Manchester United wird nicht der neue Arbeitgeber von Jerome Boateng. Damit ist ein Wechsel des Münchners aber noch nicht vom Tisch.

von Florian Plettenberg

Vom Bayern-Trainingslager berichten Florian Plettenberg, Stefan Kumberger und Jana Wosnitza

Still und smaragdgrün ruht und strahlt der Tegernsee seit Tagen vor den Toren des Mannschaftshotels des FC Bayern. Lediglich um den noch immer wechselwilligen Jerome Boateng gibt es im Trainingslager täglich neue Wasserstandsmeldungen.

So auch am Dienstagabend als Boateng Manchester United absagte. In einem Telefonat mit Trainer Jose Mourinho erläuterte Boateng dem Portugiesen die Gründe, warum er nicht zu den Red Devils wechselt. Diese sollen vor allem sportlicher Natur sein.

Bereits am Sonntag, als die Bild vermeldete, dass es konkrete Gespräche zwischen dem Premier-League-Klub und den Bayern gab, stellte sich nach Ende des Testspiels beider Teams die Frage: Was will Boateng, rein sportlich gesehen, beim Mourinho-Klub?

Wechsel zu ManUnited ergab keinen Sinn

Der englische Rekordmeister, der letztmals nach der Saison 2012/13 auf Platz eins thronte und der in den vergangenen Jahren weniger für spielerischen Glanz als für verstaubten Defensiv-Fußball stand, gilt aktuell nicht als erste Adresse.

Ein erstes ManU-Angebot, welches laut BILD „nur” 25 Millionen Euro betrug, dürfte auch nicht die ultimative Wertschätzung für Boateng gewesen sein.

Zumal Boatengs Wunsch, noch einmal etwas Neues zu erleben, in Manchester nur bedingt in Erfüllung ginge. Die Stadt kennt er schon von seinem Gastspiel bei Stadtrivale City (2010-2011).

Uniteds Leistung Marke "Arbeitsverweigerung" beim 1:0-Sieg der Bayern am Sonntagabend dürfte Boateng aber ebenso Appetit auf einen Wechsel gemacht haben. Jedenfalls ist das Thema nun vom Tisch.

Ein Abschied von Boateng aus München aber noch lange nicht.

Boateng lässt sich nichts anmerken

Am Mittwochmorgen ließ sich Boateng von den andauernden Gerüchten um seine Person nichts anmerken. Zusammen mit der Mannschaft radelte er, mit Helm, zum knapp drei Kilometer entfernten Trainingsplatz in Rottach-Egern.

Boateng wirkte fokussiert und cool. Der 29-Jährige trainierte mit dem Team anschließend ab 10.30 Uhr und bei Kaiserwetter, ehe am Abend um 17.30 Uhr das Testspiel gegen Zehntligist FC Rottach-Egern ansteht. Auch Boateng soll dabei auflaufen.

Ob der gebürtige Berliner allerdings auch nach dem Schließen des Transfermarkts am 31. August für den FC Bayern aufläuft, ist nach wie vor offen.

Zwar soll es dieser Tage auch ein langes, persönliches Gespräch zwischen ihm und Kovac gegeben haben, in dem ihm der Neu-Trainer erneut vermittelte, ihn nicht abgeben zu wollen. Dennoch ist Boatengs Wechselwunsch nicht gänzlich vom Tisch.

Der Nationalspieler, der ohnehin nicht vorhat, auch nach Beendigung seiner Karriere in München zu leben, kann sich noch immer vorstellen, zu wechseln. Allerdings nicht um jeden Preis.

Minimum 50 Millionen Euro Ablöse

Nur bei einem Angebot eines Top-Klubs, das sowohl in seinem Interesse als auch in dem des FC Bayern ist, wird ihn der Rekordmeister noch in diesem Sommer verkaufen. Die Zahlen sind bekannt: Boateng hat bei den Bayern noch einen Vertrag bis 2021, verdient rund 14 Millionen Euro brutto im Jahr, die Münchner wollen mindestens 50 Millionen Euro Ablöse.

Eine Summe, die United noch nicht zahlen wollte und die Interessent Nummer zwei, Paris Saint-Germain aufgrund der Auflagen des Financial Fairplay noch nicht zahlen kann. PSG muss erstmal Spieler verkaufen.

Trainer Thomas Tuchel jedenfalls will Boateng verpflichten, das ist bekannt. Laut Bild traf sich der ehemalige Dortmunder Coach bereits im Mai mit Boateng. Kontakt zwischen beiden Klubs gab es aber noch nicht. Der französische Meister steht bislang nur mit Boateng-Berater Christian Nerlinger in Verbindung.

Warum ist Paris noch im Rennen? Weil Boateng beim Scheich-Klub auch die Möglichkeit sieht, nach 2013 mit dem FC Bayern erneut die Champions League zu gewinnen. Da er diesen Coup allerdings auch den Bayern zutraut, ist sein Verbleib beim Rekordmeister ebenso möglich.

Die nächste Wasserstandsmeldung wird daher nicht lange auf sich warten lassen.