München - Louis van Gaal prophezeit dem FC Bayern Probleme bei der Trainersuche - wegen Uli Hoeneß. Doch er lobt den Präsidenten auch. Für Jupp Heynckes hat er einen Rat.

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Louis van Gaal hat Jupp Heynckes den Abschied vom FC Bayern München nach der Saison nahegelegt. Der Zeitpunkt sei für den 72-Jährigen perfekt.

"Wenn Jupp im Sommer aufhört, dann wäre das sehr vernünftig. In seinem Alter, er wird ja 73, ist es immer besser, auf dem Höhepunkt der Karriere aufzuhören. Das hat er ja bereits einmal getan (2013 nach dem Triple-Gewinn mit dem FC Bayern, Anm. d. Red.)", sagte van Gaal der Bild am Sonntag: "Wenn er nach dieser Saison aufhört, dann ist er ein Gott in Bayern."

Der Niederländer sieht in Heynckes zudem den "Anführer dieser Mannschaft, obwohl Uli Hoeneß immer denkt, dass er der Leader des FC Bayern ist. Aber das ist nicht so, denn der Leader ist immer der Trainer."

Hoeneß schreckt ab

Deshalb prophezeit der 66-Jährige seinem Ex-Klub auch Probleme bei der Suche nach einem erfahrenen Trainer. "Erfolgreiche Trainer wollen nicht, dass die Bosse sich in die Arbeit einmischen", meint van Gaal. So habe etwa der erst 30-jährige Julian Nagelsmann noch keine Titel gewonnen und könne damit besser umgehen.

Hoeneß' Einmischung hatte auch zum Zerwürfnis mit van Gaal geführt, als dieser sich von 2009 bis 2011 für den Rekordmeister verantwortlich zeigte. Deshalb hatte van Gaal auch in der Sport Bild festgestellt: "Solange Uli Hoeneß im Klub ist, würde ich dort nicht arbeiten."

"Jugendabteilung nicht so wichtig"

Der Niederländer findet jedoch auch lobende Worte für Bayerns Präsidenten. "Obwohl ich nicht mit Uli durch eine Tür gehen könnte, muss ich sagen: Er und Kalle (Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge, Anm. d. Red.) leisten bei Bayern fantastische Arbeit und haben eine große Chance, in der Champions League den Titel zu holen", findet van Gaal. "Eine Verteidigung wie (Mats) Hummels und (Jerome) Boateng hat Manchester City nicht."

Kritisch betrachtet der 66-Jährige jedoch die Nachwuchsförderung. "Die Jugendabteilung ist den Bayern nicht so wichtig, denke ich." Den ausgemachten Grund dafür liefert er auch: "Weil es für Bayern einfacher ist, die besten Spieler anderer Mannschaften zu kaufen. Sie machen die anderen Klubs damit schwächer."

Zahlreiche Anfragen

Seine Zukunft sieht van Gaal derweil nicht mehr auf der Trainerbank, obwohl er nach eigener Aussage "sogar noch jede Woche Angebote" bekomme. "Wenn man, wie ich, Ajax Amsterdam, Barcelona, die Niederlande, den FC Bayern und Manchester United trainiert hat, ist es aber für jedes Angebot schwer, interessant zu sein."

Und weiter: "Ich habe bereits Angebote von WM-Teilnehmern abgelehnt, zuletzt auch ein 25-Millionen-Angebot aus China." Das Projekt Paris Saint-Germain findet van Gaal interessant, das die Franzosen eine Spitzenmannschaft seien. "Aber ich könnte das nicht so einfach machen. Dann müsste ich wieder eine neue Sprache lernen und mit Französisch tue ich mich schwer."