Markus Hörwick hat in seiner Zeit als Mediendirektor beim FC Bayern auch Arjen Robben eng begleitet © imago

München - 30 Jahre lang war Markus Hörwick Pressesprecher und Mediendirektor beim FC Bayern. Er enthüllt spannende Details aus den Amtszeiten der Trainer.

von Marcel Bohnensteffen

Er hat sie alle miterlebt. Otto Rehhagel. Ottmar Hitzfeld. Felix Magath. Jürgen Klinsmann. Jupp Heynckes. Pep Guardiola.

In mehr als 30 Dienstjahren als Mediendirektor des FC Bayern München hat Markus Hörwick ein gutes Gespür dafür entwickelt, welcher Trainer wirklich zum Rekordmeister passt – und welcher nicht.

Im Interview mit der ZEIT hat Hörwick jetzt auf die Amtszeiten der Bayern-Coaches in den vergangenen zwei Jahrzehnten zurückgeblickt. Das Credo: Felix Magath war jener Trainer, vor dem die Münchner Stars am meisten zitterten.

Hörwick: "Unter Magath hatten die Bayern-Spieler Angst"

"In dessen Trainerzeit ist jeder Spieler an die Säbener Straße gekommen und hatte Angst, Fehler zu machen. Das versetzte die Mannschaft permanent in höchste Konzentration", sagte Hörwick.

Magath mag Erfolg gehabt haben mit dieser Strategie, er wurde zweimal hintereinander überlegen Doublesieger. Wirklich beliebt bei seinen Spielern war er jedoch nicht – ganz im Gegenteil zu Ottmar Hitzfeld und Jupp Heynckes.

Für den ehemaligen Mediendirektor zwei "großartige Menschenfänger", bei denen die Profis und sämtliche Mitarbeiter im Umfeld der Mannschaft bereit waren, "für diese beiden durchs Feuer zu gehen". In dieser Hinsicht, befand Hörwick, seien Hitzfeld und Heynckes "unerreichbar" gewesen. "Teamführung, Menschlichkeit und Empathie geben den Ausschlag, diese Fähigkeiten machen den Unterschied", sagte Hörwick.

Bayern Munich Training Camp - Day 2
Felix Magath (l.) als Bayern-Trainer 2007 im Trainingslager in Dubai © Getty Images

Hörwick über Klinsmann: "Das tut man nicht"

Eine große Aura ist aber keine Garantie für einen Trainer, beim Rekordmeister auch erfolgreich zu sein. Dafür ist das Scheitern Otto Rehhagels ein gutes Beispiel. Für Hörwick resultierte das auch aus der Unnahbarkeit von König Otto. "Rehhagel wollte nur mit Beckenbauer reden, andere Gesprächspartner lehnte er ab", sagte er der ZEIT.

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Womöglich gab es neben Rehhagel beim FC Bayern nur eine weitere Traineramtszeit, die noch mehr schiefging: die Jürgen Klinsmanns. In der Nachbetrachtung sieht Hörwick wenig Positives in dessen Ära.

"Im Jahr vor Klinsmann hat der FC Bayern das Double gewonnen, mit ihm gar nichts und nach ihm sofort wieder das Double, ich glaube, das sagt alles", befand Hörwick. "Er wollte im Verein alles ändern, das tut man nicht."

Als der Klub seinerzeit realisierte, dass Klinsmanns Revolution in die falsche Richtung lief, wurde der Trainer beizeiten geschasst.

Bayern Muenchen v FC Schalke 04 - Bundesliga
Jürgen Klinsmann muss im April 2009 nach der Heimpleite gegen Schalke 04 seinen Platz auf der Trainerbank des FC Bayern räumen © Getty Images

"Unter Guardiola nicht einmal im Wald"

Jahre nach ihm heuerte an der Säbener Straße ein neuer Fußball-Visionär an: Pep Guardiola. Für Hörwick der "faszinierendste Trainer, den wir je bei Bayern hatten".

Nur gewann der Katalane eben nicht die Champions League. Wohl auch deshalb bleibt er in der Gunst vieler Fans hinter Heynckes und Hitzfeld zurück.

Beim medizinischen Staff machte sich Guardiola in seiner Amtszeit wegen seiner Trainingsmethoden angreifbar. Dazu sagte Hörwick in der ZEIT: "Immer hieß es nur: warm machen und dann spielen, spielen, spielen. Ich habe in drei Jahren mit Pep Guardiola die Mannschaft nicht einmal im Wald gesehen, nicht eine Steigerungsrunde auf dem Trainingsplatz laufen sehen."

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