Um Alphonso Davies von einem Wechsel zu den Bayern zu überzeugen, flog Hasan Salihamidzic eigens nach Kanada. SPORT1 klärt auf, was dann passierte.

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Wer Hasan Salihamidzic am Montag an Gate F21 in Terminal 1 des Münchener Flughafens suchte, wurde enttäuscht. Denn der Sportdirektor flog nicht mit der Mannschaft und dem Vorstand nach Philadelphia, sondern bastelte in Kanada daran, zusammen mit Chefscout Marco Neppe das kanadische Top-Talent Alphonso Davies von einem Wechsel zu den Bayern zu überzeugen.

Der Plan ging auf! Am Mittwoch bestand der 17-Jährige unter Beobachtung von Team-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt den Medizin-Check – in Philadelphia. Denn Salihamidzic brachte den Kanada-Star gleich mit in das USA-Quartier des Rekordmeisters ins Fünf-Sterne-Hotel Ritz-Carlton im Zentrum der Stadt. 

Davies kann 19 Millionen Euro kosten

Bereits vor seinem Medizincheck unterschrieb Davies einen Vertrag bis 2023 beim Rekordmeister, gültig ab 1. Januar 2019. Kostenpunkt für den jungen Mann der Vancouver Whitecaps: Rund 19 Millionen Euro inklusive möglicher Nachzahlungen. Rekord-Verkauf für einen Spieler der amerikanischen Major League Soccer!

Wie überzeugte Salihamidzic Davies, ausgerechnet nach München zu wechseln? "Wir haben viele Gespräche geführt und einen Plan aufgestellt – wie man das halt so macht. Wir haben ihm unsere Strategie gezeigt, wie er sich weiterentwickeln soll und wie wir mit ihm weiterarbeiten wollen", beschreibt der Ex-Profi die Gespräche mit dem vermeintlichen Wunderkind.

Sein Eindruck vom Nationalspieler Kanadas (13 Länderspiele/ 3 Tore): "Er ist ein super Junge und hat einen richtig guten Charakter. Ich glaube auch, dass er sich deswegen für uns entschieden hat. Weil er uns verstanden hat und weil es eine gute Zusammenarbeit sein wird."

So planen die Bayern mit Davies

Warum wollten die Bayern Davies unbedingt? "Er ist ein großes Talent mit großem Potenzial, der super Stärken hat: Speed, Power und Technik. Deswegen versprechen wir uns viel von ihm", sagt Salihamidzic.

Den Münchner Plan mit dem Linksfuß beschreibt er so: "Natürlich werden wir viel mit ihm arbeiten. Wir freuen uns, dass wir ab Januar so einen Spieler in unseren Reihen haben. Wir werden versuchen, ihn schon vorher zu uns zu holen, damit er mit uns trainiert und alles kennenlernt."

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Wenn "Brazzo" über Davies spricht, lacht der Sportdirektor. Er wirkt stolz. Vielleicht auch, weil sich die Bayern im Rennen um den Jungstar mit der Zahnspange gegen etliche Top-Vereine in Europa durchgesetzt haben. Um den Jungen, dessen Werdegang filmreif ist.

Seine Eltern entflohen dem Bürgerkrieg

2000 wurde Davies in einem Flüchtlingscamp in Ghana geboren. Zuvor waren seine Eltern vor dem Bürgerkrieg in Liberia geflohen. 2005 emigrierte er mit seinen Eltern nach Kanada. Kurz darauf zog die Familie von Toronto nach Edmonton. 2012 sagte Davies in einem Video: "Es ist mein Ziel, Profi zu werden." Der Traum wurde nur drei Jahre später wahr.

2015 wechselte Davies zu den Whitecaps, war als 14-Jähriger bereits im Kader der U18-Auswahl Kanadas. 2016 unterschrieb er seinen ersten Profivertrag, wurde kanadischer Staatsbürger, debütierte mit nur 15 Jahren in der zweiten amerikanischen Liga und wurde dort wenige Monate später zum jüngsten Torschützen aller Zeiten.

Noch im gleichen Jahr debütierte Davies in der MLS, der höchsten Spielklasse Amerikas. Sein Turbo-Durchbruch in der Nationalmannschaft gelang ihm beim Gold Cup 2017, der Kontinentalmeisterschaft in Nord-, Mittelamerika und der Karibik, wo er mit drei Treffern Torschützenkönig wurde.

Kein Wunder, dass Salihamidzic jetzt sagt: "Wir freuen uns, dass wir zum Zuge gekommen sind. Wir haben sehr viel daran gearbeitet. Es war richtig gutes Teamwork von unseren Abteilungen."

Zündet Davies ab Januar auch bei den Bayern, wird der Sportdirektor öfter Grund zur Freude haben.