Mönchengladbach - Max Eberl spricht bei SPORT1 über Gladbachs Saisonstart und die Transferpolitik. Hoffenheims Auftritt gegen die Bayern wertet der Sportdirektor als beispielhaft.

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Mit zwei Siegen zum Saisonstart gegen Hastedt im Pokal (11:1) und Bayer Leverkusen am ersten Spieltag (2:0) hat Borussia Mönchengladbach früh seine Ansprüche untermauert.

Die Fohlen, die am Samstag beim FC Augsburg (Sa., 15.30 Uhr im LIVETICKER) nachlegen wollen, sind nach zwei Jahren ohne Europapokal heiß auf die vorderen Plätze.

Im SPORT1-Interview verrät Sportdirektor Max Eberl, ob Gladbach nach oben schielen darf, wie die Dominanz der Bayern gebrochen werden soll und was er von Joachim Löws WM-Analyse hält.

SPORT1: Herr Eberl, wie zufrieden sind Sie mit dem Saisonstart?

Max Eberl: Wir haben uns im Sommer sehr sehr viele Gedanken gemacht, was wir verändern wollen, was für Ansätze und neue Ideen wir finden. Ich glaube, dass man die ersten acht, neun Wochen inklusive Pokal und erstem Bundesliga-Spiel durchaus als gelungen bezeichnen kann. Es hat noch nicht alles funktioniert, aber doch viele Dinge. Auch weil wir wieder mehr Konkurrenz im Kader haben.

SPORT1: Wie lautet Ihre Philiosophie auf dem Transfermarkt?

Eberl: Unsere Transferbilanz steht bei null, Einnahmen und Ausgaben stehen bei null. Da sieht man genau, wie unser Weg aussieht. Wir wollen junge Talente finden. Wir haben diesen Weg vor zehn Jahren begonnen. Ich könnte jetzt hier sitzen und 25 Namen nennen, die als junge Spieler gekommen sind, sich entwickelt haben und unserem Verein sportlich geholfen haben und dann für gutes Geld verkauft worden sind. Das ist die Fohlen-Philosophie, die wir haben: junge Spieler finden, am liebsten aus dem eigenen Stall. Davon hatten wir auch einige. Aktuell sind das Louis Beyer aus dem eigenen Stall und Florian Neuhaus, der nach seiner Leihe in Düsseldorf jetzt die nächsten Schritte macht. Wenn wir dann die Möglichkeit haben, Transfererlöse zu erzielen wie mit Vestergaard, dann können wir uns auch Stürmer wie Alessane Plea leisten. Das ist der Weg, den wir immer wieder gegangen sind. Wir sind ein Verein, der gesund ist. Wir investieren, wenn wir können. Wenn wir Einnahmen haben, sprich durch den Europapokal oder Transfers, dann sind wir auch bereit, in diese Mannschaft zu investieren. Trotzdem bleibt der Weg der jungen Spieler der alternativlose für unsere Borussia.

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SPORT1: In der vergangenen Saison gab es Kritik an Trainer Dieter Hecking. Können Sie das nachvollziehen? 

Eberl: Ich finde es allgemein schade, dass wenn ein Trainer, Spieler, Sportdirektor mal schlecht performen, direkt über Köpfe nachgedacht werden soll. Wenn wir dahin kommen, dass keiner mehr Fehler machen oder mal eine schlechtere Phase haben darf und sofort Entlassungen gefordert werden, finde ich das schade. Wir haben mit Dieter Hecking keine schlechte Saison gespielt, sondern eine schlechte Halbserie. Er ist jetzt eineinhalb Jahre da. Ich unterteile das gerne in drei Halbserien. Zwei waren gut bis sehr gut, eine entsprach punktetechnisch nicht dem, was wir uns alle vorgestellt haben. Er sich übrigens auch nicht.

SPORT1: Thema Nationalmannschaft: Hat Joachim Löw die richtigen Schlüsse aus dem WM-Debakel gezogen?

Eberl: Joachim Löw hat eine entwaffnend ehrliche Analyse gegeben von den Themen, die er falsch eingeschätzt hat. Wenn ein Cheftrainer einer Nationalmannschaft es so offen anspricht, welche Fehleinschätzungen er hatte, dann ist das bemerkenswert. Man sollte das dann so auch wertschätzen, weil ich finde, dass es sportlich zu wenig wertgeschätzt wird. Es ist kein großer Umbruch, es sind trotzdem 17 von 23 WM-Teilnehmern mit dabei. Wir werden jetzt ja nicht reihenweise neue Spieler produzieren. Er hat mit drei Neulingen plus Leroy Sane doch Spieler dazu genommen, er hat Sami Khedira weggelassen, neben den Spielern wie Mesut Özil oder Mario Gomez, die sich aus der Nationalmannschaft verabschiedet haben. Es war nicht zu erwarten, dass 20 neue Spieler zur Nationalmannschaft kommen. Ich fand die die Analyse treffend. Noch einmal: Fußball ist nicht so kompliziert, wir alle wussten schon in welche Richtung das gehen kann, aber entscheidend wird sein, wie die nächsten Wochen und Monate bestritten werden.

SPORT1: Wie schätzen Sie das momentane Liga-Niveau ein? Was muss in der Liga und der Nationalmannschaft besser werden?

Eberl: Wenn man sich die Liga ansieht, ist der FC Bayern in den letzten Jahren doch ständig im Halbfinale der Champions League aufgetaucht. Klar, wir haben den Titel nicht geholt, wir haben als gesamte Liga in der Europa League nicht so gut performt. Wir in Gladbach haben eine gute Bilanz gehabt, aber als Liga haben wir es in den letzten Jahren nicht so gut hinbekommen - Bayern in der Champions League schon. Wenn wir jetzt mit Bayern, Schalke und Dortmund in die Champions League gehen, habe ich ein richtig gutes Gefühl, dass wir mit allen Mannschaften die Chance haben weiterzukommen. Wie weit es dann reicht, wird man sehen. Mit Leverkusen, Frankfurt und RB Leipzig in der Europa League haben wir Mannschaften, die erfolgreich sein können. Wir sollten alle, so wie Hoffenheim im ersten Spiel, versuchen, Bayern zu bekämpfen und es äußerst schwer zu machen. Dass die deutsche Meisterschaft im besten Fall nicht an Bayern geht, oder wenn dann, erst sehr spät in der Saison. International wünsche ich mir, dass wir das besser hinkriegen.

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SPORT1: Hans Meyer ist am Sonntag im CHECK24 Doppelpass zu Gast. Hat er sich verändert, ist er mit dem Alter ruhiger geworden oder das Gegenteil, vielleicht nerviger oder lauter geworden?

Eberl: Da bin ich der falsche Ansprechpartner, weil ich Hans Meyer in allem, was ich erreicht habe, sehr dankbar bin. Er hat mich damals trotz meiner Qualitäten, die nicht so berauschend waren, als Spieler aufgestellt. Als ich Sportdirektor wurde, habe ich ihn als Trainer geholt und durfte in diesem dreiviertel Jahr sehr viel von Ihm lernen, wie zum Beispiel, was in einer Mannschaftsbildung wichtig ist. Jetzt unterstützt er uns als Präsidiumsmitglied, damit meine mich und den Trainer, in vielen Fragen was das Sportliche betrifft. Er ist ein unglaublich weiser, vielleicht nicht immer besonnener, Ratgeber. Er hat seine Meinung und diese vertritt er auch, das ist auch gut so. Man kann über Fußball diskutieren, man lernt sehr viel von ihm und davon profitiere ich und der ganze Klub.

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