München - In den ersten drei Pflichtspielen des FC Bayern München musste James Rodriguez mit der Jokerrolle vorliebnehmen - nun hofft er auf seinen ersten Startelfeinsatz. Doch wer soll weichen?

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Googelt man das Wort "Luxuskader", spuckt die Suchmaschine in ihren ersten fünf Einträgen vier Meldungen zum FC Bayern aus. Kein Wunder: Der deutsche Rekordmeister hat zumindest hierzulande die mit Abstand beste Truppe beisammen - vor allem in der Breite. 

Für Bayern-Trainer Niko Kovac ist jedoch besonders das üppige Angebot im Mittelfeld Fluch und Segen zugleich. Zwar kann der frühere Coach von Eintracht Frankfurt aus dem Vollen schöpfen, muss dabei jedoch wöchentlich einem beachtlichen Teil seiner Stars erklären, dass sie auf der Bank oder sogar auf der Tribüne Platz nehmen müssen.

Im Zentrum herrscht mittlerweile ein solches Gedränge, dass die drei zu vergebenden Positionen im Mittelfeld zum raren Gut werden. Dabei hat einer, der in der vergangenen Saison zum festen Inventar in der Bayern-Mitte gehörte, noch gar nicht richtig eingegriffen: James Rodriguez.

Dessen Problem ist derzeit auch, dass er in der Vorsaison bevorzugt als Zehner auflief, dort 25 seiner 39 FCB-Pflichtspiele absolvierte (fünf Tore/sieben Assists), es diese Position im 4-1-4-1-System von Kovac aktuell aber nicht Eins zu Eins gibt.

James lässt Länderspiele sausen

Zudem kam der Kolumbianer mit einer Einblutung in der Wade von der WM zurück und verpasste somit einen Teil der Vorbereitung inklusive des Supercups und der 1. Runde im Pokal. In den ersten beiden Bundesliga-Partien gegen Hoffenheim (3:1) und in Stuttgart (3:0) musste der Linksfuß daher mit zwei Kurzeinsätzen vorliebnehmen. 

Um seinen Rückstand aufzuholen, entschied sich der 27-Jährige, auf die jüngste Länderspielreise zu verzichten und stattdessen in München an seiner Fitness zu arbeiten. Er legte Extraschichten ein und arbeitete individuell mit Fitnesstrainer Dr. Holger Broich.

James ist dabei, sich auf sein früheres Level zurückzukämpfen und drängt auf seinen ersten Startelf-Einsatz unter Kovac.

Allerdings: Beim souveränen Auswärtserfolg in Stuttgart hinterließen Leon Goretzka und Thomas Müller auf den beiden Achter-Positionen im zentralen Mittelfeld einen starken Eindruck, sodass es für Kovac schwer sein dürfte, einen der beiden am Samstag gegen Bayer Leverkusen (ab 15.30 Uhr im LIVETICKER) draußen zu lassen.

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Rummenigge schwärmt von James

Was James jedoch Hoffnung machen könnte: Beide Konkurrenten waren mit der DFB-Elf unterwegs und haben Belastung in den Beinen. Kovac ist zudem ein Freund der Rotation und überrascht gerne in der Startelf.

Eher unwahrscheinlich, aber zumindest möglich ist auch, dass James auf eine der Außenbahnen ausweicht. Dort lief er in der Vorsaison sieben Mal auf, erzielte zwei Tore und gab einen Assist. Seine Flanken sind stark, ebenso sein Kurzpassspiel. Allerdings fehlt ihm für einen echten Außenstürmer die Schnelligkeit.

Karl-Heinz Rummenigge gerät ob der vielen Kader-Varianten jedenfalls ins Schwärmen. "Wir haben einen Top-Kader. Wenn ich mir das Mittelfeld in Stuttgart anschaue, dann hat dort Thiago auf der Sechs, Goretzka auf der Acht und Müller auf der Zehn gespielt. Und auf der Bank saßen Martinez, Tolisso und James", sagte der Bayern-Boss bei Bayern-TV.

James für FC Bayern unverzichtbar

James dauerhaft auf der Bank? Schwer vorstellbar - vor allem für ihn selbst. Sein Selbstverständnis impliziert einen Platz in der Startelf. Laut kicker gibt es Verantwortliche im Klub, die in der derzeitigen Situation durchaus Zündstoff sehen. Auch deshalb dürfte über kurz oder lang kein Weg an der Nummer 11 vorbeigehen.

Auch in der vergangenen Spielzeit hatte James Anlaufschwierigkeiten, startete dann aber durch, spielte auch in den vermeintlich wichtigen Spielen von Beginn an. Am Ende standen 39 Saisonspiele zu Buche (acht Tore/14 Vorlagen). Im Schnitt benötigte James 121 Minuten für eine Torbeteiligung. Ein ebenso starker Wert wie seine Passquote (90 Prozent).

FC Bayern will Kaufoption ziehen

Klar ist, dass sie an der Säbener Straße von James Rodriguez überzeugt sind. Als im Juli verschiedene spanische Medien meldeten, dass es den früheren Real-Spieler zurück in die spanische Hauptstadt ziehe, sprachen die Bayern-Verantwortlichen ein Machtwort aus und beendeten sämtliche Gerüchte.

Ihre Kaufoption von 42 Millionen Euro wollen die Bayern im Sommer 2019 ziehen. Damit google in Sachen "Luxuskader" auch in der Zukunft vornehmlich den FC Bayern ausspuckt.

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