München - Ralph Hasenhüttl und RB Leipzig sind immer häufiger unterschiedlicher Meinung. Der Boss kontert die Kritik des Trainers. Nicht ausgeschlossen, dass es im Sommer zur Trennung kommt.

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Vergangene Woche, nach dem Sieg in der UEFA Europa League, hat Ralph Hasenhüttl auffallend deutlich von einem neuen Kapitel gesprochen. 

"Wir haben ein neues Kapitel in der Geschichte des Vereins aufgeschlagen", sagte der Trainer, als er mit RB Leipzig ins Viertelfinale eingezogen war. "Und das Kapitel geht weiter."

Nun sind Fortschritt und Entwicklung ja durchaus Tugenden, die RB Leipzig für sich beansprucht. Man muss sich nur die Frage stellen: Wird Hasenhüttl künftig noch Teil eines neuen Kapitels in diesem Klub sein?

Differenzen mit Hasenhüttl immer deutlicher

Die Differenzen mit den Verantwortlichen werden dieser Tage immer deutlicher sichtbar. Egal, wer aus der Führungsriege sich gerade zu Wort meldet.

Dort ist zunächst einmal der Trainer, der der aus seiner Sicht überzogenen Erwartungshaltung im Klub entschieden entgegen getreten ist.

"Man kann nicht junge, entwicklungsfähige Spieler an den Start lassen und andersherum permanent Erfolge einfordern, die diese Mannschaft nicht leisten kann im Moment", sagte Hasenhüttl nach der Rückkehr aus St. Petersburg. 

Er nannte keine Namen und doch wusste in Leipzig jeder, an wen seine Worte gerichtet waren.

Der überaus ehrgeizig geltende Sportdirektor Ralf Rangnick hatte sich zuvor herausgenommen, die Mannschaft für eine Serie an sieglosen Spielen in der Liga zu kritisieren. 

Zum ersten Mal stellte sich Hasenhüttl öffentlich gegen ihn. SPORT1-Kolumnist Marcel Reif will erkannt haben: "Hasenhüttl hat sich mit dem Erfolg emanzipiert. Wie es aussieht, will er sich nicht mehr von Rangnick reinreden lassen."

Das war vor dem Sieg gegen den FC Bayern am Sonntag. 

Bei RB "nicht immer alles rosarot"

Am Mittwoch tat sich nun ein neuer Konflikt für den Trainer auf. Geschäftsführer Oliver Mintzlaff verpasste seinem Trainer in der Sport Bild einen spürbaren Seitenhieb. 

Es habe Partien gegeben unter Hasenhüttl, merkte Mintzlaff an, "in denen wir unser Spiel und unsere DNA nicht so auf den Platz gebracht haben". Und um die Wirkung seiner Worte zu verstärken, ließ er wissen, dass bei RB mitnichten "immer alles rosarot" sei.

Mintzlaff ist ein Medienprofi durch und durch. Bei ihm kann man sicher sein, dass er jede gedruckte Aussage auch genauso lancieren wollte. 

Seine Botschaft sagt jedenfalls viel über das Verhältnis der Bosse zu Hasenhüttl aus. So intakt, wie es mal war, ist es allem Anschein nach nicht mehr. Auch wenn Mintzlaff sagt: "Es knirscht nicht bei uns."

Der Verein hat dem Trainer in wesentlichem Maße die sportliche Entwicklung in den vergangenen anderthalb Jahren zu verdanken. Das muss aber nicht zwingend bedeuten, dass Hasenhüttl auch in der kommenden Saison noch auf der Bank sitzt. 

Seit Monaten wird der Österreicher als möglicher neuer Trainer in München oder bei Borussia Dortmund gehandelt. Und bei Hasenhüttl weiß man ja, welche Wirkung die Aussicht auf höhere Aufgaben bei ihm erzielt. 

Hasenhüttl und der Drang des nächsten Schrittes

Ende 2016 sagte er in einem Interview sinngemäß über seinen Job: Wenn man merkt, wo die Grenzen sind, erkennt man schnell, dass man die Freude verliert. Man ist ehrgeizig und will den nächsten Schritt machen.

Seinerzeit war Hasenhüttl gerade ein halbes Jahr Trainer von RB. Möglich, dass ihn seine Eingebung von damals jetzt einholt. 

Hasenhüttls Vertrag läuft zwar noch bis Sommer 2019. Gespräche über eine Verlängerung sind bislang aufgeschoben worden. 

Beim FC Ingolstadt kommt ihnen diese Masche bekannt vor. 

Die Schanzer wollten seinerzeit vorzeitig mit Hasenhüttl verlängern. Der wollte sich zunächst lieber auf den Abstiegskampf konzentrieren. Als der Klassenerhalt perfekt war, kam das Angebot aus Leipzig - und Hasenhüttl war weg.

"Klingt mittlerweile sehr nach Abschied"

Wohl auch deshalb sprach Oliver Mintzlaff am Montag eine deutliche Forderung aus. 

"Der Trainer muss sich überlegen, wie seine Zukunft aussieht, ob die Philosophie des Vereins weiterhin zu ihm und seinen Vorstellungen passt", sagte er. "Und dann müssen wir schauen, ob das deckungsgleich mit unserer Ausrichtung ist."

Nicht ausgeschlossen, dass dem Klub im Sommer die Erkenntnis kommt, dass Hasenhüttl nicht mehr der richtige Trainer ist. Oder aber umgekehrt. 

"Nachdem was ich lese und höre, ist Hasenhüttls Reise mit RB bald vorbei", schreibt SPORT1-Experte Marcel Reif. "Das alles klingt mittlerweile sehr nach Abschied."