München und Gelsenkirchen - Freiburg wütet auf Schalke gegen den Schiri und Petersens Platzverweis. Dieser soll eine Gelbe Karte gar nicht mitbekommen haben. Christian Streich ist auf 180.

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Christian Streich war noch weit nach dem Abpfiff merklich außer sich, auch wenn er versuchte, sich nach außen hin zusammenzureißen.

"Ich habe nichts zu sagen. Ich sage nichts zu den Situationen", meinte Freiburgs Trainer auf der Pressekonferenz nach der 0:2-Niederlage auf Schalke: "Es hat jeder gesehen, was passiert ist."

Was Streich in erster Linie meinte: die Gelb-Rote Karte gegen Nils Petersen (66.), der von Schiedsrichter Tobias Stieler zwei Mal kurz hintereinander wegen Meckerns bestraft wurde - seine erste Verwarnung aber angeblich gar nicht wahrgenommen hatte.

"Ich habe mit Nils eben gesprochen. Er zeigt im Rücken die Gelbe Karte, er kriegt es nicht mit", sagte Sportvorstand Jochen Saier direkt nach dem Spiel bei Sky.

Diese Darstellung bestätigte später auch Streich, der es dann eben doch nicht so ganz schaffte, nichts zu sagen.

"Er hat ja keine Augen hinten. Er hat nichts gewusst. Der Schiedsrichter zeigt ihm die Gelbe Karte und läuft weg und er sieht nix. Sieht jeder im Fernsehen", haderte Streich, der sich weiter merklich auf die Zunge biss: "Ich darf nichts sagen, es ist unglaublich."

SC-Trainer Streich muss auf die Tribüne

Petersen war von Stieler unmittelbar nach dem Schalker Führungstreffer im Mittelkreis verwarnt worden, stand in dem Moment jedoch mit dem Rücken zum Unparteiischen. Dieser drückte Petersen zwar den Finger in den Rücken, der Freiburger drehte sich allerdings auch daraufhin nicht um.

Trotzdem sei die Verwarnung eindeutig gewesen, wie Stieler später betonte. "Ich habe ihm die Gelbe Karte gezeigt, dabei auf den Rücken getippt und gesagt: 'Gelb, Nummer 18.' Es war also klar kommuniziert."

Petersen habe zuvor trotz des Video-Assistenten "heftig reklamiert. Ich will ihm Gelb geben, gehe auf ihn zu - und er dreht mir den Rücken zu." Stieler betonte, er hätte Petersen zwar zum Umdrehen auffordern können: "Dann würde sich das Ganze aber zu sehr hochschaukeln."

Streich war nach dem Platzverweis gegen Petersen an der Seitenlinie allerdings kaum mehr zu beruhigen, tobte hin und her und musste unter anderem vom Ex-Freiburger Daniel Caligiuri im Schalker Trikot beruhigt werden. Stieler schickte schließlich auch Streich vom Platz, dieser musste das restliche Spiel von der Tribüne verfolgen.

"Er begleitet das emotional und kriegt sich in dem Moment emotional nicht so richtig wieder in den Griff", erklärte Saier, "aber ich glaube das liegt auch daran, dass wir die Erlebnisse hatten schiedsrichterseitig, nicht nur heute."

Vorgeschichte zwischen Freiburg und Stieler

Was Saier unter anderem meinte: Stieler und der Sport-Club haben in dieser Saison bereits eine brisante Vorgeschichte.

Beim 0:3 in Stuttgart Ende Oktober hatte der Unparteiische Freiburgs Caglar Söyüncü wegen eines Handspiels nach Hinweis des Video-Assistenten und Ansicht der TV-Bilder die Rote Karte gezeigt, obwohl er zunächst auf Weiterspielen entschieden hatte - eine mehr als umstrittene Entscheidung.

"Ich dachte es ist überstanden, wir waren in Stuttgart 80 Minuten in Unterzahl, unberechtigerweise. Ich dachte, damit ist es erledigt, aber heute wurde es fortgesetzt, was in Stuttgart passiert ist", sagte Streich, der wohl auch deshalb direkt nach dem Platzverweis gegen Petersen immer wieder "Was macht ihr mit uns!? Was macht ihr mit uns!?" in Stielers Richtung gerufen hatte.

Auf die Frage, ob er im Eifer des Gefechts an der Seitenlinie vielleicht etwas überreagiert habe, antwortete Streich: "Ich habe nicht überreagiert, ich habe ein Schimpfwort benutzt." Kontakt zu Stieler habe es nach dem Spiel derweil nicht mehr gegeben.

"Wir haben in Stuttgart das Erlebnis gehabt mit ihm, das war eine unglaubliche Aktion", erinnerte auch Saier noch einmal.

Sogar Stieler selbst hatte damals mit etwas Abstand bei Sky erklärt: "Wenn ich es mir noch einmal anschaue, mit einem gewissen Abstand und in Ruhe, überwiegen vielleicht die Zweifel."

Gulde zweifelt an Elfmeter für Schalke

Leichte Zweifel hatten die Freiburger in der Schalker Arena auch, was den Elfmeterpfiff vor dem 0:1 anging.

"Für mich war es kein Elfmeter, weil ich den Ball am linken Fuß gespürt habe", meinte der vermeintliche Übeltäter Manuel Gulde.

Sportvorstand Saier sah dagegen zumindest "eine blöde Aktion, den kann man schon geben. Das ist so eine Kann-Entscheidung, die fällt natürlich gegen uns aus."

Für Unverständnis sorgten aber vor allem die Umstände von Petersens Platzverweis.

"Wenn das stimmt, ist es natürlich äußerst dubios, weil der Nils nicht weiß, dass er schon eine Gelbe Karte hat", meinte auch Mitspieler Nicolas Höfler: "Dann muss man vielleicht mal hinterfragen, ob da eine bessere Kommunikation zwischen Schiedsrichter und Spieler stattfinden muss."