München - Das Tauziehen um Jerome Boateng zwischen PSG und Bayern ist auch nach dem Transfer von Thilo Kehrer noch nicht beendet. SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

von Florian Plettenberg

Beim Geheimtraining am Dienstagvormittag trainierte Jerome Boateng voll mit.

In Team "Rot" spielte er unter anderem mit Thomas Müller zusammen. Jenem Mitspieler, der sich wie zuvor schon Arjen Robben, Franck Ribery und Manuel Neuer dafür einsetzte, den wechselwilligen Innenverteidiger von einem Verbleib beim FC Bayern München zu überzeugen.

Wie viel Wirkung die Fürsprache der Superstars zeigt, ist aber noch nicht sicher.

SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zum Boateng-Poker.          

Verzichtet Paris auf Boateng, weil Thilo Kehrer kommt?

Dass Kehrer nun zu Paris St. Germain wechselt (noch ist der Transfer nicht bestätigt), lässt die Chancen auf einen Boateng-Transfer zum französischen Meister jedenfalls nicht steigen.

ANZEIGE: Jetzt Fanartikel des FC Bayern kaufen - hier geht es zum Shop

Kehrer ist bei Paris aber nicht nur für die Innenverteidigung vorgesehen, also der Stammposition von Boateng beim FC Bayern. Kehrer kann auch den Außenverteidiger geben und im Mittelfeld spielen. Das tat er bereits bei Schalke 04.

Sollte Taktik-Tüftler und Paris-Trainer Thomas Tuchel Kehrer nun gar nicht als Innenverteidiger einplanen, wäre Boateng wieder im Rennen.

Ein Problem jedoch ist, dass Paris schon jetzt unter Beobachtung der UEFA-Auflagen des Financial Fair Plays steht. Die rund 37 Millionen Euro Ablöse für Kehrer muss Paris mit Verkäufen mindestens ausgleichen.

Welche Probleme hat Paris mit dem Financial Fairplay?

Vereinfacht gibt die Richtlinie des Financial Fairplays vor, über einen längeren Zeitraum nicht mehr Geld ausgeben zu dürfen, als einzunehmen. Eine Richtlinie, die bislang jedoch nicht immer konsequent verfolgt und mit Tricks der Vereine mitunter umschifft wird.

Paris investiert seit Jahren Unsummen: 222 Millionen Euro Ablöse flossen allein im Neymar-Deal im vorigen Sommer, Kylian Mbappe wurde erst ausgeliehen und diesen Sommer für 135 Millionen Euro transferiert. Insgesamt kann die Ablöse aufgrund weiterer Vereinbarungen auf 180 Millionen Euro ansteigen.

Gianluigi Buffon kam in der aktuellen Wechselperiode ablösefrei von Juventus Turin. Dem stehen Verkäufe im Wert von bisher rund 65 Millionen Euro entgegen (u.a. Javier Pastore zum AS Rom). Paris hat also bereits diesen Sommer 70 Millionen Euro mehr ausgegeben als eingenommen – Kehrer nicht einberechnet. In der Vorsaison lag der Transfersaldo der Pariser schon bei minus 145 Millionen Euro.

Bis 30. Juni 2019 muss PSG seine Einnahmen deutlich steigern und rund 100 Millionen Euro einnehmen, um etwaige Transfers auszugleichen. Ein Ausweg könnten auch neue Sponsoringverträge sein. US-Gigant Nike soll aktuell etwa 20 Millionen Euro pro Jahr als Ausrüster zahlen. Durch die in den vergangenen Jahren hinzugekauften Stars wie Neymar wird diese Summe aber massiv ansteigen. Zum Vergleich: Barcelona soll jährlich bis zu 95 Millionen Euro von Nike kassieren. 

Kurzum: Solange PSG nicht Einnahmen generiert, vor allem kurzfristig durch Spielerverkäufe, ist ein Kauf von Boateng aufgrund der Auflagen zumindest aktuell schwer realisierbar. Möglich wäre jedoch eine Leihe plus Kaufoption.

Steht Boateng noch zum Verkauf?

Ja, denn bislang gab es weder seitens des Vereins, noch seitens des Spielers oder seines Beraters Christian Nerlinger etwas Gegenteiliges zu hören. Auch Hasan Salihamidzic hätte nach dem Supercup die Möglichkeit gehabt, ein klares Bekenntnis zu Boateng abzugeben.

Auf die Frage, ob der Kehrer-Wechsel bedeutet, dass Boateng endgültig beim Rekordmeister bleibt, sagte der Sportdirektor jedoch: "Ich rede darüber nicht. Der Transfermarkt muss unsere interne Sache bleiben. Wenn was passiert, dann sage ich das schon."

Heißt: Der Boateng-Poker läuft weiter. Je reservierter sich jedoch alle Parteien verhalten (wie aktuell), desto eher wahren Bayern und PSG im Falle des endgültigen Scheiterns eines Boateng-Verkaufs ihr Gesicht. Nach SPORT1-Info würde Boateng im Falle eines Verbleibs auch nicht schmollen. Vielmehr würde er mit den Bayern, bei denen er noch einen Vertrag bis 2021 hat, versuchen, sein großes Ziel zu erreichen: Der erneute Gewinn der Champions League.

Ist Boateng überhaupt fit?

Ja! Am Morgen des Testspiels gegen Rottach-Egern (20:2) trainierte Boateng mit der Mannschaft, reiste vorher mit dem Fahrrad an. Am Abend spielte er jedoch nicht gegen den Zehntligisten. Offiziell laut einer Reizung der Patellasehne.

Am nächsten Tag trainierte Boateng erneut mit der Mannschaft. Für das Supercup-Finale gegen Eintracht Frankfurt (5:0) am Sonntag fiel Boateng dann erneut aus. Wieder hieß die Diagnose: Patellasehnenreizung im rechten Knie.

Beim Geheimtraining am Dienstagvormittag mischte er jedoch erneut voll mit im Mannschaftstraining. Möglich, dass er ausgerechnet an den Spieltagen tatsächlich angeschlagen war. Fakt ist aber auch: Würde sich Boateng verletzen, wäre ein Verkauf gänzlich undenkbar.

Sein Muskelbündelriss in den linken Adduktoren, wegen dessen er den Saisonendspurt der Bayern verpasste, behindert Boateng indes nicht mehr. Das zeigte nicht zuletzt seine WM-Teilnahme.

Nervt die Mannschaft der Boateng-Poker?

Nein. Vielmehr sind langjährige Weggefährten darauf bedacht zu betonen, dass Boateng nicht verkauft werden darf.

"Wir brauchen Jerome. Er ist ein ganz wichtiger Spieler. Wenn er fit ist, gibt es ganz Wenige auf der Welt, die seine Qualität haben", sagte Thomas Müller am Sonntagabend.

Wenige Tage zuvor forderte Arjen Robben: "Es ist ganz wichtig, dass wir außer Arturo (Vidal, Anm. d. Red.) noch keinen abgegeben haben. Das ist das Allerwichtigste, denn wir haben viel Qualität in der Mannschaft. Das muss zusammenbleiben, dann können wir erfolgreich sein."

-----

Lesen Sie auch:

Weltmeister Mendy: "Mit Tolisso kannst du alles erreichen"

Supercup: Schiri-Boss räumt Fehler ein

Fanattacken und Spielerflucht: Sporting kämpft gegen Absturz