiger

Augsburg provozierte, was die Bayern selbst bei ihren Gala-Vorstellungen in den Vorwochen immer mal wieder offenbarten: Fehler im Spielaufbau, sobald die Innenverteidiger bei Ballbesitz schnell angelaufen werden.

Augsburgs Trainer Manuel Baum ließ seine drei Offensivkräfte immer wieder auf die Bayern-Viererkette los. Dadurch waren die Innenverteidiger oftmals zu langen Bällen gezwungen, spielten Fehlpässe.

"Wir haben Andre Hahn und Caiuby vorne reingestellt und Michael Gregoritsch noch auf die Zehn, um Mats Hummels und Niklas Süle in Zweikämpfe zu verwickeln und dann über den zweiten Ball zu kommen", erklärte Baum. Sein Fazit: "Wir sind mit Überzeugung ins Spiel gegangen und haben die Bayern über 90 Minuten angepresst. Es war richtig stark."

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Baum lässt mutiges Pressing spielen

Augsburg besaß den Mut, eine Art Pressing auf die Bayern auszuüben. Statt auf einen massiven Defensiv-Block (wie ihn Stuttgart und Leverkusen aufboten) setzte Baum auf Überzahl im Mittelfeld.

Im Spielaufbau und in den ersten Sekunden nach Ballverlust agierte der FCA mit einer Dreierkette, dafür blieben die Außenspieler Philipp Max und Raphael Framberger zunächst im Mittelfeld und unterstützten Daniel Baier, Jan Moravek und Gregoritsch.

Die Räume wurden eng, Bayern tat sich im Spielaufbau schwer. Auch, weil Thiago mit seiner Kreativität und Passschärfe auf der Sechs fehlte.

"Wir haben uns dazu entschieden, dass wir die Bayern höher anlaufen, weil eine ihrer großen Stärken der Spielaufbau gegen tief stehende Mannschaften ist, wodurch sie auch in ein gutes Gegenpressing kommen”, verriet Baum seinen Plan. "Durch das hohe Anlaufen, waren die Gegenpressing-Abstände deutlich größer."

FCA steht Bayern auf den Füßen

Offensichtlich war, wie etwa Moravek beim Spielaufbau der Bayern Sanches in die Manndeckung nahm. Khedira verfolgte Wagner, Caiuby und Hahn stellten die Schnittstellen der Münchner Viererkette zu.

Auf den Außenbahnen hatten Gnabry und Robben einen schweren Stand und wenig Platz. Den Bayern setzte diese taktische Maßnahme mehr zu als in den Partien gegen Hoffenheim und Schalke, wo der Gegner ähnlich agierte. Zudem fehlte es, im Vergleich zu den Vorwochen, etwas an Spielwitz.

"Augsburg hat mutig gespielt, Mann gegen Mann auf dem ganzen Platz. Das hat unseren Spielaufbau erschwert", erkannte Thomas Müller an. "Wenn es Eins gegen Eins geht", forderte Joshua Kimmich, "müssen wir den Anspruch haben, dass wir qualitativ besser sind als der Gegner und die Spiele dann auch gewinnen."

Kovac-Rotation geht nicht auf

Nennenswert ist diese Erkenntnis vor allem, weil in nahezu allen Spielen bislang jede Personal-Maßnahme von Kovac griff. Gegen Augsburg war das erstmals nicht der Fall.

Etliche Spieler mit Kreativ-Potenzial saßen auf der Bank (u.a. Franck Ribery, Thiago, James, David Alaba und Robert Lewandowski). Als Linksverteidiger konnte Leon Goretzka Stammkraft Alaba nicht adäquat ersetzen und musste zur Halbzeit gar am Knöchel angeschlagen raus.

"Wir haben nur zwei gesunde Außenverteidiger, die wir irgendwie schonen und vor Verletzungen schützen müssen", begründete Kovac seine Wahl. Goretzka führte an, er habe auf ungewohnter Position "keine Automatismen, auf die man zurückgreift, von daher denkt man mehr nach. Es war mit Sicherheit kein gutes Spiel von mir."

Martinez als Sechser besaß zudem nicht den Spielwitz und die Qualität im Aufbauspiel von Thiago. Wagner, der erstmals in dieser Saison von Anfang an spielte, mühte sich zwar, war im Abschluss jedoch unglücklich. Er bleibt im Schatten von Lewandowski.

"Sandro hat das Quäntchen Glück gefehlt, das ein Stürmer braucht", sagte Kovac. Der Kroate will die Belastung in den nächsten Wochen dennoch auf möglichst viele Schultern verteilen.

"Als ehemaliger Fußballer weiß ich, was es heißt, zwei Mal in drei Tagen zu spielen", erklärte er. "Bei dem Kader, den wir haben, müssen wir rotieren."

FCA-Keeper erwischt Sahnetag

Noch am Wochenende war Manuel Baum den Tränen nahe gewesen. Sein Torhüter Fabian Giefer hatte sich den dritten schweren Fehler in zwei Partien geleistet und sein Team erneut Punkte gekostet. Baum musste reagieren.

Gegen die Bayern durfte nun Andreas Luthe von Beginn an ran - und überzeugte auf Anhieb. 

"Ich bin extrem froh, dass der Andi fast aus der leeren Hose ein richtig gutes Spiel gemacht hat", lobte Baum. Der Angesprochene blieb bescheiden: "Ich habe einfach nur versucht, solide meine Leistung zu bringen. Das habe ich gemacht. Ich bin zufrieden und schaue, was in den nächsten Wochen so kommt."

Bayern lässt Chancen liegen

15:11 Torschüsse für die Bayern und 8:4 Schüsse aufs Tor unterstreichen die Überlegenheit der Bayern, zudem besaßen sie 65 Prozent Ballbesitz. Der amtierende deutsche Meister war spielerisch, vor allem in Halbzeit eins, zwar überlegen. Ihre Chancen nutzten die Münchner aber bei weitem nicht so effizient aus, wie man es von den ihnen gewohnt ist.

Allein Sanches, der mit fünf Torschüssen die meisten aller Feldspieler abgab, hätte das Spiel frühzeitig entscheiden können. Auch Wagner besaß eine hundertprozentige Torchance. Der Ball aber sollte am Dienstagabend nur einmal rein, durch Robben (47.). Die Qualität Lewandowskis, auch aus dem Nichts zu treffen, ging den Bayern gegen Augsburg ab. Zudem fehlte der Pole in der Spitze als Anspielstation. 

"Wir haben einige Chancen liegen lassen", stellte auch Kovac fest. "Wir haben nicht immer die Lösungen gefunden, aber trotzdem genug Chancen gehabt, das Spiel zu entscheiden. Dann bekommt man ein blödes Gegentor (Götze 85., d. Red.) am Ende und es steht 1:1", ärgerte sich Arjen Robben. Vor allem die Botschaft des Ergebnisses dürfte die Münchner nerven: Die Konkurrenz darf sich gegen Bayern wieder etwas ausrechnen.

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