München und Mittersill - Domenico Tedesco und der FC Schalke 04 sehen sich trotz des sportlichen Erfolgs Kritik ausgesetzt. Sportvortstand Christian Heidel verteidigt bei SPORT1 die Philosophie.

von Jana Wosnitza , Carsten Arndt

Schalke 04 erlebte in der vergangenen Saison unter dem jungen Trainer Domenico Tedesco  eine sportliche Renaissance - zumindest was den Erfolg angeht. Spielerisch jedoch waren die Königsblauen oftmals nicht unbedingt in Tiki-Taka-Sphären unterwegs.

Ein Umstand, der unter anderem Ewald Lienen auf den Plan rief. Der langjährige Trainer und heutige Funktionär beim FC St. Pauli unterstellte Tedesco, mit seinem aus Lienens Sicht destruktiven Spiel "der Tod des Fußballs" zu sein. Später entschuldigte er sich für diese Aussage.

Im SPORT1-Interview verteidigt Sportvorstand Christian Heidel den Schalker Weg, nimmt Stellung zur umstrittenen 50+1-Regel und spricht über den Abschied von Klub-Legende Benedikt Höwedes.

Christian Heidel über...

... den Anspruch als Bayern-Jäger: "Viel emotionaler als Schalke geht nicht. Es geht darum, dass der ein oder andere gerne eine Parole hören würde: 'Wir greifen jetzt die Bayern an'. Das sind dann die Ersten, die lachen, wenn man gegen die Bayern verliert. Es geht nicht darum, große Töne zu spucken. Das wollen wir hier gar nicht - sondern sehr, sehr hart arbeiten, immer versuchen, besser zu werden und den Abstand auf die Bayern zu verkürzen. Dann können wir immer noch Parolen nach außen geben."

... die Kritik von Ewald Lienen an Domenico Tedesco: "Ewald hat an dem Tag zu lange in der Sonne gestanden, aber wir haben das ausgeräumt. Er hat klar gesagt, dass er sich da komplett vergaloppiert hat, weil er eigentlich ein Anhänger von Domenico Tedesco ist. Allen anderen, die auf diesen Zug aufspringen, dass der deutsche Fußball tot ist, sei gesagt, dass daran nicht die Klubs schuld sind, die in der Tabelle oben stehen. Die sollen nachdenken, bevor sie so einen Blödsinn erzählen. Wir gehen diesen Weg weiter. Niemandem ist es verboten, Schalke zu schlagen. Wir werden alles dafür tun, dass es sehr, sehr schwer wird."

... die Causa Max Meyer: "Für mich war da nichts, ein ganz normaler Fall. Der Vertrag wurde nicht verlängert und Max hat sich einen neuen Verein gesucht. Wenn es da lauter wird, ist das normal. Alles in Ordnung."

... Schalke als Ausbildungsverein: "Das ist kein Schalke-Problem. Das passiert bei anderen Klubs genauso. Bei Schalke wird das nur hervorgehoben. Es gibt Vereine, die wirtschaftlich in einer anderen Liga spielen. Damit müssen wir klarkommen. Das ist völlig normal, wir werden den Fußball und das Geschäft nicht verändern. Das ist global. Irgendwann kommen vielleicht alle zur Einsicht, dass es auch mit weniger Geld geht. Aber das dauert bestimmt noch. Wir profitieren ja aber auch davon, wenn die Spieler für hohe Ablösesummen gehen."

... das Transferfenster in England, das diesen Sommer früher schließt: "Das können wir erst beantworten, wenn es das erste Mal durchlaufen ist. Ich glaube, es verschiebt sich nur um ein paar Tage. Bislang ist es relativ ruhig. England ist ein Kaufland, ab dem 9. August werden sie ein Verkaufland. Für die deutschen Klubs wird es trotzdem schwierig, Spieler aus England zu verpflichten, weil dort ein anderes Gehaltslevel herrscht."

... Rummenigges Kritik an 50+1: "Ich kann Karl-Heinz Rummenigge total verstehen. Aber keiner weiß, was passiert, wenn die 50+1-Regel wegfällt. Es gibt Leute, die glauben, dass dann plötzlich alle deutschen Klubs reich sind und näher an Bayern rankommen. Aber wenn die Regel wegfällt und die Klubs ihre Satzung ändern, werden zehn Prozent vom FC Bayern immer noch ein Vielfaches mehr kosten als 10 Prozent Bremen, Frankfurt, Mainz oder sonst was. Ich bezweifle, dass der Abstand verringert wird. Auf der anderen Seite bedeutet ja Wegfall der Regel nicht, dass sich alle Klubs sofort komplett verkaufen. Das kann ja jeder Klub noch einmal individuell regeln. Man überbewertet den Wegfall der 50+1-Regel."

... über den Umgang mit Benedikt Höwedes: "Ich habe mich damals mit Händen und Füßen gewehrt, dass Benni zu Juventus Turin ausgeliehen wird. Ich habe ihm gesagt, dass ich von dieser Leihe nichts halte, weil man nicht wusste was passiert, wenn er nach einem Jahr zurückkommt. Wenn wir ihm aber damals den Weg verbaut hätten, hätte ich die Kritiker hören wollen nach dem Tenor: 'Ein so verdienter Spieler und Schalke entspricht nicht seinem Wunsch.' Wir waren uns einig, dass eine Rückkehr schwierig wird, weil sich die Mannschaft weiterentwickelt hat und es neue Hierarchien gibt. Trotzdem wird immer ein Teil von Benni hier auf Schalke bleiben. Ich bin noch nicht so lange hier, aber das merke und spüre ich auch. Wir werden sicher darüber nachdenken, ihm noch einmal einen gebührenden Abschied hier auf Schalke zu bereiten. Das hat er sich verdient!"