Rottach-Egern - Arjen Robben nimmt die Bosse des FC Bayern im Transferpoker um Jerome Boateng in die Pflicht. Salihamidzic vermeidet ein Bekenntnis zum Weltmeister.

von Florian Plettenberg , Jana Wosnitza , Stefan Kumberger

Vom Bayern-Trainingslager am Tegernsee berichten unsere SPORT1-Reporter Jana Wosnitza, Florian Plettenberg und Stefan Kumberger.

Mit deutlichen Worten hat Arjen Robben die Verantwortlichen des FC Bayern im Transferpoker um Jerome Boateng in die Pflicht genommen.

"Es ist ganz wichtig, dass wir außer Arturo noch keinen abgegeben haben. Das ist das Allerwichtigste, denn wir haben viel Qualität in der Mannschaft. Das muss zusammenbleiben, dann können wir erfolgreich sein", sagte der Niederländer am Donnerstag im Trainingslager am Tegernsee.

Ein deutliches Zeichen pro Boateng? "Ja. Jerome gehört für mich zu den besten Innenverteidigern der Welt. Wir haben mit ihm schon viele Erfolge gefeiert. Ich kenne Jerome schon sehr lange. Er ist einfach sehr, sehr wichtig für die Mannschaft", legte Robben auf Nachfrage von SPORT1 nach.

Robben würde seine Empfehlung auch persönlich den Bayern-Bossen mitgeben: "Wir haben so viele Leute. Da ist es nicht gut, wenn da Spieler mitreden. Dafür haben wir andere Leute, die das entscheiden. Wenn mich aber im Vertrauen jemand fragt, werde ich ganz ehrlich meine Meinung sagen."

Für Robben ist die Sache klar. Mit Boateng lassen sich die Ziele des Rekordmeisters leichter erreichen. Und diese sind hoch: "Wir haben die Ziele klar angesprochen: Wir wollen einen Titel mehr als letzte Saison."

Also mindestens das Double.

Verhandlungen mit PSG

Ob Boateng beim Erreichen dieses Ziels mithelfen wird, ist fraglicher denn je. Zwar sagte der gebürtige Berliner, vor allem aufgrund mangelnder sportlicher Perspektiven, am Dienstag Manchester United ab und rief dafür eigens Star-Trainer Jose Mourinho an. Paris Saint-Germain, inklusive Haupt-Interessent und Trainer Thomas Tuchel, ist hingegen noch im Rennen. Wie die Bild berichtet, soll sich Boateng-Berater Christian Nerlinger noch in dieser Woche mit PSG-Sportdirektor Antero Henrique treffen – und verhandeln.

Die Bayern sind allerdings keineswegs aus dem Rennen.

Gegen Rottach-Egern nur Statist

Auffällig war am Mittwoch, dass Boateng beim 20:2 gegen A-Ligist Rottach-Egern nur die Statisten-Rolle blieb.

Während sich seine Mitspieler in Supercup-Laune ballerten, verfolgte der Innenverteidiger das Geschehen auf dem satten Grün aus dem Hintergrund, kam als einer von vier Spielern nicht zum Einsatz. Lässig vor dem Fitnesszelt sitzend, mit einem weißen Handtuch um den Nacken, sah er sich neben Serge Gnabry das Spiel an.

Warum spielte er nicht? "Ich glaube, er hatte ein bisschen was an der Patellasehne", gab Sportdirektor Hasan Salihamidzic nach dem Testspiel am Tegernsee wortkarg und unsicher zu Protokoll. Im Abschlusstraining des Trainingslagers am Donnerstagvormittag trainierte Boateng jedenfalls voll mit. Von vermeintlichen Problemen an der Patellasehne keine Spur.

Vielleicht spielte Boateng auch deshalb nicht, weil die Bayern mit ihrem Wechselkandidaten in einer heißen Phase des Transferfensters das Risiko einer Verletzung minimieren wollen.

Unterschiedliche Aussagen der Verantwortlichen

Denn der Abwehr-Hüne würde die Bayern trotz eines Vertrags bis 2021 und eines Gesprächs mit Trainer Niko Kovac noch immer verlassen wollen, sofern die Rahmenbedingungen stimmen: Der neue Verein sollte die Champions League gewinnen können, den Münchnern mindestens 50 Millionen Ablöse zahlen, das Gehalt sollte auch passen.

Schließlich verdient Boateng beim Rekordmeister bis zu 14 Millionen Euro brutto im Jahr.

Auffällig ist, wie unterschiedlich die Bayern-Verantwortlichen die Causa Boateng nach außen kommunizieren. Trainer Niko Kovac wird nicht müde zu betonen, Boateng halten zu wollen. Eben das soll er dem Leistungsträger auch in einem Vier-Augen-Gespräch im Trainingslager mitgeteilt haben.

Die Bayern-Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge würden Boateng jedoch keine Steine in den Weg legen, wenn besagte Rahmenbedingungen passen. Auch Salihamidzic vermied am Mittwochabend ein klares Bekenntnis pro Boateng.

Es scheint so, als warte man nur auf das richtige Angebot - oder darauf, dass Paris durch Spieler-Verkäufe endlich investieren darf. Denn noch verhindern auch die UEFA-Auflagen des Financial Fairplay konkrete Verhandlungen zwischen Bayern und Paris.  

Salihamidzic vermeidet Bekenntnis

"Ich werde euch benachrichtigen, wenn was passiert", sagte Salihamidzic in Rottach-Egern auf die Frage, ob Boateng am 1. September, also nach Schließung des Transfer-Fensters, noch Bayern-Spieler sei.

Nach der Erkundigung, wie er es einschätze, dass sich Routiniers wie Franck Ribery öffentlich immens für einen Verbleib des Innenverteidigers aussprechen, bat Salihamidzic um "andere Fragen".

Boateng selbst spricht dieser Tage nicht – zumindest öffentlich. Am Sonntag verließ er nach dem Test gegen Manchester United (1:0) wortlos die Allianz Arena in Richtung Mannschaftsbus, in den Einheiten am Tegernsee erlebt man ihn konzentriert und fokussiert, aber keinesfalls gelöst oder erleichtert.

Salihamidzic betont aber, dass Boateng auf ihn "einen guten Eindruck" mache. "Wir reden viel miteinander", sagte der Ex-Profi. Als der Sportdirektor um seine Einschätzung gebeten wurde, ob den Nationalspieler die andauernden Gerüchte um seine Person möglicherweise belasten würden, entgegnete Salihamidzic, dass er die Frage nicht verstehe.

Somit war zumindest die Gesprächsrunde zu Boateng beendet. Der Poker ist aber voll im Gange.

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