München - Christian Titz soll den HSV vor dem Abstieg bewahren. Der neue Trainer setzt sofort neue Impulse und krempelt den Kader um. Einige Eigenschaften erinnern an Pep Guardiola.

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Christian Titz hat einen Plan.

Das machten die ersten Auftritte des neuen Cheftrainers des Hamburger SV deutlich. Der bisherige Coach der Regionalligamannschaft des Bundesliga-Dinos sorgte von Beginn an für frischen Wind.

"Es wird Veränderungen in der Startaufstellung geben, so viel steht fest", sagte der neue Übungsleiter vor seinem Debüt am Samstag gegen Hertha BSC (ab 15.30 Uhr im LIVETICKER). "Wir wollten den Konkurrenzkampf erhöhen, andere Typen reinbringen, auch für die Kommunikation in der Kabine."

Gesagt, getan: Für die wohl letzte Chance gegen die Berliner sortierte Titz mit Andre Hahn, Walace und Dennis Diekmeier drei Leistungsträger aus. Zudem strich er Sven Schipplock, Vasilije Janjicic und Josha Vagnoman aus dem Kader.

Zu seinem ersten Profi-Training hatte Titz gleich mal Nachwuchsspieler mitgebracht. Die Neuen sollen die Konkurrenzsituation beleben. "Alle haben nun wieder die gleiche Chance, alles steht auf Null, auch die Torhüter-Position", kündigte der 46-Jährige an.

Titz kommt als Tabellenführer

Mohamed Gouaida, Matti Steinmann, Arianit Ferati, Moritz Broni-Kartweng, Marco Drawz und Young-Jae Seo sollen den Arrivierten Druck machen. Die nur echten HSV-Fans bekannten Akteure gehören zum Teil Titz' Erfolgsmannschaft an: Der Fußballlehrer führte die U21 der Rothosen an die Tabellenspitze der Regionalliga Nord.

Dort lässt Titz gepflegten Offensivfußball spielen. Diesen Stil will er nun auch dem Bundesliga-Team einimpfen. "Ich bin ein Trainer, der für eine eigene Spielidee steht. Wir werden daran arbeiten, im Spiel mit Ball Lösungen zu finden, um in der Offensive zum Erfolg zu kommen."

Neue Impulse für das Angriffspiel des Dinos sind auch bitter nötig. Mit 18 Toren in 26 Spielen stellt der HSV die mit Abstand schlechteste Offensive der Bundesliga.

Ex-Sportdirektor Frank Arnesen schätzt bei SPORT1 Titz' Beförderung als gelungenen Schachzug ein: "Die Fans werden ihn positiv aufnehmen, weil er aus dem Verein kommt. Er wird ganz zarte Aufbruchsstimmung entfachen."

Fokus liegt auf der Offensive

Auch auf ein weiteres taktisches Mittel will Titz mehr Wert legen. Am Dienstag ließ er Pressing trainieren - damit agierte der HSV schon seit Langem nicht.

Möglicherweise wird der Coach darüber hinaus einen Systemwechsel vollziehen. In der ersten Übungseinheit studierte er mit den Spielern ein 4-1-4-1 ein. Bernd Hollerbach hatte zumeist zwei Sechser und drei offensive Mittelfeldspieler aufgeboten.

Ohnehin gilt Titz als sehr akribisch, seine Auffassung des Fußballs erinnert an die von Pep Guardiola. "Ich liebe den Fußball und bin besessen von diesem Spiel", sagte er einst.

Der staatlich geprüfte Betriebswirt hat über 50 E-Books über Taktik, Technik und Trainingslehre im Fußball verfasst. Über das von ihm mitgeführte Online-Portal Coaching Zone gibt er sein Fachwissen weiter.

"Mich beeindruckt seine absolute Leidenschaft für das Spiel. Er ist mit großer Akribie unterwegs", schwärmte Sportdirektor Bernhard Peters vom bereits dritten HSV-Cheftrainer der laufenden Saison.

Holtby profitierte vom neuen HSV-Coach

Vor seinem Engagement bei der U21 des HSV trainierte er die U17, davor war er als Trainer und Scout beim US-amerikanischen Verband angestellt. Doch damit nicht genug. Titz verdiente sein Gehalt auch als Individualtrainer. Einer seiner ehemaligen Schützlinge: Lewis Holtby, der zu seiner Schalker Zeit Titz' Arbeit in Anspruch nahm.

"Ich hoffe, Lewis wird eine gute Rolle spielen. Aber wie gesagt: Er muss wie alle anderen selbst durch die Tür gehen", stellte Titz noch einmal klar, dass unter ihm jeder Spieler auf dem gleichen Level anfängt. Am Samstag gegen die Hertha steht Holtby zumindest mal wieder im Kader.

Dann wartet die erste Bewährungsprobe auf Titz. Sie wird die ersten Hinweise liefern, ob sein Plan aufgeht.