München - Borussia Dortmund verliert das Derby und eine gute Ausgangsposition im Kampf um die Champions-League-Plätze. Der Trainer wackelt. Verspielt der BVB am Ende alles?

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Hans-Joachim Watzke wollte mit gutem Beispiel vorangehen.

Borussia Dortmunds Boss hatte extra ein sportliches Outfit für diesen Derbytag gewählt. Und bei dem Tatendrang, den er versprühte, hätte ihn Trainer Peter Stöger am besten gleich in der Startelf aufgeboten. 

Watzke war heiß auf dieses Prestigeduell gegen den FC Schalke, hatte sich bis in die Katakomben vorgewagt. Dort kam ihm jedoch die Erkenntnis, dass er Dortmunds sportliche Geschicke lieber doch seinen Spieler überlässt.

"Die Jungs stehen da draußen und müssen motiviert sein", sagte Watzke in einem Interview vor Anpfiff. Ob ihn eine Vorahnung beschlich?

In den kommenden 90 Minuten sollte jedenfalls kein einziger BVB-Akteur an sein Motivationslevel heranreichen. 

BVB vergibt Chance im Rennen um die Champions League

Das blamable Aus in der Europa League, die 0:6-Abreibung in München und jetzt die Pleite gegen den Erzrivalen: Dortmunds Derbyauftritt war der dritte sportliche Offenbarungseid binnen weniger Wochen. 

"Das haben wir einfach verkackt", gab Marco Reus bei Sky kleinlaut zu. 

Trainer Peter Stöger befand, man habe "eine große Chance vertan", sich im Kampf um die Champions-League-Ränge in eine gute Ausgangsposition zu bringen. Während Sieger Schalke die Königsklasse fast sicher ist, trennen sein Team nur noch vier Punkte von Tabellenplatz fünf. 

Der BVB steckt mitten in einem Pulk von konkurrierenden Mannschaften. Im schlimmsten Fall springt am Ende lediglich Platz sieben heraus. (Der Tabellenrechner der Bundesliga) 

Gegen Bayer Leverkusen und 1899 Hoffenheim muss Dortmund sogar noch im direkten Duell bestehen. Der Unterschied zur Konkurrenz: Bei der Borussia zeigt die Formkurve nicht nach oben - eher in die entgegengesetzte Richtung.

Deutliche Kritik an Stöger

Was die Dortmunder Verantwortlichen sorgenvoll stimmen sollte, ist die Marschroute, nach der die Mannschaft derzeit Fußball spielt. Kritiker behaupten, es sei erst gar keine zu erkennen.

Auf Schalke setzte der BVB kaum Akzente nach vorne. Marco Reus blieb blass, Michy Batshuayi hing völlig in der Luft und musste immer wieder in die eigene Hälfte zurück, um überhaupt den Ball berühren zu dürfen.

Andre Schürrle wirkte erst nach der Pause mit, Mario Götze beließ Peter Stöger sogar bis zur 86 Minute auf der Bank. 

Ohnehin nahm der Coach auffallend wenig Einfluss aufs Spiel seiner Mannschaft. Die meiste Zeit stand er regungslos in seiner Coaching-Zone.

Nach gut einer Stunde, als der BVB nach dem Rückstand eine Kurskorrektur nötig hatte, ließ sich Stöger auf seinen Stuhl fallen. Er saß da - und reagierte nicht. 

Spätestens nach der Pleite von Schalke ist Stögers Verbleib über die Saison hinaus fraglicher denn je. Für die Medien im Umfeld ist der Abschied des Österreichers alternativlos. 

"Stöger ist nicht die Zukunft! BVB zum Handeln gezwungen", titelte das Portal Der Westen am Samstagabend. Und die Ruhrnachrichten kommentierten: "Ab Ende Mai muss in Dortmund aufgeräumt werden."

Wird Rose neuer Trainer?

Tatsächlich fällt in Dortmund dieser Tage in vielen Gesprächen der Name Marco Rose als potentieller Nachfolger für die kommende Saison.

Der Mann ist Trainer bei FC Salzburg und mit seinem Klub gerade ins Halbfinale der Europa League eingezogen. Dorthin, wo der BVB auch gerne stünde.

Vor allem aber wird Rose, einem ehemaligen Mainzer Bundesliga-Profi, etwas nachgesagt, das Kritiker Peter Stöger absprechen: Eine spielerische Philosophie und Mut zum Offensivfußball. 

Gegen Lazio Rom drehte Salzburg zuletzt ein 2:4 aus dem Hinspiel. Im Rückspiel hatte der Klub bis zur 55. Minute 0:1 hinten gelegen. Dann rief Rose die große Schlussoffensive aus. Die Partie endete 4:1. Salzburg kam weiter. 

Nach solchen Erfolgsgeschichten sehnen sie sich dieser Tage in Dortmund vergeblich. Und jetzt fällt auch noch einer ihrer Besten aus. 

Sorgen um Batshuayi

Michy Batshuayi stolperte in einer der letzten Derby-Szenen über den heran fliegenden Benjamin Stambouli. Sein linker Fuß geriet unter dessen Oberkörper. 

Das nächste, was man von Bathuayi sah, war sein schmerzverzerrtes Gesicht, als er auf der Trage liegend vom Platz gehievt wurde.

Verdacht auf Knöchelbruch. Womöglich sogar das Saisonaus. WM in Gefahr. Es steht nicht gut um den BVB in den Wochen der Wahrheit. 

Kommenden Samstag geht es in der Liga übrigens gegen Leverkusen. Wieder so ein direktes Duell um die Champions League. 

In Dortmund sollten sie schleunigst zu der Form zurückfinden, die zur Teilnahme an diesem Wettbewerb berechtigt.

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