München - Ausgerechnet bei den Bayern erzielte Augsburg-Talent Felix Götze sein erstes Bundesliga-Tor. Sein früherer Mitspieler Joshua Kimmich erklärt, was Götze auszeichnet.

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Manchmal sind es die kleinen Gesten, die viel über den Charakter eines Menschen aussagen.

Nach seinem ersten Bundesliga-Treffer betrat Felix Götze am späten Dienstagabend die Mixed Zone in der Allianz Arena. Der 20-Jährige hatte dem FC Bayern mit seinem Ausgleichstreffer den ersten Punktverlust eingebracht und war deshalb an alter Wirkungsstätte natürlich ein gefragter Mann.

Von Starallüren war jedoch nichts zu sehen bei ihm. Ganz im Gegenteil.

Höflich und schüchtern wartete Götze im Hintergrund, bis Augsburgs Torwart Andreas Luthe sein Gespräch mit den Medienvertretern beendete. Der Held des Abends hätte auch einfach an ihm vorbeigehen und die Aufmerksamkeit auf sich ziehen können. Doch dieses Verhalten passt einfach nicht zu ihm.

Kimmich: "Er ist ein guter Junge"

"Er ist ein guter Junge und von der Mentalität her auch sehr gut. Das ist heutzutage schon mal eine Grundvoraussetzung", sagte Joshua Kimmich über seinen früheren Mitspieler.

Von 2013 bis 2016 spielte Götze beim Rekordmeister. Er sei einer, so Kimmich, "der sich was erklären lässt und nicht denkt, dass er nichts mehr dazulernen muss".

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Eine Charakterisierung, die dazu passte, wie sich Götze nach seinem gelungenen Auftritt gab. "Ich wollte nicht zu viel jubeln. Ich habe dem FC Bayern viel zu verdanken", sagte er bei SPORT1

Dann folgte der nächste selbstlose Akt. Im Moment seines größten sportlichen Moments in der Bundesliga bislang dachte Felix Götze an Bruder Mario. "Das Tor ist für ihn", meinte er. "Ich wäre nicht hier ohne ihn - ohne seine Tipps."

Götze mit spätem Ausgleichstor

Was immer Mario Götze seinem jüngeren Brüder mit auf den Weg gegeben hatte, in jener 85. Minute machte es sich bezahlt. 

Götze nutzte einen Fehler von Manuel Neuer und drückte den Ball mit der Brust über die Linie. 1:1. Punkt gerettet. Abpfiff. Trainer Manuel Baum wäre das Schauspiel beinahe entgangen.

"Ich hab zuerst gar nicht gesehen, wer das Tor geschossen hat", gestand der Coach nachher. "Dann hab ich einen hochroten Kopf in der Traube gesehen und wusste, dass es der Felix war."

Götze und sein roter Kopf. In München wurde es zum Statussymbol. 

Spott für roten Kopf

"Das ist leider schon immer so, dass ich bei körperlicher Anstrengung ganz rot anlaufe", bekannte der Torschütze. 

In seiner Jugend musste sich Götze deshalb so manches anhören: "Ampel, Tomate, da gab es einiges." Heute kann er darüber lachen. "Ich nehme den roten Kopf gerne, wenn ich dann ein Tor schieße", sagte er. 

Sein rotes Konterfei war am Dienstagabend auch ein Beweis dafür, dass er mittlerweile in Augsburg angekommen ist. Er wünsche Götze, sagte Ex-Kollege Kimmich, dass er beim FCA "seinen Weg geht". 

Der erste Schritt dafür ist getan. 

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