Sinsheim - Christian Pulisic wahrt den Nimbus des BVB unter Trainer Lucien Favre. Einige Aufreger in Hoffenheim bleiben unaufgeklärt. Marco Reus fordert eine Steigerung.

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Auf die Frage, was denn da los gewesen war Mitte der zweiten Halbzeit, winkte Lucien Favre ab. "Ein Kommunikationsfehler", sagte der Trainer von Borussia Dortmund, "aber das will ja kein Mensch mehr wissen." Hätte man schon...

Fakt ist: Favre war ziemlich überrascht und aufgeregt vor der Trainerbank, als nach einem Doppelwechsel plötzlich Marius Wolf dort draußen vor ihm stand. Wen er stattdessen hatte auswechseln wollen, verriet der Schweizer nicht. Schwamm drüber.

Das 1:1 des BVB bei der TSG Hoffenheim hatte auch so genügend Aufreger zu bieten. (SERVICE: Die Tabelle der Bundesliga)

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BVB ist das Team der späten Tore

Die Führung der Gastgeber durch den Brasilianer Joelinton unmittelbar vor der Pause etwa. Den nicht gegebenen Treffer von Ermin Bicakcic wegen Abseits nach Anwendung des Videobeweises. Die Rote Karte gegen den Dortmunder Innenverteidiger Abdou Diallo in der 75. Minute - ohne Intervention aus dem Kölner Keller. Und natürlich den Ausgleich in Unterzahl durch Christian Pulisic sechs Minuten vor dem Ende.

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Der nicht der Schlusspunkt gewesen wäre, hätte Hoffenheims Joker Ishak Belfodil in der zweiten Minute der Nachspielzeit nicht aus einem Meter senkrecht in den Himmel statt ins Tor geschossen. (LIVETICKER zum Nachlesen)

So aber bleibt der Nimbus der Unbesiegbarkeit unter Favre bestehen. "Weil wir eine überragende Moral gezeigt haben", sagte Kapitän Marco Reus, der den Treffer von Pulisic in Unterzahl vorbereitet hatte.

Es war übrigens Dortmunds sechstes von elf Toren in dieser Saison, dass in oder nach der 85. Minute gefallen ist. "Wir glauben an uns und geben nicht auf", sagte Torschütze Pulisic, der schon am Dienstag das Siegtor in der Champions League in Brügge erzielt hatte.

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Favre sieht "ein gutes Signal"

Diese Moral, dieser Glaube an die eigene Stärke, dieser Wille, nicht verlieren zu wollen - das ist schon ein Unterschied zur so ernüchternden vergangenen Saison.

"Dass wir zurückgekommen sind, ist natürlich ein gutes Signal", machte auch Favre aus seiner Freude keinen Hehl, blieb aber gewohnt sachlich und kritisch: "Die ersten 15 Minuten waren gut, danach leider nicht mehr. Danach war fast jeder Ballverlust ein gefährlicher Konter." Und Reus befand selbstkritisch: "Warum wir erst in Unterzahl wieder mehr Fußball gespielt haben, weiß ich nicht. Klar ist: Wir müssen uns spielerisch steigern!"

Eine Szene lag ihm jedoch am Herzen und schwer im Magen zugleich. "Das war nie und nimmer ein Platzverweis für Diallo", sagte Reus: "Dann müssen pro Partie vier bis fünf Spieler runter fliegen."

Unstrittig war der Platzverweis in der Tat nicht, aber schon auch nachzuvollziehen. Diallos Kopfballrückgabe zu Torhüter Roman Bürki geriet zu kurz, im Anschluss fand man seinen ausgestreckten Arm am Körper seines Gegners.

Auf der Gegenseite haderte Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann, dass der schon verwarnte Mo Dahoud nach einem Dauerhalten über das halbe Spielfeld nicht ebenfalls Rot sah.

Reus verurteilt Hetze von BVB-Fans gegen Hopp

Viele Aufreger eben - und das auch schon vor dem Anpfiff. Nachfragen zum Beispiel bei Sky, warum Mario Götze nicht einmal im Kader stand, empfand Favre als "Respektlosigkeit".

Und Dortmunder Fans fielen einmal mehr gegenüber Dietmar Hopp aus der Rolle, hielten im Auswärtsblock ein riesiges Banner über ihre Köpfen, auf dem der TSG-Mehrheitseigner mit einem roten Fadenkreuz zu sehen war.

"Für persönliche Beleidigungen ist kein Platz im Fußball. Nicht auf dem Platz, aber auch nicht im privaten Leben", sagte Reus dem Hörfunk der ARD und verurteilte die Aktion der Anhänger. Ein Statement, mit dem der Nationalspieler vielleicht noch mehr punktete als mit seiner Torvorlage.