Nach seiner Ankunft in München hielt Niko Kovac den Bayern-Stars schonungslos Schwächen aus dem DFB-Pokalfinale gegen Frankfurt vor. Die Maßnahme zeigte Wirkung.

von Marcel Bohnensteffen

Niko Kovac hatte schon gewonnen, noch ehe er beim FC Bayern als neuer Trainer anheuerte.

Im DFB-Pokalendspiel brachte er seinem neuen Klub mit Eintracht Frankfurt eine empfindliche Niederlage bei.

Ihre eigene 1:3-Pleite von Berlin führte Kovac den Bayern-Stars dieser Tage noch mal vor Augen.

In der Vorbereitung auf den Supercup gegen Frankfurt habe er seiner neuen Mannschaft noch mal Videosequenzen vom Pokalfinale gezeigt, sagte Kovac im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. "Thema: Kontervermeidung."

Kovac: "Haben Bayerns Schwächen ausgenutzt"

Kovac hielt seiner Mannschaft vor der ersten Bewährungsprobe in der neuen Saison also schonungslos ihre große Schwäche vor: die Anfälligkeit bei Gegenangriffen. Genau die war den Münchnern im Pokalfinale zum Verhängnis geworden.

Was Kovac mit der Videoschulung aufzeigen wollte: "Ihr hattet nicht viele Schwächen, aber die wenigen haben wir ausgenutzt."

Die Nachhilfestunde zeigte prompt Wirkung. "Wir haben wirklich keinen Konter gekriegt in diesem Spiel", sagte Kovac. Bayern revanchierte sich und schoss die Eintracht im Supercup 5:0 ab. Der Trainer hatte seinen ersten Titel mit dem neuen Klub gewonnen.

Kovac prophezeit Differenzen mit Robben und Ribery

Unterdessen ist sich Kovac bewusst, dass in dieser Saison personelle Härtefallentscheidungen auf ihn zukommen. Besonders, wenn er altgedienten Stars wie Franck Ribery oder Arjen Robben erklären muss, dass sie nur auf der Bank sitzen. Kovac prophezeit, dass es "Momente geben wird, in denen Trainer und Spieler anderer Meinung sein werden".

Nach dem bisherigen Verlauf der Vorbereitung lobt der Trainer seine Stars jedoch überschwänglich. Robben habe "alle Erwartungen um ein Vielfaches übertroffen", sagte er der SZ: "Was dieser Mann jeden Tag für seinen Beruf tut, ist faszinierend. Zu seinem großen Naturtalent kommt noch sein brutales Arbeitstalent", lobte Kovac.

Und Ribery? Den sieht der Trainer noch  auf Weltklasseniveau. "Wie er sieben Wochen Vorbereitung mit Energie und Begeisterung mitgemacht hat, das ist außergewöhnlich", sagte Kovac: "Er ist ein Mentalitätsmonster, marschiert immer voran. Ich bin sehr froh, ihn im Team zu haben."

Kovac plant weiter fest mit Boateng

Mit Jerome Boateng plant Kovac weiter fest: "Mit ihm, Mats Hummels und Niklas Süle habe ich drei Weltklasse-Verteidiger, und die brauche ich auch." Sollte der Innenverteidiger den Rekordmeister doch noch verlassen, geht Kovac aber davon aus, "dass wir über Ersatz nachdenken". 

In der Zusammenarbeit mit Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge will Kovac seiner Linie treu bleiben. "Meine Meinung werde ich sicher sagen, auch wenn sie mal eine andere als die der Chefs sein sollte", sagte der ehemalige Frankfurt-Coach und betonte: "Ich bin sicher, dass Hoeneß und Rummenigge einen selbstbewussten Trainer und keinen Ja-Sager wollen."