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Frankfurt am Main - Eintracht Frankfurt spielt sich beim 4:1 gegen Hannover 96 in einen Rausch. Ante Rebic überragt. Die Gäste stehen nach vier Niederlagen in Folge am Tabellenende.

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Trainer Andre Breitenreiter redete nach dem Sturz auf den letzten Tabellenplatz intensiv und lautstark auf die Spieler von Hannover 96 ein, und diese gaben sich immerhin selbstkritisch. (Zur Tabelle der Bundesliga

"Jeder muss vor seiner eigenen Haustüre kehren, da liegt genug Schutt", sagte Pirmin Schwegler nach der 1:4 (0:2)-Pleite bei Eintracht Frankfurt bei Sky und fügte nach der vierten Niederlage in Serie an: "Am Anfang hatten wir eine Ergebniskrise. Jetzt haben wir eine Leistungskrise."

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Hannover wartet auswärts seit 16 Spielen auf einen Sieg und bot am Sonntag eine erschreckend schwache Leistung. Die Luft für Breitenreiter wird langsam dünner. Sein Team ist als einziges in der Fußball-Bundesliga noch ohne Sieg. (Alle Ergebnisse im Überblick)

Breitenreiter fällt vernichtendes Urteil

Breitenreiter fällte nach der vierten Niederlage im sechsten Saisonspiel sogar ein vernichtendes Urteil über seine Elf. "Es nützt jetzt nichts, nach dem Spiel in der Kabine zu sitzen und sauer zu sein", sagte der Coach bei Sky.

"Da muss ich sauer auf dem Platz sein, um alles auf dem Platz zu bringen. Das fehlt aber auch momentan bei jedem Einzelnen. Auch ein Stück weit die Überzeugung und der Glaube, weil dann kleine Fehler direkt dazu führen, in Rückstand zu geraten. Und heute sind wir zusammengefallen wie ein Kartenhaus."  

Breitenreiters bitteres Fazit: "Es gibt nichts schön zu reden: Das war nicht gut genug für die Bundesliga."

Schwegler war sogar so angefressen, dass er sich nach dem Spiel aus Frust sein Trikot zerriss. "Wir werden weiter alles investieren. Das kann ich versprechen", kündigte der Schweizer zumindest an. Das Tor von Florent Muslija (86.) war für die harmlosen Gäste viel zu wenig. (Das Spiel zum Nachlesen im TICKER)

Erstes Bundesliga-Tor für N'Dicka

Obite N'Dicka (36.), der kroatische Vize-Weltmeister Ante Rebic (45.+1) bei seinem Startelf-Comeback, Jonathan de Guzman (59.) und Luka Jovic (89.) trafen hingegen für die Hessen, die sich aus der Abstiegszone erst einmal befreiten. "Wir standen unter Druck. Wir sind das Spiel aber ruhig angegangen. Das Tor war ein komisches Gefühl, weil ich es nicht gewohnt bin", sagte N'Dicka.

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Die Hausherren waren zu Beginn vor 46.300 Zuschauern das bessere Team. Im neuen System mit Dreierkette agierte die Eintracht deutlich offensiver als die Gäste, die - ihrem Tabellenplatz entsprechend - zunächst auf eine kompakte Defensive und auf Konter setzten. Im Angriff fand Hannover aber fast nicht statt.

Zwar hatten die Niedersachsen in ihrer Bundesliga-Geschichte gegen kein Team mehr Siege gefeiert als gegen Frankfurt (19), die vorausgegangenen vier Partien hatte aber die Eintracht gewonnen. Um die Bilanz zu verbessern, hatte Breitenreiter rotiert und seine Startelf nach dem 1:3 gegen 1899 Hoffenheim auf vier Positionen verändert.

Bei der Eintracht war der starke Rebic, der unter der Woche bei Borussia Mönchengladbach (1:3) eingewechselt worden war und gleich getroffen hatte, nicht der einzige Neue: Trainer Adi Hütter nahm für das neue System gleich fünf Wechsel vor. Im Sturm sorgten Rebic, Sebastian Haller und Allan Souza immer wieder für Gefahr.

Hannover fehlt Selbstvertrauen

Hannover war das fehlende Selbstvertrauen nach dem schwachen Saisonstart deutlich anzumerken. Den Niedersachsen fehlten Tempo und Durchsetzungsvermögen. In der Offensive vertändelte das Breitenreiter-Team in der ersten Halbzeit selbst die wenigen vielversprechenden Spielzüge. 

Der bissiger auftretenden Eintracht gelang es nach etwas über einen halben Stunde, daraus Kapital zu schlagen. Hannover bekam den Ball nach einer Ecke nicht geklärt, Haller legte per Kopf auf N'Dicka auf, der den Fuß hinhielt. Der von den Fans gefeierte Rebic traf wenig später aus 14 Metern, wieder kam die Vorarbeit von Haller.

Nach der Halbzeitpause stellte Breitenreiter um, die Stürmer Hendrik Weydandt und Bobby Wood kamen. Zwingendes gelang den Gästen zunächst trotzdem nicht. Frankfurt lauerte in unveränderter Formation auf Konter. Nach gut einer Stunde bediente Rebic den besser platzierten de Guzman, der zur Entscheidung ins leere Tor traf.