München - Kurz vor Ende der Transferperiode gelingt dem FC Schalke 04 noch ein echter Coup. Sebastian Rudy könnte eine bedrohliche Schwachstelle im Team beheben.

von Constantin Eckner

Obwohl die Bundesliga-Saison bereits in vollem Gange ist, wirkte die Mannschaft des FC Schalke 04 noch unfertig. Das 1:2 in Wolfsburg am vergangenen Samstag verdeutlichte die Probleme im Spielaufbau. Im Sommer verließ Max Meyer den Verein und bis jetzt war nicht ersichtlich, wer den 22-Jährigen ersetzen sollte.

Für das zentrale Mittelfeld verpflichteten die Schalker für jeweils rund 10 Millionen Euro Suat Serdar und Omar Mascarell. Wenngleich beide viel Talent mitbringen und auf der Sechserposition spielen können, verfügen sie nicht über die Ballsicherheit eines Meyers. Dieser wurde in der letzten Saison von Trainer Domenico Tedesco in die für ihn gewohnte Rolle vor der Abwehr gesteckt und stach dort mehr heraus als noch in den Jahren zuvor im offensiven Mittelfeld.

Meyer spielte nicht etwa im Stile eines klassischen Gestalters viele Pässe nach vorn und durch die Schnittstellen, sondern er war vor allem wichtig, wenn es darum ging, den Ball zu sichern. Wenn Naldo, Thilo Kehrer und die anderen Verteidiger Schwierigkeiten hatten, sich gegen das Pressing des Gegners zu erwehren, konnten sie den Ball zumeist zu Meyer spielen. Dieser behielt aufgrund seiner technischen Fähigkeiten auch unter Druck die Ruhe. Er konnte sich geschickt drehen, Angreifer ins Leere laufen lassen und den Schalker Angriff am Leben erhalten.

Rudy als Schalker Problemlöser

Nun entschied sich Meyer allerdings vor einigen Monaten dazu, keinen neuen Vertrag bei seinem Ausbildungsverein zu unterschreiben. Mittlerweile ist er nach längerer Vereinssuche bei Crystal Palace in der Premier League gelandet. Schalke stand damit vor dem Dilemma, eine essenzielle Rolle im Mittelfeld neu zu besetzen.

In Wolfsburg nahmen Serdar und Weston McKennie die Positionen vor der Dreierkette ein – mit mäßigem Erfolg. In anderen Partien durfte sich Nabil Bentaleb als Sechser versuchen. Doch wie schon in der Vergangenheit hatte der Algerier so seine Probleme mit dieser Rolle. Ihm fehlt teilweise die Übersicht, weshalb er mit seiner intensiven Spielweise andere Aufgaben übernehmen sollte.

Deshalb wurde Schalke folgerichtig nochmals aktiv auf dem Transfermarkt, als sich die Möglichkeit ergab, Rudy nach Gelsenkirchen zu locken. Auf Schalke kann er - anders als in München - davon ausgehen, dass Tedesco ihn als Stammspieler einplant. "Wir bekommen einen sehr spielintelligenten und technisch versierten Spieler", sagte Schalkes Trainer: "Wir sind sicher, er kann uns direkt weiterhelfen".

Schalke mit Rudy auf die nächste Ebene?

Rudy verkörpert einen Mittelfeldspieler, der gemeinhin "Ankersechser" genannt wird. Das heißt, er besetzt die Position vor der Abwehr und verbindet die einzelnen Mannschaftsteile. Er leitet Bälle weiter, sichert Mitspieler ab und hilft an allen Ecken und Enden. Damit füllt Rudy nicht unbedingt Highlight-Videos, aber er ist enorm wertvoll für das System. Ebenso wie es Meyer in der vergangenen Spielzeit war.

Schalke-Trainer Tedesco setzte in der erfolgreichen letzten Saison ein besonderes Augenmerk auf die defensive Stabilität. Die Königsblauen konterten viel und erfolgreich. Doch in längeren Ballbesitzphasen wurden einige Unzulänglichkeiten deutlich, die Tedesco nun langsam beheben muss, um Schalke weiterhin unter den Top-Teams der Liga zu etablieren. Genau dafür kann ein Rudy Gold wert sein. Das hat er gerade in seiner Zeit bei der TSG 1899 Hoffenheim bewiesen, als viel Verantwortung auf seinen Schultern lastete und er nicht nur Ergänzungsspieler wie in München war.

Im Spielaufbau bringt er Ballsicherheit, Spielintelligenz und präzises Passspiel mit. Und geht der Ball verloren, weiß Rudy zumeist, wann er ins Gegenpressing schalten und wann er sich zurückziehen muss. Das gibt auch seinen Mitspielern mehr Selbstvertrauen. Selbstvertrauen, das nötig ist, um das Schalker Spielsystem weiterzuentwickeln - und um auch in dieser Saison wieder ganz vorne anzugreifen.

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