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Arjen Robben (l.) pflegt einen besonderen Umgang mit Niko Kovac (r.) © Getty Images

München - Arjen Robben muss beim FC Bayern mehr denn je um seine Einsatzzeiten kämpfen. Bei SPORT1 erklärt er seine neue Rolle und den Umgang mit Niko Kovac.

von Florian Plettenberg

Arjen Robben ist trotz seiner 34 Jahre noch immer verbissen.

In jedem Training läuft er vorneweg, ein Platz auf der Bank setzt ihm zu. Robben will spielen, rennen, über rechts nach innen ziehen und mit seinem starken linken Fuß den Torabschluss suchen.

Gegen Hoffenheim durfte er das erst nach seiner Einwechslung tun. Trainer Niko Kovac verbannte den Oldie zunächst überraschend auf die Bank.

Robben: "Respektiere die Entscheidung"

Noch überraschender jedoch war das, was sich nach Spielende zutrug. Kovac suchte noch auf dem Platz das Gespräch mit dem Routinier, tätschelte ihn im Gesicht, beide strahlten.

Abschließend gab es von Robben sogar einen freundschaftlichen Klaps auf den Allerwertesten von Kovac. Von einem nachträglichen Bank-Frust bei Robben war nichts zu sehen.

"Ich habe nach dem Spiel ja ehrlich gesagt, dass ich sauer und enttäuscht war. Ich respektiere aber die Entscheidung. Für einen Trainer von Bayern München ist es der schwerste Job. Er muss elf Leute aufstellen, das ist schwierig für ihn. Wir müssen ihm da helfen und können ihm nur helfen, wenn wir als Mannschaft zusammenstehen und es jeder akzeptiert”, erklärt Robben auf SPORT1-Nachfrage seinen Schmusekurs mit dem Heynckes-Nachfolger.

Robben-Loblied auf Kovac

Für Kovac, der Robben seit dem ersten Tag der Vorbereitung über den grünen Klee lobt, hat der 96-fache holländische Nationalspieler nur lobende Worte übrig: "Er macht bis jetzt einen tollen Job und geht super mit der Mannschaft um. Das ist alles gut und super. Obwohl ich enttäuscht war, ist es dann auch okay. Ich akzeptiere das und es geht weiter."

Mitte Mai erst entschieden sich die Bayern final dazu, mit Robben weiterzumachen. Sein Vertrag lief in diesem Sommer aus, der Rekordmeister hängte aber nochmal ein Jahr dran. Robben unterschrieb und schlug dafür hochdatierte Offerten, die unter anderem aus China kamen, aus.

Vorbild auf der Bank

Die Bayern-Bosse indes sensibilisierten ihn dafür, dass er in dieser Saison auch in Kauf nehmen müsse, dass ihn der neue Trainer auch mal auf die Bank setzt. Dass er in diesem Fall aber nicht schmollt und die Entwicklung von Nachrückern erschwert, sondern sie unterstützt.

Robben beherzigte diese Worte und zeigte gegen Hoffenheim ein vorbildliches Verhalten.

Dass sich Robben indes in seinem mutmaßlich letzten Jahr bei den Bayern nicht hängen lässt, war ohnehin klar. Nach wie vor ist er Trainings-Weltmeister und kann, wenn er denn fit ist, noch immer den Unterschied machen.

Kovac schätzt diese Einstellung, bewertet aber allein die Leistung. Auch deshalb entschied sich der Kroate zum Bundesliga-Auftakt zunächst für Kingsley Coman statt Robben, der zuvor im DFB-Pokal und im Supercup nicht gänzlich überzeugen konnte.

Robben gegen Stuttgart in der Startelf?

Da sich Coman jedoch schwer verletzte und etwa drei Monate auszufallen droht, wird es in den kommenden Wochen mehr denn je auf Robben ankommen. Mit ihm, Franck Ribery und Serge Gnabry, der nach Oberschenkelproblemen zurückkehrt, haben die Bayern nur noch drei etatmäßige Flügelspieler in ihren Reihen.

Ist ihm die Startelf daher am Samstag in Stuttgart sicher? "Kann sein. Aber auch das entscheidet der Chef", sagt Robben schmunzelnd und fügte deutlich hinzu: "Wir können nur erfolgreich sein, wenn alle mitmachen. Wir brauchen alle bis zum Ende."

Robben selbst wird sich bis zum Ende seiner erfolgreichen Bayern-Zeit voll reinhauen und "jeden Moment genießen". Robben macht klar: "Wenn man den Ehrgeiz nicht mehr hat, dann muss man nachdenken."

Von diesem Zeitpunkt ist Robben noch weit entfernt, auch unter Kovac.