München - Das Foul von Karim Bellarabi an Rafinha sorgt im CHECK24 Doppelpass für Kontroversen. Hertha-BSC-Trainer Pal Dardai regt eine Regel-Revolution an.

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Der FC Bayern München fühlt sich nach dem dritten Bundesliga-Spieltag als "Freiwild", vor allem das brutale Foul von Karim Bellarabi gegen Rafinha erhitzt die Gemüter.

"Geisteskrank" nannte es Uli Hoeneß, forderte drei Monate Sperre für den Nationalspieler von Bayer Leverkusen, "wegen Dummheit".

Muss der Fußball seinen Umgang mit solchen Fouls überdenken? Pal Dardai, Trainer von Hertha BSC, sieht es so. Im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1 forderte er dazu auf, über eine Regel-Revolution nachzudenken.

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Pal Dardai fordert neues Maß bei Sperren

"Vielleicht müssen wir neue Regel machen", sagte der 42-Jährige: "Dass der Spieler bei solchen Fouls so lange gesperrt bleibt, wie der Gegenspieler verletzt ausfällt."

Es ist ein Gedanke, der vieles auf den Kopf stellen würde: In der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB sind als mögliches Strafmaß für Fouls und Tätlichkeiten Sperren von bis zu sechs Monaten verankert, ein Bezug zur Ausfalldauer des Gefoulten jedoch nicht.

Anders ist dies zum Beispiel in der Eishockey-Liga NHL: Dort gibt es in der Vereinbarung zwischen Liga und Spielergewerkschaft einen Passus (Artikel 18.2), in dem es heißt, dass die Schwere der Verletzung des Gegenspielers bei nachträglichen Strafen "berücksichtigt" wird - als einer von vielen verschiedenen Faktoren.

Fall Rildo in Brasilien als Vorbild

Auch die Idee, eine Sperre für ein böses Foul direkt an die Genesungsdauer des Gefoulten zu koppeln, ist nicht ganz neu: Erst im März gab es im brasilianischen Fußball einen Fall, der so gehandhabt wurde.

Der Brasilianer Rildo sollte so lange gesperrt werden, wie sein Opfer ausfiel
Der Brasilianer Rildo sollte so lange gesperrt werden, wie sein Opfer ausfiel © Getty Images

Ein regionales Sportgericht in Rio de Janeiro verurteilte damals den Stürmer Rildo vom Klub Vasco da Gama, so lange auszusetzen, bis sein Gegenspieler Joao Paulo von Botafogo BR wieder mit dem Training beginnt (höchstens aber 180 Tage). Rildo, der als Wiederholungstäter galt, hatte ihm Schien- und Wadenbein gebrochen und war ursprünglich mit Gelb davongekommen.

Zwei Monate später allerdings kassierte derselbe Sportgerichtshof sein eigenes Urteil und wandelte es in eine Fünf-Spiele-Sperre um.

Tücken in der Praxis

Die Rücknahme des international viel beachteten Urteils verdeutlicht, dass Dardais Vorschlag Tücken hat, wenn es um die praktische Umsetzung geht.

Macht das Regelwerk die Ausfalldauer des Foul-Opfers zum alleinigen Maßstab, ergäben sich ungerechte Szenarien: Eine Mega-Sperre für ein  harmloses Tackling, bei dem der Gegner unglücklich aufkommt und sich das Kreuzband reißt (so wie Corentin Tolisso beim Zweikampf mit Kevin Volland). Straffreiheit für eine üble Attacke, bei dem der Gegenspieler mit Glück heil bleibt.

Praktikabler wäre Dardais Idee als Option, die nur bei vorsätzlichen und besonders schwerwiegenden Fouls zur Anwendung kommen kann. Die Frage, wie man diese Schwelle definiert, öffnet aber natürlich Tür und Tor für zahlreiche Diskussionen.

Effenberg über Bellarabi-Foul: "Fies, link, gewollt"

Dass Bellarabis Foul hart bestraft werden muss, darüber war sich die Runde im Dopa einig. SPORT1-Experte Stefan Effenberg nannte Bellarabis Foul "böse, fies, link und gewollt".

Bellarabis früherer Bayer-Teamkollege Kevin Kampl (RB Leipzig) wiederum mahnte, fair mit Bellarabi umzugehen: "Karim ist kein schlechter Mensch und kein Treter. Rot ist berechtigt, so ein Foul gehört sich auch nicht, aber man sollte nun nicht auf ihm als Menschen rumhacken."

Auch Dardai wollte Bellarabi nicht persönlich an den Pranger stellen: "Ich glaube nicht, dass es böse Absicht war, dass er ihn verletzten wollte." Über Konsequenzen müsse man dennoch diskutieren, bei der heutigen schnellen Spielweise könnten Fouls schneller böse Folgen haben als früher.

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