Hertha BSC v FC Augsburg - Bundesliga
Pal Dardai of Hertha BSC absolvierte als Profi für die erste Mannschaft von Hertha BSC 297 Spiele. © Getty Images

München - Pal Dardai geht in sein viertes Jahr als Chefcoach von Hertha BSC. Bei SPORT1 spricht der Ungar über die besondere Beziehung zum Klub und einen neuen Star.

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Pal Dardai ist eigentlich rundum glücklich als Cheftrainer von Hertha BSC.

Den Klub kennt der 42-Jährige aus dem Effeff. Von 1997 bis 2011 war er Profi bei den Berlinern. Seit 2015 leitet der frühere Nationaltrainer Ungarns die sportlichen Geschicke bei der Hertha.

Aktuell macht sich Dardai aber Sorgen. Herthas Angreifer Davie Selke war am Samstag im Training mit seinem Teamkollegen Salomon Kalou zusammengestoßen und hatte sich eine Verletzung am Brustkorb zugezogen, die sich als Pneumothorax (Lungenkollaps) herausstellte. Inzwischen ist der 23-Jährige erfolgreich operiert worden.

"Der Ausfall tut natürlich weh. Wir werden das als Mannschaft auffangen, und ich wünsche Davie, dass er sich schnell erholt und zu uns zurückkehrt", sagte Dardai.

Im SPORT1-Interview spricht Dardai über seine besondere Beziehung zur Alten Dame, Geschäftsführer Michael Preetz und einen neuen Hoffnungsträger beim Hauptstadtklub.

SPORT1: Herr Dardai, mit welchen Gefühlen und Erwartungen gehen Sie in Ihre vierte Saison?

Pal Dardai: Ich freue mich auf die kommende Spielzeit. Ich bin zwar, wie ich gelesen habe, aktuell nach Christian Streich der Bundesliga-Trainer mit der zweitlängsten Amtszeit, aber dennoch bin ich weiterhin ein junger Trainer, der ständig dazulernt. Diese Erfahrungen der letzten Jahre helfen mir, gemeinsam mit meinem Trainerteam jetzt in der Vorbereitung gezielt an den Dingen zu arbeiten, die uns in der vergangenen Saison gefehlt haben. Da geht es beispielsweise um die Verbesserung des Offensivspiels und die Konstanz in unseren Leistungen. Das wollen wir in dieser Saison besser machen.

SPORT1: Sieben, sechs und zehn lauteten die Platzierungen in den vergangenen Jahren. Das war okay. Inwieweit ist Hertha bereit für den nächsten Schritt?  

Dardai: In der vergangenen Saison hätten wir durch mehr Konstanz in unseren Leistungen sicher einen besseren Tabellenplatz als Platz zehn erreichen können. Aber ich finde diese Platzierungen sechs und sieben in den Jahren davor für Hertha BSC nicht nur okay, sondern sehr respektabel. Vor allem beim Blick auf die finanziellen Möglichkeiten, die andere Vereine haben, und unserem grundsätzlichen Ziel, uns in der Bundesliga weiter zu etablieren, sind diese Platzierungen ein großer Erfolg. Schritt für Schritt wollen wir uns in allen Bereichen verbessern und dann sehen, wohin uns das führt.

SPORT1: Unter den bislang drei echten Neuzugängen ist Javairo Dilrosun von Manchester City sicher der neue Star. Fühlen Sie sich gut gerüstet für die neue Saison?

Dardai: Diese Transfers waren schon sehr früh fix und so konnten wir mit diesen drei Neuzugängen in die Vorbereitung starten. Das ist gut. Und zudem haben wir auch nur zwei Spieler bislang abgegeben. Der Verlauf der Vorbereitung wird zeigen, ob und in welche Richtung wir noch mal tätig werden. Ich habe bisher jedenfalls noch nie gemeckert und hatte auch keinen Grund dazu, da ich mit unserem Manager ständig im Austausch bin.

SPORT1: Was ist besonders an Dilrosun?

Dardai: Er ist ein Spielertyp, den wir so nicht im Kader haben. Er versucht zum Beispiel viele Situationen im offensiven Eins gegen Eins aufzulösen. Aber er ist noch jung, kommt in ein anderes Land und muss sich erst einmal im Bundesliga-Fußball zurechtfinden. Das sollte man nicht vergessen.

SPORT1: Pascal Köpke kam von Erzgebirge Aue. Warum ist er der Spieler, der helfen kann? 

Dardai: Pascal hat sich bisher in jeder Liga durchgesetzt, sowohl in der 3. Liga als auch in der 2. Liga gezeigt, dass er Tore schießen kann. Durch den Weggang von Julian Schieber haben wir einen jungen entwicklungsfähigen Nachfolger gesucht, der uns in der Offensive helfen kann. Wir wollen ihn mit dem Trainerteam zum Bundesliga-Stürmer entwickeln.

SPORT1: Wie soll das neue Gesicht der Hertha aussehen?

Dardai: Während meiner Zeit als Cheftrainer bei Hertha haben wir schon einigen jungen Spielern die Chance auf Bundesliga-Fußball gegeben. Sowohl Spielern aus unserer eigenen Jugend als auch Spielern, die wir geholt haben, damit sie bei uns den nächsten Schritt machen. Niklas Stark, Davie Selke, Valentino Lazaro, Karim Rekik, Maximilian Mittelstädt, Jordan Torunarigha oder die Jungs aus der U19, allen voran Arne Maier. Das sind Gesichter, die Hertha zukünftig prägen können. Aber sie können sich nur so entwickeln, weil die Mischung mit den älteren, etablierten Gesichtern bei uns passt.

SPORT1: Sie und Geschäftsführer Sport Michael Preetz kennen sich schon lange, waren Mannschaftskollegen und seit dreieinhalb Jahren ist er Ihr Chef. Wie würden Sie das Verhältnis beschreiben?

Dardai: Es ist vor allem ein tiefes, gewachsenes Vertrauensverhältnis. Jeder weiß vom anderen, wie er tickt. Das Verhältnis ist geprägt von großem gegenseitigen Respekt. Diese offene und klare Kommunikation hilft. Auch oder vielleicht in erster Linie bei schwierigen Themen. 

SPORT1: Wie sehen Sie Ihren Weg? Fühlen Sie sich nicht auch mal bereit einen größeren Klub zu trainieren oder heißt es "ewig Hertha"? 

Dardai: Ich bin in Berlin, seitdem ich Ungarn damals als Spieler verlassen habe. Berlin ist meine zweite Heimat. Ich wohne fünf Minuten vom Olympiastadion und dem Trainingsgelände entfernt. Unsere drei Söhne spielen alle bei Hertha. Die Verwurzelung ist also sehr stark. 

SPORT1: Letzte Frage: Steht Nationalspieler Marvin Plattenhardt vor dem Abschied Richtung England?

Dardai: Das ist eher eine Frage für Michael Preetz. Mir ist jedenfalls nichts bekannt.

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