München - Schon nach zwei Spieltagen kündigt sich ein erneuter Alleingang des FC Bayern in der Bundesliga an. Michael Reschke und Max Eberl wollen dies verhindern.

von Florian Plettenberg

Der FC Bayern grüßt nach dem ungefährdeten Gala-Sieg in Stuttgart (3:0) von der Tabellenspitze. Geht es nach Michael Reschke, wird sich an diesem Zustand in den kommenden Spielzeiten nichts ändern. "Sie werden dieses Jahr Meister, nächstes Jahr und übernächstes", legte sich der Sportvorstand des VfB bereits am Samstagabend fest.

Wenngleich erst zwei Spieltage gespielt sind und der VfL Wolfsburg sowie Hertha BSC mit sechs Punkten zumindest noch punktgleich mit dem Rekordmeister sind, stellt sich bereits jetzt die Frage, wer die Bayern auf dem Weg zur 29. Meisterschaft überhaupt aufhalten soll und vor allem: Wie stoppt man die Dominanz der Münchner?

Reschke schlägt Playoffs vor

Eine Idee lieferte Reschke höchst selbst. "Vielleicht muss man sich in der Bundesliga mal mit einem Playoff-System beschäftigen. Ende der Saison spielen die ersten vier Mannschaften den Meister aus", schlug der 60-Jährige bei Sky vor. Die Folge wäre für Reschke mehr "Spannungsgehalt" in der Liga, schließlich wäre in diesem Modus "die Meisterfrage wieder völlig offen."

Rekordnationalspieler Lothar Matthäus (150 Länderspiele) ist der Idee zwar nicht gänzlich abgeneigt, dennoch gibt der 57-Jährige bei Sky zu bedenken: "Die Bundesliga besteht jetzt seit über 50 Jahren. Der Meister ist halt die Mannschaft, die nach Hin- und Rückrunde die meisten Punkte hat. Ich persönlich würde die Bundesliga so lassen."

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Eberl will die Bayern "bekämpfen"

Scheitert Reschkes Idee, wird es also auch in Zukunft noch mehr in der Verantwortung der Konkurrenz liegen, den vermeintlichen Vorsprung der Bayern mit eigenen Mitteln aufzuholen statt mit Wettbewerbs-Revolutionen.

Im SPORT1-Interview forderte Borussia Mönchengladbachs Manager Max Eberl (44): "Wir sollten alle, so wie Hoffenheim im ersten Spiel, versuchen, Bayern zu bekämpfen und es ihnen äußerst schwer zu machen. Damit die deutsche Meisterschaft im besten Fall nicht an Bayern geht, oder wenn dann, erst sehr spät in der Saison."

Nach zwei Spieltagen ist bereits ersichtlich, dass es die Bayern-Gegner tatsächlich mit Härte probieren und sie "bekämpfen". Eintracht Frankfurt profilierte sich bei der Supercup-Pleite (0:5) mehr mit Zweikämpfen als mit spielerischer Qualität.

Hoffenheim, das zum Auftakt 1:3 bei den Bayern verlor, hielt ebenfalls hart dagegen, was vor allem den Bayern-Bossen sauer aufstieß. Auch Stuttgart machte am Samstag, zumindest in Halbzeit eins, mit intensiven Duellen auf sich aufmerksam. Geholfen hat dies aber auch nicht, die Kovac-Elf gewann 3:0. "Die Wucht von Bayern war beeindruckend. Sie sind eine andere Kragenweite", musste Reschke feststellen.

Sind Top-Transfers die Lösung?

Bliebe die Möglichkeit, dass die Konkurrenz vor allem in der Qualität von Transfers zulegt. Im Vergleich zu den europäischen Topligen in England, Spanien und Italien hielt sich die Bundesliga in diesem Sommer jedoch vornehm zurück.

Namhafte Stars scheinen, wenn überhaupt, nur noch mit den Bayern zu flirten. Stattdessen entwickelt sich die Bundesliga immer mehr zum Ausbildungsbetrieb für Talente, die es später ins Ausland zieht.

Die Folge zeigt sich bereits: Weniger Qualität in der Bundesliga, noch mehr Vorsprung für die Bayern, deren Kader durchweg und auf jeder Position doppelt mit extrem hoher Qualität besetzt ist.

Bayern-Stars warnen sich selbst

So bleibt, im Sinne des Spannungserhalts, die Hoffnung, dass es eben doch keinen Durchmarsch der Bayern geben wird. Frühzeitige Glückwünsche zur Meisterschaft nehmen die Bayern ohnehin nicht an.

"Man darf sich nicht zu sicher sein, dass wir durchmarschieren. Es wird Phasen geben, da wird es schwer und da werden wir Spiele verlieren", prophezeit Mats Hummels (29). Arjen Robben (34) stellt zudem fest, dass sich auch andere Mannschaften verstärkt haben und die Bayern ärgern könnten. "Dortmund hat gute Einkäufe gemacht. Hoffenheim hat eine Kampfansage gemacht und Schalke auch", so der Niederländer.

Den Beweis dafür, es mit den Bayern ernsthaft aufnehmen zu können, muss die Konkurrenz jedoch erst noch liefern. Schafft sie das, sind Wettbewerbs-Revolutionen vielleicht gar nicht notwendig.