Im SPORT1-Interview erklärt Bayerns Sportdirektor die Gründe für die Verpflichtung von Niko Kovac, widerspricht den Vorwürfen und blickt aufs Pokalduell in Leverkusen.

von Martin Volkmar

Es waren aufregende Tage für Hasan Salihamidzic.

Am Mittwoch schaffte der FC Bayern den Einzug ins Halbfinale der Champions League, wo am Freitag Real Madrid als Gegner zugelost wurde.

Am Samstag folgte die 5:1-Gala gegen Mönchengladbach, am Dienstag (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) steht mit dem Pokal-Halbfinale bei Bayer Leverkusen der nächste Kracher auf dem Programm.

Das größte Thema war allerdings die Verpflichtung von Niko Kovac als neuem Trainer, den Salihamidzic am Donnerstag perfekt machte. Auf die Umstände reagierte Frankfurts Sportchef Fredi Bobic höchst verärgert, am Wochenende wehrten sich die Bayern-Bosse vehement.

Im Interview mit SPORT1 erklärt der FCB-Sportdirektor seine Sicht der Dinge, nennt die Stärken des neuen Chefcoachs und blickt auf das Pokalduell.

SPORT1: Niko Kovac hat als Trainer weit weniger Erfahrung als seine Vorgänger. Sind Sie das Risiko, auf einen jüngeren Trainer  zu setzen, vielleicht sogar bewusst eingegangen?

Hasan Salihamidzic: Niko ist eine Persönlichkeit und hat als Trainer der kroatischen Nationalmannschaft schon internationale Erfahrung gesammelt. Ich bin mir sicher, dass er clever genug ist und mit der Mannschaft vertrauensvoll und erfolgreich arbeiten wird. Und wir alle im Verein werden ihn mit aller Kraft unterstützen.

SPORT1: Was macht Sie sicher, die richtige Wahl getroffen zu haben?

Salihamidzic: Wir sind zu 100 Prozent von ihm überzeugt. Er ist ein Supertyp, wir haben ja auch zusammen beim FC Bayern gespielt und sind befreundet. Aber das Wichtige ist: Er kennt unseren Klub, unsere Strukturen und die DNA des Klubs. Er ist sehr fleißig, akribisch, innovativ und modern. Deswegen sind wir alle sicher, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben.

SPORT1: Uli Hoeneß war sehr verärgert über die Vorwürfe von Fredi Bobic, der Bayerns Vorgehen bei der Verpflichtung als respektlos und unprofessionell bezeichnet hat. Waren Sie auch sauer?

Salihamidzic: Ich kann natürlich verstehen, dass Fredi verärgert ist, dass er so einen Supertrainer an uns verliert. Trotzdem finde ich die Wortwahl unangemessen, weil wir uns vollkommen korrekt verhalten.

SPORT1: Bobic hat auch kritisiert, dass sich der FC Bayern nicht vorher in Frankfurt gemeldet hat.

Salihamidzic: Ich habe mich mit Niko abgesprochen, er wollte das Fredi Bobic und Bruno Hübner als Erster sagen. Wir konnten natürlich nicht wissen, dass es an dem Abend noch rauskommt. Deshalb haben wir überhaupt keine Schuld. Im Gegenteil. Wir haben uns sehr korrekt verhalten, weil wir das auch im Mai irgendwann hätten bekanntgeben können. So hat Frankfurt vier Wochen mehr, um sich auch nach einem Trainer umzuschauen. Das ist sehr professionell, deswegen kann ich die Vorwürfe nicht verstehen. Aber seine Enttäuschung verstehe ich natürlich.

SPORT1: Viele glauben nicht, dass Niko Kovac erst am Donnerstag von Ihnen angerufen und schon wenige Stunden später zugesagt hat. Was antworten Sie?

Salihamidzic: Doch, das ist möglich. Wenn auf der anderen Leitung ein richtig guter Trainer ist, dann kann man sich ganz schnell einigen.

SPORT1: Zur aktuellen Situation unter Jupp Heynckes: Wie wichtig war der überzeugende Sieg gegen Mönchengladbach mit Blick aufs Pokalspiel in Leverkusen?

Salihamidzic: Sehr wichtig. Die Jungs haben bis auf die Anfangsphase ein sehr gutes Spiel gemacht. Nun fahren wir nach Leverkusen und wollen ins Pokalfinale. Jetzt geht es um die Wurst, da zählt nur ein Sieg.

SPORT1: Sie selber haben 2005 im Endspiel zwei Minuten nach Ihrer Einwechslung das Siegtor für Bayern gegen Schalke geschossen. Welche Erinnerungen haben Sie an den DFB-Pokal?

Salihamidzic: Ein Pokalfinale in Berlin ist für jeden Fußballer ein Highlight in der Karriere. Genauso war es auch bei mir, besonders in diesem Spiel mit der Einwechslung und dem entscheidenden Treffer. Titel zugewinnen, dafür leben wir alle, Verantwortliche wie Spieler. Deshalb werden wir alles dafür tun, das Halbfinale zu gewinnen. Denn für solche Endspiele lebt man in seiner Karriere.