Mario Götze ist aktuell eines der größten Sorgenkinder des BVB. Der Weltmeister kann sein Potenzial nicht abrufen - und nicht nur Trainer Peter Stöger fragt sich, warum.

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Ein bisschen sah man Peter Stöger die kurze Nacht und die Enttäuschung über das bittere, aber hochverdiente Europapokal-Aus noch an. Etwas angespannter als gewohnt stellte sich der Trainer von Borussia Dortmund am Freitagnachmittag den Fragen der Medienvertreter.

Eines wollte Stöger zu Beginn dann aber doch klarstellen: Das Ausmaß der Reaktionen auf seine Kritik an BVB-Edeltechniker Mario Götze nach dem Salzburg-Spiel habe ihn sehr überrascht: "Das hat wahrscheinlich mehr Interesse verursacht, weil Mario natürlich ein besonderer Spieler ist."

Ein Spieler, der nicht erst seit Donnerstagabend entfernt ist von der Form alter Tage. Stöger hatte sich Götzes Auftritt gegen Salzburg 45 Minuten lang angesehen – und dann rigoros durchgegriffen. Nach desolaten Zweikampf- und Laufwerten wechselte er den 26-Jährigen aus.

"Mit Mario überhaupt nicht zufrieden"

Am SPORT1-Mikrofon erklärte Stöger seine Knallhart-Maßnahme nach dem Spiel so: "Mit Mario waren wir überhaupt nicht zufrieden. Wir haben uns eine spielerische Linie erwartet, Positionen anzuspielen, Bälle in die Tiefe zu spielen, Laufwege zu machen hinter die Kette. Das ist ja tatsächlich überhaupt nicht passiert!"

Und weiter: "Wenn das überhaupt nicht passiert und gar nicht umgesetzt wird, muss man halt anderen Jungs eine Chance geben!" Eine verbale Ohrfeige für Götze samt klarer Ansage: Dortmunds hochveranlagtes Eigengewächs muss endlich auf Touren kommen.

Götze selbst konterte die Kritik am Freitag via Sportbild auf eigene Art: "Ich bin dem Trainer dankbar, dass er mich auf meine Defizite hingewiesen hat und ich werde stark daran arbeiten", so der Mittelfeldspieler.

Auch wenn Stöger diese Reaktion auf der Pressekonferenz mit einem flapsigen "sehr schön!" weglächelte, sprach aus Götzes Aussagen doch unweigerlich auch ein bisschen Süffisanz. Dem Edeltechniker - das sah man schon am Donnerstagabend in Salzburg - missfiel seine frühe Auswechslung gewaltig.

Leistungsknick nach Bänderriss

Zur Wahrheit gehört aber: Die aktuellen Leistungen des Mittelfeldspielers geben den BVB-Bossen seit Wochen Rätsel auf. Nach seiner langwierigen Stoffwechselerkrankung und einer komplizierten Reha schien Götze Mitte der Hinrunde auf bestem Weg zur Normalform. Er präsentierte sich körperlich gut in Schuss, sein damaliger Trainer Peter Bosz schenkte ihm uneingeschränktes Vertrauen.

Im Derby gegen Schalke verletzte sich Götze dann allerdings: Bänderanriss im Sprunggelenk, absolute Ruhe bis zur Winterpause. Unter Stöger büßte Götze im neuen Jahr seinen unantastbaren Status ein.

In nur zwei Parteien spielte der ehrgeizige Mittelfeldspieler über 90 Minuten, was seine Laune nicht gerade förderte. Auf die Nicht-Aufstellung im Heimspiel gegen den Hamburger SV reagierte Götze in einem Sky-Interview öffentlich so: "Ich war überrascht!"

Belegen lässt sich allerdings: Götze fand nach der Winterpause nicht mehr zu alter Form. Er wirkt längst nicht mehr so kreativ, hat weniger Zug zum Tor. Auch seine plötzliche Laufstärke, die dem Mittelfeldspieler in der Hinrunde eine Menge Anerkennung einbrachte, hat er eingebüßt. In der BVB-Offensive haben ihm aktuell seine beiden Kumpels Marco Reus und André Schürrle den Rang abgelaufen.

Keine Einladung von Löw

Ein weiteres Indiz für Götzes Formdelle: Am Freitag berief ihn Bundestrainer Joachim Löw nicht einmal für die sportlich zwar unbedeutenden, aber prestigeträchtigen Testspiele gegen Brasilien und Spanien. Löw vertraut lieber auf andere Spieler - und nimmt Götze in die Pflicht.

"Ich wünsche mir von ihm, dass er aus seiner Position wieder mehr in die Spitze geht. Wir müssen ihm helfen, dass er daran arbeitet und die nächsten zwei Monate nutzt", sagte der Bundestrainer über seine Helden von Rio. 

Götze ließ indes wissen, beim BVB sollte nun "gemeinsam an einer positiven Entwicklung" gearbeitete werden. Und: "Vielleicht sollten wir uns besser ganz schnell alle hinterfragen."

Dabei sollte der Nationalspieler allerdings vor allem vor der eigenen Türe kehren. Sonst blühen ihm nicht nur beim BVB ungemütliche Wochen – auch seine WM-Teilnahme wäre in akuter Gefahr!